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Männer zu gebrauchen, die nur als stille Gelehrte, unbekümmert um das Treiben der Jetztzeit, sich in das Altertum versenken, es sind Männer nötig, die dem Leben der Gegenwart klares Ver- ständnis und offenen Blick entgegenbringen. Ein Lehrer, der in diesen Fragen seinen Unterricht der Fassung der Schüler anzupassen versteht, kann sicher sein, stets aufmerksame und dankbare Zuhörer zu finden, und gegen ihn am wenigsten wird man den Vorwurf, er sei ein Sonderling, der so oft unserem Stande angehaftet hat, erheben.
Diese Aufgabe gehört aber zu den interessantesten des Lehrers der alten Sprachen, und unsere Schriftsteller geben uns auf Schritt und Tritt Gelegenheit zu ihrer Behandlung, was Ver- fassung, gesellschaftliches, volkswirtschaftliches Leben mit seinen unzähligen Fragen anlangt wie Grundbesitz, Hypothek, Zins, Wucher, totes und werbendes Kapital, Versicherung, Aktien, Kredit- wesen usw. freilich niecht für wissenschaftliche Erschöpfung, aber doch so, daß das Auge geöffnet wird. Unsere Lehrpläne freilich deuten das in keiner Weise für die Schriftstellerlektüre an, aber auch hier muß die spontane Entwickelung der Gesetzgebung vorausgehen.
Dadurch werden die seitherigen Aufgaben, welche die alten Sprachen haben, nicht be- einträchtigt, so das auf fester grammatischer Grundlage sich aufbauende Verständnis der Schrift- steller. Die vielgeschmähte Grammatik an sich ist und bleibt ein geistiges Zuchtmittel ersten Ranges. Man denke nur einmal daran, wie viel geistige Arbeit das junge Gehirn vollziehen muß, bis es eine einzige griechische Form mitsamt Akzent und allem, was dazu gehört, richtig gebildet hat. Geistige Arbeit ist aber immer Geistesübung.
Das Gymnasium will nach wie vor seine Schüler auf die hehren Gestalten hinweisen, die in edler Moral auf der Menschheit Höhen gewandelt haben, ich nenne nur den Namen Sokrates, ich erinnere an das Wort der Antigone: Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da.
Ich erinnere Sie an das Größte, was je ein Geschichtsschreiber geschrieben hat, des Thukydides sicilische Expedition..
Und dann denken wir an die ewig leuchtende Heiterkeit eines Homer, dessen Gesänge bald wie die Brandung des ewigen Meeres, bald wie eine Haydusche oder Mozartsche Tondichtung uns umrauschen.
Und nicht zuletzt sind es die klassischen Sprachen, die uns Gelegenheit geben, schon den Schüler einen Blick tun zu lassen in die geheimsten Werkstätten des menschlichen Geistes, wenn er sich gerade das schafft, was sein tiefstes und ureigenstes ist, die Sprache.
Endlich noch Eins. Nicht nur im Handwerk, im Ackerbau, in allen Einrichtungen des Lebens, auch in ihren geistigen Vorstellungen waren unsere Vorfahren, ehe sie mit den Römern in Berührung kamen, ein gar armes Volk. Mehr und mehr hellt auch die Forschung unserer Tage das auf, was unsere Sprache, z. B. in ihren abstrakten Begriffen, der lateinischen verdankt. Gerade hier in unserer nächsten Nähe, am alten Grenzwall, hat sich dieser friedliche Lehr- und Lernver- kehr vollzogen.
Geehrte Festgenossen! Ich habe die Antwort gegeben, ehe ich die Frage stellte, nämlich die: Hat das deutsche Gymnasium und mit ihm auch unser Gymnasium noch eine Existenzberech- tigung? Erfüllt es mit seinem Betrieb der alten Sprache noch eine nationale Aufgabe? Das Ja oder Nein überlasse ich Ihnen.
Noch viele Einzelheiten, die ehrend für unsere früheren Schüler sind, lägen mir am Herzen. Nur zwei erwähne ich: Einmal, daß die Hanauer Gymnasiasten die ersten Hanauer waren, die im Jahre 1817 freiwillig einen regelmäßigen Turnbetrieb eröffnet haben, unbekümmert um den Spott, mit dem sie damals verfolgt wurden, und dann, daß im Jahre 1859 sieben Hanauer Gymnasiasten es waren, die den Anstoß, der überall freudigen Widerhall fand, dazu gaben, daß alle deutschen


