Aufsatz 
Zur Geschichte des Hanauer Gymnasiums : Mitteilungen über die Matricula Illustris Paedagogii Hanoviensis von 1648 - 1748 / von Philipp Braun
Entstehung
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Wenn wir ein Bild Sturios hätten, heute gebührte ihm unbedingt ein Ehrenplatz neben dem Bilde des Grafen Philipp Ludwig II., denn er hat viel für unsere Schule getan.*) Sturio war beim Ausbruch der Pest, als der Graf mit seinem Hofe nach Windecken floh, unerschrocken zu Hanau zurückgeblieben und waltete seines Amtes, hatte aber, wie es scheint, seinen Wohnsitz im nahen Kesselstadt genommen, von wo er tagtäglich, wie er sagte, durch dick und dünn zur Stadt kam.

Durch einen Anstoß von außen kam endlich die Schulfrage wieder in Bewegung. Der Rektor Rudolf Lavater erhielt auf des Landgrafen Moritz von Hessen Befehl durch Hermann Vultejus und M. Goelenius einen Ruf an die Universität Marburg, und zwar sollte er Sphärik oder Arithmetik übernehmen, daneben die Oberleitung des Gymnasiums. Lavater konnte aber zu keinem rechten Entschlusse kommen. Auf der einen Seite so sagte er zu Sturio habe er einen gnädigen Herrn hier. Sollte er nun also abscheiden, ehe und bevor er sich besser verdient ge- macht, etwas Denkwürdiges bei Aufrichtung der Schule gewirkt und einen währenden(= dauern- den) Namen gelassen(= hinterlassen habe),(§o) würde ihm(das) selbst leid tun und hätte es beinahe Gestalt großer Undankbarkeit. Dagegen habe er in Marburg Gelegenheit, sich selbst zu fördern und ad majores gradus zu promovieren, auch sei die angebotene Besoldung wider die hiesige (= im Vergleich zur hiesigen) milder(d. h. günstiger). Am schlimmsten sei es, daß das hiesige Schulwesen Johannes in eodem(am selben Fleck) und in eodem luto(im selben Schlamm) bleibe, ja statt so oft vertrösteter Fortsetzung den Krebsgang gehe. Klage er, Lavater, seine Not Sturio, so weise er ihn an Direktor Flügel, der weise ihn an das Konsistorium oder an den Grafen. Beim Direktor bekomme er keine Hilfe, kaum eine Antwort, das Konsistorium sei(in alle Winde) zer- streut, wende er sich an den Grafen, so verbleib es in antiquis deliberandi terminis oder der gewöhnlichen Vertröstung oder auch zumal unbeantwortet usw. Man müsse wohl das ganze Werk aufgegeben haben, oder seiner Lavaters Person überdrüssig sein.

Diese Klagen übermittelt Sturio am 25. Januar 1607 an den Grafen nach Windecken und fügt unerschrocken noch manch kräftiges Wort hinzu: Ein eifriger Theologe könne wohl sagen, die Judenschule, da man doch Christi Namen schmähe, werde unschwer gefördert und lasse sich sehen an ihr wurde seit 1603 gebaut die Christenschule dagegen liege unter der Bank. Sei es dem Grafen mit der Schule nicht ernst, so möge er Lavater ziehen lassen. Seien andere Dinge auch wichtig, nichts sei wichtiger als die Schule. In das alte Schulgebäude neben der Kirche (wahrscheinlich die Marienkirche) könne ein verständiger Meusch seine Kinder nicht schieken. Das sei von der Pest verseucht, habe nur 2 Zimmer, in denen man keine 5 Klassen unterrichten könne, dazu sehe es einem Schweinestall(harae porcorum) ganz ähnlich. Der Herr Konsistorialdirektor möge doch gefälligst ab und zu von Windecken nach Hanau herüberkommen und sich des Kirchen- und Schulwesens erkundigen und dann dem Grafen berichten. Gehe der Herr per pedes, so schade es der Liebe nicht. Wegen der Pestilenz dürfe man doch nicht alles verwirrt und verworren durcheinander laufen lassen. Zu Hanau müsse wohl irgend ein böser Schulteufel stecken, der nun schon so viele Jahre das christlich hochnötige Werk auf diese oder jene Art zurückhalte. Wen Sturio mit dem Schulteufel meint, kann man sich leicht denken.

Den Bericht Sturios hat der Graf seinem Konsistorialdirektor mitgeteilt, und der hat ihn mit Randbemerkungen versehen: Was Lavater sage, sei übertrieben. Lavater sei es nur darum zu tun, in des verstorbenen Rektors Holz Hause, das zur Schulwohnung vorgeschlagen war, eine Dienst- wohnung zu bekommen. Als letzte Bundesgenossin zitiert er Lavaters Schwiegermutter, bei der Lavater es nicht zu Hause aushalten könne.

*) Über Sturios Tätigkeit für die Gründung des Gymnasiums ist ausführlich berichtet in der Zeitschrift

Hessenland, Jahrgang XXI, 1807, Nr. 21, 22 und 23. 2