Aufsatz 
Zur Geschichte des Hanauer Gymnasiums : Mitteilungen über die Matricula Illustris Paedagogii Hanoviensis von 1648 - 1748 / von Philipp Braun
Entstehung
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Gymnasiasten sich an einer Sammlung zum Zwecke des Ankaufs von Schillers Geburtshaus beteili- gen sollten. Einer dieser 7, Herr Geh. Rat Dr. Heubner, weilt in unsrer Mitte. Wir gedenken heute voll Dankbarkeit aller der Männer, der toten wie der lebenden, die als treue Lehrer an dieser Schule z. T. mit hervorragendem Erfolg gewirkt haben. Sie werden es begreiflich finden,

wenn ich keine einzelnen Namen anführe. Ich nenne nur den einen:Piderit.

Und nun zum Schlusse eine Frage! Feiern wir die Gründung unserer Anstalt heute mit Recht?

Daß unsere Schule im fast ununterbrochenen Zusammenhange mit der 1607 gestifteten steht, das habe ich, wie ich glaube, nachgewiesen.

flat sie denn aber auch den Erwartungen ihres Stifters entsprochen?

Zwei Aufgaben hat der Gründer ihr gesetzt: Die Jugend sollte auf dieser Schule gleichsam als Säulen des weltlichen und geistlichen Regimentes erzogen werden.

Des weltlichen Regimentes! Wie viele Männer hat unsere Schule hervorgebracht, die als Gelehrte oder als Staatsmänner Tüchtiges, ja Hervorragendes geleistet haben! Wie viele haben in der Armee, zum Teil in ausgezeichneter Stellung, dem Staate treue Dienste geleistet! Ieh brauche keine Namen zu nennen. Ein Bliek in die Zusammenstellungen, die Herr Professor Wackermann über die letzten 50 Jahre gemacht hat, läßt es klar erkennen. Und wie viele sind darin nicht genannt, die in Handel, Kunst, Industrie oder anderweit für des Vaterlandes Wohl tätig waren oder sind!

Ist es nicht auch etwas Großes, wenn die Schule die heilige Flamme der Vaterlandsliebe in ihren Zöglingen erweckt? Schon unter den Hanauer Freiwilligen zu Roß von 1814 lassen sich wenigstens 5 chemalige Schüler der Hohen Landesschule feststellen, und 1870 haben zahlreiche vormalige Schüler unseres Gymnasiums für Deutschlands Größe gekämpft, wohl nicht wenige geblutet.

Wenn man annehmen darf, daß der Geist der Väter in den Söhnen zu Tage tritt, so dürfen wir auch die Brüder Grimm in gewissem Sinne uns zurechnen; lassen sich doch ihre Vorfahren durch 4 Generationen in unserer Schule verfolgen. Vielleieht dürfen wir auch annehmen, daß etwas von dem Geiste, der unsern Emanuel Geibel durchglüht, auf unsere Schule zurückgeht, die sein Vater mit Ehren durchlaufen und 1791 mit dem Reifezeugnis verlassen hat, und wir sind besonders stolz darauf, zu Emanuel Geibel Beziehungen zu haben, weil in keinem Dichter mehr als in ihm unsere Ideale verbunden sind, die da sind:

echte Herzensfrömmigkeit, innige Liebe zum Vaterland, warme Begeisterung für das klassische Altertum. Und wie steht es mit den Säulen des geistlichen Regimentes? Groß ist die Zahl der Geistlichen, die aus ihr hervorgegangen sind und ihr Ehre machen.

Der Gründer der Anstalt dachte bei seinen Worten freilich nur an sein eigenes Bekenntnis. Lange Zeit hat es die Schule treu bewahrt. Später hat sie allen Bekenntnissen gleiches Recht gewährt. Wenn aber die schönste und edelste Frucht eines jeden Bekenntnisses die christliche Liebe ist, so hat darin unsere Schule mehr und mehr zugenommen. Der Stock, die Rute sind längst gewichen, und wenn auch Ernst, nötigenfalls Strenge in ihr waltet, so suchen wir doch möglichst ohne Strafe auszukommen. Denn wenn ich für die Schule als solche ein Dogma anerkenne, So ist es das, daß das die beste Schule ist, welche die wenigsten Strafen nötig hat.

Möge, das ist der Wunsch, den ich hier darbringe, der Geist der Duldsamkeit, der Freund- lichkeit und der Liebe immer in ihr herrschen!