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13 jährigen Prinzen Wilhelm. Als Luise ihren Gemahl erblickte, sagte sie mit schwacher Stimme: „Mein lieber Freund, wie freue ich mich dich zu sehen! Wer ist denn mit dir gekommen?“— „Fritz und Wilhelm“.—„Ach, welche Freude!“— Der König führte die beiden Prinzen herein: „Ach, lieber Fritz, lieber Wilhelm, seid ihr da?“— Sie stürzten weinend am Bett der Mutter nieder. Der König, im Herzen zerrissen, bewahrte äusserlich seine Fassung. Um die 9. Stunde ging es zu Ende. Der König sass am Bettrande, die erkaltende Rechte in seiner Hand haltend. Auf der anderen Seite kniete die Schwester Friederike.—„Herr jJesu, mache es leicht“, das waren die letzten Worte der Sterbenden.— Sie hatte ausgelitten.— Der König hatte noch so viel Kraft, seiner Luise die Augen zuzudrücken,„seines Lebens Sterne, die ihm auf seiner dunklen Bahn so treu geleuchtet“. Dann eilte er hinaus zu seinen Söhnen, die weinend auf der Schloss- treppe standen. Sie hatten den Todeskampf ihrer Mutter nicht sehen sollen. Er nahm sie bei der Hand und führte sie ans Totenbett. Sie sanken auf die Kniee und benetzten die erkalteten Hände der heissgeliebten Mutter mit ihren Thränen. Die Gesichtszüge der Entschlafenen waren nicht entstellt, ein seliger Friede ruhte auf ihnen.
Es war noch vor Ende desselben Jahres 1810, wieder an demselben Tag, dem 23. Dezember, an welchem vor einem jJahr die Königin nach 3 jähriger Verbannung, zu derselben Zeit, in welcher vor 17 Jahren die 17 jährige Braut in Berlin eingezogen war, da ward der Sarg mit den sterblichen UÜberresten der Königin Luise aus dem Berliner Dom in feierlichem Zug nach der fürstlichen Gruft gebracht, welche der König im Park des Charlottenburger Schlosses für sie hatte herrichten lassen. Unter den dunkelgrünen Zweigen hoher Fichten steht das Mausoleum; ein Bau in edlem, einfachem Stile, der Vordergiebel mit der Inschrift A und O(Offbg. 1,8) und dem Kreuzeszeichen dazwischen. Hier ist der Sarg beigesetzt. Uber der Gruft ist das von Rauchs Meisterhand geschaffene herrliche Kunstwerk aufgestellt, ein Abbild der Entschlafenen in karrarischem Marmor, zu dem Schönsten gehörend, was je von Menschenhänden gebildet ist, was sterbliche Augen schauen können. Seliger Friede ruht auf dem edlen, lieblichen Angesicht; der Stein redet in ver- nehmlicher Sprache, eine Verkörperung des verheissungsvollen Schriftwortes:„Sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft nur“.—
Die Erfüllung ihrer Hoffnungen hat die Königin Luise nicht mehr erlebt, aber das Bild der Verklärten hat die Kämpfer der Befreiungskriege ermutigt und beseelt, und nicht nur von den preussischen Kriegern, sondern von allen, die für Deutschlands Befreiung eintraten, ward ihr An- denken hochgehalten; das habe ich in meiner Jugend noch durch mündliche Mitteilung von solchen vernommen, welche jene Zeit vaterländischer Erhebung mit erlebt haben. Wie Theodor Körner ihr nachgerufen hatte:
„Kommt dann der Tag der Freiheit und der Rache,
Dann ruft dein Volk, dann, deutsche Frau, erwache,
Ein guter Engel für die gute Sache!“ so ward und blieb sie wirklich der gute Engel für die gute Sache, der Schutzengel unseres preussi- schen Königshauses. Im Andenken an sie hat der König am 10. März, ihrem Geburtstag, 1813 den höchsten Ordensschmuck für jene eiserne Zeit, das eiserne Kreuz, gestiſtet, im Andenken an sie hat ihr Sohn das eiserne Kreuz 1870 für den Krieg gegen Frankreich erneuert, Nach dem Leipziger Sieg legte der König einen frischen Lorbeer auf ihren Sarg, und nach seinem Tode hat er seine letzte Ruhestätte an ihrer Seite gefunden. An dem Grabe der Mutter hat Kaiser Wilhelm gebetet und im Gebete Kraſt und Vertrauen gewonnen, als er ausziehen musste, um das vom übermütigen Feinde bedrohte Vaterland zu verteidigen, und nachdem er sein mit den grössten Erfolgen begnadetes Leben geendet, da ist auch sein sterblicher Leib an dieser geheiligten Stätte bestattet worden.


