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alt 1596 die Regierung in der Grafschaft an und heiratete die Tochter Wilhelms von Oranien, des großen Schweigers, Catharina Belgia, die gleichfalls reformiert war, und führte nun in Hanau die reformierte Lehre ein.
Schon in sein erstes Regierungsjahr fällt nun eine Tat, die für Hanau von größter Be- deutung ward und mit der Entstehung unserer Schule eng zusammenbängt, die Gründung der Neustadt Hanau.
Reformierte, die aus Frankreich und den Niederlanden um ihres Glaubens willen vertrieben worden waren, hatten in unserer lutherischen Nachbarstadt Frankfurt a. M. eine Zuflucht gefunden. Bald aber regte sich der Brotneid gegen diese betriebsamen Bürger, und da untersagte man ihnen die Ausübung ihres Bekenntnisses. Ihnen gewährte der Graf eine Freistätte und gestattete ihnen die Erbauung einer später stark befestigten Stadt und erhob damit, wenn auch unter manchem Widerspruch, das unbedeutende Landstädtehen Hanau zur entwicklungsfähigen Industriestadt.
Die Vermehrung der Einwohnerzahl erforderte aber auch die Vergrößerung und Neugestaltung der vorhandenen Schule, die bis dahin nur eine einfache deutsche Stadtschule gewesen war, auf der freilich auch die Anfangsgründe des Lateins gelehrt wurden. Durch éine gemeinsame Schule konnte der Nachwuchs der fremdsprachigen Bevölkerung am raschesten mit der alten zu einer Einheit verschmolzen werden. Sollte aber jene mit Vertrauen sich der neuen Sechule zuwenden, so mußte die Schule ihrem Bekenntnisse entsprechen. Es war ein eigentümliches Zusammentreffen. Der Graf hatte sich der reformierten Lehre angeschlossen, lange che er an Neuhanau oder an die neue Schule denken konnte, aber daß er es getan hatte, kam jetzt seiner Neuschöpfung zugute.
Zu Hauptwerkzeugen der Reformation hatten seiner Zeit Luther und Melanchthon die höheren und niederen Schulen gemacht. In geschickter Benutzung ihrer Einrichtungen hatten dann die Jesuiten als Vorkämpfer der katholischen Kirche zur Zeit der Gegenreformation Deutschland mit einem Netze von hochbedeutsamen Lehranstalten überzogen. Ihnen gegenüber wurde nun um die Jahrhundertwende wiederum eine— man könnte sagen— zweite Reihe von protestantischen
Schulen, die streng reformierten, wie Herborn, Steinfurt und Hanau, ins Leben gerufen.
An Stimmung gegen die neue Schule wird es nun in Hanau nicht gefehlt haben. Die Be- völkerung der Altstadt, die fast nur aus Ackerbauern und Handwerkern bestand, mochte wohl den plänen des Grafen, den Fremdlingen, die schon mit besonderen Vorrechten ausgestattet waren, zu liebe auch noch eine teuere Schule zu gründen, mit geteilten Gefühlen gegenüberstehen. Sicher mußte das bei denen der Fall sein, die der lutherischen Lehre noch in der Stille ergeben waren.
Im Einvernehmen mit ihnen standen die, welche durch die neuen Gefälle, aus denen die Schule unterhalten werden sollte, besonders betroffen wurden. Wer zahlt gern neue Steuern! Zum Munde der Unzufriedenen machten sich die nächsten Ratgeber des Fürsten, die Herren vom Konsistorium, an ihrer Spitze der Direktor jener Behörde, Flügel. Der Graf weilte wegen der ungesunden Hanauer Verhältnisse— die Pest forderte noch immer Opfer— samt dem Konsistorium in Windecken. Er ward unschlüssig. Die Schulfrage kam ins Stocken. Vielleicht wäre die Gründung unterblieben, wenn nicht der Graf in dem damaligen Schultheißen der Neustadt Wilhelm Sturio einen unermüdlichen Arbeiter und Helfer für sein Werk gefunden hätte.
Der letzte Leiter der damaligen Stadtschule war ein Rektor Holz gewesen. Er war, wie es scheint, kurz vor 1607, vielleicht an der Pest, gestorben. Sein Nachfolger war Rudolf Lavater, ein jedenfalls hervorragend tüchtiger Mann. Er hatte die infolge der Pest aufgelöste Schule not- dürftig wieder in Gang gebracht, jedoch nur gegen die ausdrückliche Zusage der Erweiterung zu einer höheren Lehranstalt.


