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Er rief aber die Bundesgenossin umsonst an. Kaum 10 Tage nach Eingang von Sturios Brief erließ der Graf von Windecken aus die sog. Subsidienordnung, mit der die materielle Grund- lage der Schule gesichert wurde. Am 18. Juli folgte dann die Stiftungsurkunde. Sturio hatte gesiegt.
Philipp Ludwig hat ohne Zweifel die Absicht gehegt, mit der neuen Schule, die mit 5 Klassen eröffnet wurde, später eine Art von Universität zu verbinden. Aber sein früher Tod setzte seinen. Plänen ein Ziel. Erst 1623 führte seine Gattin Catharina Belgia als Vormünderin ihres Sohnes den Lieblingsplan ihres Gatten durch und eröffnete die Universität, die ich als die„erste“ be- zeichnen möchte..
Diese Universität verfiel aber bald wieder, und auch das mit ihr unter demselben Rektor stehende Gymnasium führte unter den Stürmen des 30üährigen Krieges nur ein kümmerliches, oft gestörtes Dasein. Erst 1665 wurde die Universität mit grobem Glanz von Friedrich Casimir und seiner Gattin Christine Sibylle von Anhalt wieder ins Leben gerufen und zugleich mit dem endlich unter Dach gebrachten Neubau, der noch heute unserer Schule als Obdach dient, eingeweiht.
Schon im Jahre 1640 aber hatte dieselbe Christine Sibylle, damals vormundschaftliehe Regentin, einen neuen Leiter des Pädagogiums berufen, den Scholarchen Johannes Geißel, und hatte ein ausführliches Instruktions-Memorial, wie man es nennt, erlassen. Als daher 1665 bei Eröffnung der zweiten Universität der neu berufene Rektor Joh. Ganterswiler auch das Rektorat des Gym- nasiums übernahm, konnten ihm schon geraume Zeit vor der Einweihung der Universität die Gymnasiasten und ihre Lehrer vorgestellt werden. Während also von 1648, wo der letzte Uni- versitätslehrer der ersten, 1623 gegründeten Universität, Philipp Pareus, gestorben war, bis 1665 die Universität erloschen war, hatte das Gymnasium inferius unzweifelhaft weiter bestanden.
lIch will nun in aller Kürze das Wichtigste über die weiteren Schieksale des Gymnasiums kurz berühren. Seine Geschichte fließt vielfach zusammen mit der Geschichte der übrigen Anstalten unseres weiteren und engeren Vaterlandes.
Still und friedlich führte die Anstalt lange Jahrzehnte hindurch ein geräuschloses Dasein. Sie stand bis 1736 unter Hanauischen Grafen und bekam dann, nach dem Aussterben dieser, ein neues Herrschergeschlecht in den jenen verwandten hessischen Fürsten. Lehrergeschlechter kommen und gehen, Schülergenerationen lösen einander ab, aber der Gang des Unterrichtes, Lehrziele und Lehrmethode erleiden keinen groben Wechsel. Da wird vielleicht statt des Donatus eine neue Grammatik, statt des Comenius orbis pictus ein anderes Lehrbuch zu Hilfe genommen, aber im all- gemeinen bleibt der Lehrgang so, wie ihn die Schule der Reformation festgesetzt hat. Das Lehr- ziel bleibt die feste Gründung einer christlichen Lebensanschauung in Verbindung mit den alten Sprachen und Vertrautheit mit den Werken des klassischen Altertums. Die christliche Lebens- anschauung wird verfolgt in der sog. Katechese(der Religion), der Kenntnis des Altertums dienen Latein, Griechisch und auch Hebräisch. Die Sprachen übt man durch Praecepta, das sind gramma- tische Regeln, ferner durch Exempla, das ist die Lektüre der Schriftsteller und endlich durch die Imitatio, das ist der mündliche und schriftliche Gebrauch der fremden Sprache. Es wird lateinisch gedichtet. Latein ist in den höheren Klassen auch die Unterrichtssprache. Griechisch wird in erster Linie getrieben wegen der heiligen Schriften, aber man liest auch griechische Sehriftsteller.
Neben den Sprachen treibt man den Anfangsunterricht in den artes reales, d. i. Arithmetik, Sſeometrie, Physik, Kosmologie und Weltgeschichte. Aber diese Wissenschaften haben durchaus nicht die Bedeutung, die man ihnen heutzutage zollt.
Wenn wir indessen heute gar zu sehr geneigt sind, voll Stolz auf unsere Didaktik und Pädagogik die Lehrkunst unserer Vorfahren gering zu schätzen, so begehen wir einen groben Fehler. An angeborenem, natürlichem Lehrgeschick hat es vielen jener Männern nicht gefehlt,


