Aufsatz 
Zur Geschichte des Hanauer Gymnasiums : Mitteilungen über die Matricula Illustris Paedagogii Hanoviensis von 1648 - 1748 / von Philipp Braun
Entstehung
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Im kleinen Garten unseres Schulhauses wir kommen nachher dort vorüber schmückt sich eben im späten Herbst ein Kastanienbäumchen mit neuen Blättern und neuen Blüten. Ich nehme das als günstige Vorbedeutung. Möge unsere Schule, die 3 Jahrhunderte plühte, stets neue Blätter, neue Blüten tragen, doch stets Blüten, die da Frucht bringen zu ihrer Zeit!

Meine Festgenossen! Daß in unserem ganzen Unterrichtswesen immer mehr ein freundlicher Geist der Liebe einzieht, das danken wir wesentlich unserer Unterrichtsverwaltung, in erster Linie aber dem Manne, der an der Spitze des Staatswesens dem gesamten Schulwesen andauernd die größte Sorge zuwendet, der ein Freund der Jugend ist, wie kein zweiter. Zu ihm und seinem Hause wollen wir treu stehen in guten und in bösen Tagen.

Seine Majestät unser Kaiser und König Wilhelm II. lebe hoch! hoch! hoch!

Nachdem das Kaiserhoch verklungen und der GesangHeil dir im Siegerkranz gesungen war, betrat Se. Exzellenz der Herr Oberpräsident Hengstenberg die Rednerbühne. Er erinnerte daran, daß zweien Zeitströmungen, durch welche die Seele des Volkes erregt war, das Gymnasium seinen Ursprung verdanke, dem Wiederaufleben der klassischen Bildung und dem Werke der Reformation. Auch ein ganzes Stück politischer Geschichte spiegele sich in der Schulgeschichte ab. Die alte Grafschaft Hanau sei in die preußische Monarchie übergegangen, als deren Vertreter er Glückwünsche darbringe mit dem Wunsche, daß die Ziele des Stifters, die Jugend zu Säulen des geistlichen und weltlichen Regimentes zu erziehen, auch ferner von der Anstalt verfolgt werden möchten. Als sichtbares Zeichen der Anerkennung überreichte er den beiden ältesten Lehrern, den Professoren Wackermann und Schmitz. die ihnen verliehenen Ordensauszeichnungen.

Nächstdem überreichte die Glückwünsche der Universität Marburg Herr Geh. Med. Rat Dr. Mannkopf. Ein Zufall füge es, daß er, der als jugendlicher Rektor der Marburger Universität bei der Einweihung ihres Neubaues am 29. Mai 1879 die Wünsche der versammelten kurhessischen Gymnasialdirektoren entgegengenommen habe, jetzt diese dem Hanauer Gymnasium erwidere. Er sei seit 40 Jahren Zeuge der engen Beziehungen zwischen der Universität und den Quellen, aus denen sie junges Blut empfange, unter denen das Hanauer Gymnasium nicht an letzter Stelle stehe. Die Universität Marburg habe vom Hanauer Gymnasium viel empfangen, unter anderem auch Hoch- schullehrer, aber auch viele tüchtige Lehrer ihm zurückgegeben. Zur Zeit der konfessionellen Gegensätze, da auch die beiden Linien des Hanauer Fürstenhauses sich trennten und ein Anti- Marburg entstand, habe die damals neu ins Leben getretene Hanauer Schule treu zu Marburg gestanden.

Noch einer besonderen Beziehung müsse er gedenken. Die Hochschule Marburg habe schon in alter Zeit einer hochmodernen Richtung vorgegriffen und eine Frau Professor Hüttenbach zum Doktor ernannt. Diese habe aus Dankbarkeit einige Stipendien gestiftet und zwar einmal für einen jungen Philologen, der sich besonders dem Griechischen widme, ferner für einen Mediziner, der 3 Semester griechische Kollegien gehört habe. Dieser solle ein geborener Kurhesse sein, bevorzugt werde ein Hanauer. Und mit Bezug darauf spreche er noch den besonderen Wunsch der Universität aus, daß bei allen Anforderungen, die das moderne Leben an das alte Gymnasium stelle, doch immer das klassische Altertum gepflegt, insbesondere hellenischer Geist in die jugendlichen Gemüter gepflanzt und damit die Ideale wach gehalten werden möchten, wie jetzt, so immerdar.

Als Vertreter der Garnison betonte Herr Oberstleutnant Kaehler, daß auch das Heer eine Schule sei und gleich dem Gymnasium die höchste Kulturaufgabe, die Erziehung des Menschen- geschlechts, zu erfüllen habe. Daß dieses Ziel in Hanau in Einigkeit und Freundlichkeit zum Heile des Vaterlands verfolgt werden möchte, das sei sein Wunsch.