Aufsatz 
Zur Geschichte des Hanauer Gymnasiums : Mitteilungen über die Matricula Illustris Paedagogii Hanoviensis von 1648 - 1748 / von Philipp Braun
Entstehung
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kommen. Es sei diesen eine große Freude, die früheren Zugehörigen des Gymnasiums und die Ehrengäste zahlreich hier versammelt zu sehen. Wenn auch manches sich gegen früher geändert habe, so sei doch vieles noch wie chemals. Wie immer die Verhältnisse an der Anstalt natürlich, bescheiden und einfach gewesen seien, so werde auch das gegenwärtige Fest diesem Charakter treu bleiben. Die Gäste müßten dementsprechend entschuldigen, wenn ihnen keine grobßartigen Aufführungen geboten würden. Hätte man solche in Szene setzen wollen, dann würde wegen der vielen unvermeidlichen Proben es in gar mancher Haushaltung, besonders auswärtiger Schüler, deren wir eine Menge besäßen, und insbesondere auch in dem wissenschaftlichen Weiterschreiten gar manches Schülers große Störungen gegeben haben. Die Lehrer seien von dem Wunsche geleitet gewesen, daß auch nicht einem einzigen der Schüler die Jubiläumsfreude zum Hemmnis in seinem Fortschreiten werde. Das möchten die Gäste bedenken und mit der Rückkehr in die einfachen Verhältnisse, unter denen ja auch sie selbst groß geworden seien, sich begnügen. Viel festlicher Aufwand diene ja nicht dazu, die Freude zu erhöhen, sondern cher sie zu stören.

Als ein günstiges Vorzeichen für das Fest könne man die Ortlichkeit betrachten, an der die heutige Vorfeier stattfinde. Man stehe hier auf geweihter Stätte. Der Festsaal sei erbaut auf dem Grund und Boden des Hauses, in dem die Deutschesten der Deutschen, die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm, das Licht der Welt erblickt hätten. In demselben Hause habe 1813 ein Mann gewohnt, der, obwohl er in den Dienst des Fürsten-Primas Karl von Dalberg getreten sei, doch eine glühende Liebe für das deutsche Vaterland gehegt habe, Johannes Schulze. Aus Preußen sei er zur Umgestaltung des Gymnasiums nach Hanau berufen worden, habe hier gewissermaßen die Verbindung des hessischen Schulwesens mit dem preußischen inauguriert und habe später im preußischen Schul- wesen eine ganz hervorragende Rolle gespielt. Von seiner Vaterlandsliebe lege der Umstand Zeugnis ab, daß er noch unter dem Drucke der Franzosenherrschaft im Hanauer Schulprogramm von 1813 die Grabrede des Perikles auf die gefallenen Athener, aus Thukydides übersetzt, ver- öffentlicht habe, eine Rede, die der deutschen Jugend den Gedanken nahegelegt habe, daß für das Vaterland zu sterben der schönste Tod sei.

Endlich habe unmittelbar hier nebenan in dem bescheidenen Eckhäuschen 1813 unser Dichter Friedrich Rückert gewohnt, der damals, wenn auch nur kurze Zeit, dem Lehrkörper des Gymnasiums als Professor angehört und vielleicht hier in Hanau die Dichtung seiner geharnischten Sonette be- gonnen habe. Möge, so schloß der Sprecher seine Worte, der Geist dieser Männer über unserer Versammlung schweben, dann werde auch sie dienen der Ehre des deutschen Schulwesens, der Liebe zur Wissenschaft und zu allem Schönen und Guten und der Begeisterung für das Vaterland.

Die Hauptfeier

begann Freitag den 27. September, 9 ½ Uhr im großen Saale der Turngemeinde. Der Saal war mit Girlanden, Wappen, Fahnen, Abzeichen, mit Tannen- und Lorbeergrün reich geschmückt. Die von Professor Wiese in Charlottenburg gearbeitete Kolossalbüste des Grafen, die von der fran- zösischen Gemeinde in liebenswürdigster Weise uns für diesen Tag geliehen worden war, hatte hinter der Rednerbühne einen würdigen Platz gefunden.

Die Feier wurde eingeleitet durch den gemeinsamen GesangLobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Darauf folgte Bibellektion und ein von dem Professor Schmitz gesprochenes Gebet. Nachdem hierauf der Glucksche ChorLeih aus deines Himmels Höhen gesungen worden war, wurde von dem Unterprimaner Eduard Fritsch folgender von dem Professor Macke gedichteter Prolog vorgetragen: