Ob der Tod im heissen Kampfgewühl sie auf dem Schlachtfeld schnell dahinraffte oder ob ein langes Siechtum, verursacht durch Verwundung oder durch die übermenschlichen Anstrengungen und Entbehrungen, sie im Lazarett langsam sterben liess, sie alle starben in Ausübung ihrer Pflicht, sie starben fürs Vaterland. Ach, wieviele Tausende sind es, die so ihr junges. blühendes Leben freudig hingegeben haben, fern von den Angehörigen, ohne einen letzten Händedruck, ohne einen letzten Blick von liebenden Augen, und dann eingesenkt wurden in fremder Erde, und ihre Namen sind vielleicht schon vergessen! Wahrlich, der Ruhm der geſeiertsten Helden des Altertums, eines Leonidas mit den Kämpfern von Thermopylä, er hat nichts vor diesen voraus. Und solcher Opfer wollen wir uns wert zeigen, und was so teuer erkauft ist, das soll nicht, das darf nicht, das kann nicht verloren werden.
Und Hunderttausende haben gleich diesen dieselben Mühen und Entbehrungen gern auf sich genommen, sind ebenso bereit gewesen für die grosse Sache zu sterben und haben in gleichem Dienst der Pflicht ihr Leben eingesetzt, aber ein freundlicheres Los ist ihnen beschieden gewesen: sie sind in die Heimat zurückgekehrt und haben den Lohn ihrer Arbeit geerntet. Geschmückt mit dem Laub der deutschen Eiche, empfangen von dem jJubel der Daheimgebliebenen, geehrt vom ganzen Volk, und mancher mit dem Schmuck des eisernen Kreuzes auf der Brust,— auch ihrer aller wollen wir heute in Dankbarkeit gedenken.
Zu danken haben wir aber auch besonders den ausgezeichneten Führern, welche durch ihre Umsicht, durch ihre Pflichttreue und Ausdauer selbstlos im Dienste des Vaterlandes das Höchste eingesetzt haben, um das Höchste zu gewinnen. Weise im Rat und stark zur That, haben sie das Heer, das Volk in Waffen, so geleitet, dass es dadurch erst in die Möglichkeit versetzt wurde solche Erfolge zu erringen. Und an ihrer Spitze der oberste Kriegsherr, ein leuchtendes Vorbild uner- mücdlicher Pflichttreue, der König Wilhelm; trotz der 73 Jahre, die er zählte, hielt er die Fäden des Ganzen in seiner Hand, er hiess nicht nur, er war in der That der oberste Kriegsherr, aber in selbstloser Bescheidenheit trat er gern zurück und gab die Ehre der Erfolge den grossen Männern, die ihm zur Seite standen, die er in seinen Dienst herangezogen, weil er ihre Tüchtigkeit mit seinem scharfblickenden Auge entdeckt, erkannt hatte, und selbstlos erfreute er sich an ihrem wohl- verdienten Ruhm. So ehrte er seine treuen Mitarbeiter gleich am folgenden Tag, am 3. September, öffentlich beim Mahl, mit dem eine kleine Siegesfeier verbunden war, mit folgenden anerkennenden Worten:„Wir müssen heute aus Dankbarkeit auf das Wohl meiner braven Armee trinken. Sie, Kriegsminister von Roon, haben unser Schwert geschärft, Sie, General von Moltke, haben es geführt, und Sie, Graf von Bismarck, haben seit Jahren durch die Leitung der Politik Preussen auf seinen jetzigen Höhepunkt gebracht“. Durch dieses ehrende Zeugnis stellte der selbstlose König seine Getreuen in den hell erleuchteten Vordergrund, auf die Gefahr hin, dass sein eigenes Verdienst dadurch nicht zu vollem Rechte käme. Diese Bescheidenheit hat ihm die Bewunderung der Nach- welt für immer erhalten. Aber noch mehr werden wir ihn bewundern, wenn wir sehen, wie demütig er sich vor Gott beugte. Gross steht König Wilhelm da in seiner Bescheidenheit den Menschen gegenüber, grösser noch in seiner Demut gegen Gott. Wie er seine ganze Stellung auffasste als einen ihm von Gott übertragenen Beruf, den er nach Kräften auszufüllen habe, sein Königsamt als ein Lehen, für welches er seinem obersten Lehnsherrn, Gott, Rechenschaft abzulegen schuldig sei, so nahm er auch hier bei den unerhörten Erfolgen des Krieges und insbesondere bei der Ent- scheidung des 2. September gar keinen Ruhm für sich in Anspruch, sondern er verehrte dankbar das göttliche Walten, sich sah er nur an als den Vollstrecker des göttlichen Willens, sein Heer als das Werkzeug, durch welches Gott ein Strafgericht ergehen liess. Dieser ſeste Glauben machte


