— 9—
nachdem er die nõtigen Ermittelungen über die Verhältnisse des Bittstellers eingezogen, diesem einen angemessenen Jahresgehalt aussetzen, der ihm auch noch nach des Kaisers Tode bis zu seinem Lebensende ausgezahlt wurde.
Die königliche Familie kehrte im Anfang des Jahres 1808 nach Königsberg zurück, und hier blieb sie fast zwei Jahre. Im Sommer bewohnte sie vor dem Steindammer Thor ein bescheidenes Landhaus, Luisenwahl. Oft wandelte die Königin hier durch die Felder, während die Kinder um sie her spielten und Kränze und Feldblumen flochten. Seit dieser Zeit sind die blauen Kornblumen dem Prinzen Wilhelm als eine Erinnerung an die Mutter lieb geworden.
In jener schweren Zeit, aus der tiefsten Not heraus, bereitete sich die Wiedergeburt des preussischen Staates vor. Wieviel die edle Königin dazu beigetragen hat, den vaterländischen opferfreudigen Sinn zu heben und zu beleben, wie sie die Männer unterstützt hat, die daran arbeiteten, die sittlichen Kräfte des Volkes zu wecken und für das Vaterland nutzbar zu machen — ich nenne nur Stein und Scharnhorst—, das bleibt in der Geschichte jener Zeit für immer unvergessen. Hier sei nur noch an ein Urteil erinnert, welches die Königin damals über den Prinzen Wilhelm in einem Brief an ihren Vater niedergelegt hat:„Unser Sohn Wilhelm— so schreibt sie—„wird, wenn mich nicht alles trügt, wie sein Vater, einfach, bieder und verständig. Auch in seinem Ausseren hat er die meiste Xhnlichkeit mit ihm.“
Nach dreijähriger Abwesenheit konnte die königliche Familie endlich nach Berlin zurück- kehren. Am 23. Dezember hielt sie ihren feierlichen Einzug unter dem Jubel des Volkes, unter Glockengeläute und Kanonendonner. Es war nahezu derselbe Tag, an welchem sich vor 16 Jahren der fröhliche Brautzug in die Stadt bewegt hatte. Was lag alles dazwischen! Die Rosen auf den Wangen der Königin waren verblichen, blass und wehmütig sah sie aus. Am anderen Morgen ward in Gegenwart der ganzen königlichen Familie ein Dankgottesdienst im Dome abgehalten.„Mein erster Gang in Berlin“— hatte der König gesagt—„wird in die Kirche sein. Gott die Ehre und den Dank!“
Die Gesundheit der edlen Königin war unter den Leiden der vorausgegangenen Jahre geknickt. Als es Frühling ward, besuchte sie die Stätten ihres früheren Glücks auf dem Land- gute Paretz. Für den Sommer hatte sie ihrem greisen Vater, dem Herzog von Mecklenburg, ihren Besuch zugesagt. Ende Juni reiste sie nach Strelitz ab. Als sie die preussische Grenze überschritt, überkam sie eine bange Vorahnnng, dass sie nicht in ihr geliebtes Preussenland zurückkehren werde. Doch freute sie sich darauf, einige Zeit im trauten Kreis ihrer Familie zu verleben. Iier gab sie einer befreundeten Hofdame, welche ihren einfachen Perlenschmuck betrachtete, zur Antwort:„Auch mir sind die Perlen lieb, darum habe ich sie behalten, als ich meine Juwelen hingab. Die Perlen passen besser für mich, denn sie bedeuten Thränen, und ich habe deren so viele vergossen.“
In dem ländlichen Schlosse Hohenzieritz in der Naâhe von Strelitz hatte die fürstliche Familie ihren Aufenthalt genommen. Hier ward die Königin Luise unwohl, doch man hielt es nicht für schlimm, und der König, der auch hierher gekommen war, reiste wieder wegen dringender Regierungsgeschäfte nach Berlin zurück, er hoffte sie jedoch bald abzuholen. Aber Fieber und Husten nahm zu, eine Brustentzündung mit Beklemmungen und Ohnmachten bildete sich aus. Der König schickte von Berlin aus den bekannten Dr. Heim, einen der gesuchtesten Arzte, an ihr Krankenlager. Die Königin war heiteren Geistes, geduldig, gottvertrauend, liebevoll und freundlich gegen alle. Als eine ernstliche Verschlimmerung eintrat, ward ein Eil- bote nach Berlin an den König geschickt. Er reiste die Nacht durch und traf am 19. juli, 5 Uhr Morgens, mit den beiden ältesten Söhnen ein, dem 15 jährigen Kronprinzen und dem


