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Noch höher schlugen alle Herzen in freudiger Hoffnung, als das Frankfurter Parlament dem gefährdeten deutschen Bruderstamm in Schleswig-Holstein gegen dänische Vergewaltigung zu Hilfe kam und Bundestruppen hierzu aufbot. Da gab es hier Einquartierung von sterreichern, die auf dem Durchmarsch nach dem Norden unsere Heimat durchzogen. Das war eine Freude für die schaulustige Jugend, sich so plötzlich mitten in die völkerbewegenden Ereignisse versetzt zu sehen. Auch die hessischen Truppen waren an dem Krieg beteiligt und bewährten ihre alte Tapferkeit. Und als im April 1849 nach Ablauf des Waffenstillstands von Malmö das dänische Linienschiff Christian VIII bei Eckernförde in Brand geschossen und die Fregatte Gefion genommen wurde und die Düppeler Schanzen erstürmt wurden, da ging ein Jubel durch ganz Deutschland.
Die Frankfurter Nationalversammlung brachte ihr Verfassungswerk zum Abschluss, indem sie den König von Preussen zum Kaiser der Deutschen erwählte. Eine Abordnung ging nach Berlin, um Friedrich Wilhelm IV diese höchste Würde anzubieten. Aber je höhere Hoffaungen man vorher auf diese Kaiserwahl gesetzt hatte, um so grösser wer nun die Enttäuschung, als der König erklärte, dass er diese Wahl ohne die freie Zustimmung aller deutschen Regierungen nicht annehmen könne. Und diese Zustinmung war damals nicht vorhanden und väre auch ohne Kampf nicht erreicht worden. Und wenn auch von mancher Seite dem König dieser folgenschwere Schritt der Ablehnung verdacht worden ist, so darf eine gerechte Geschichtsbetrachtung doch nicht ausser Acht lassen, dass eben durch diese Ablehnung Deutschland vor einem inneren Krieg bewahrt wurde, dessen Ausgang niemand voraussechen konnte.
So erlebte Deutschland die zweite Enttäuschung; zum zweiten Mal waren die Bemühungen um die deutsche Einheit vereitelt. Mit dem Ansehen des Parlaments war es zu Ende. Die meisten Abgeordneten gingen nach Haus, der Oberrest tagte noch in Stuttgart, aber dieses Rumpfparlament ward bald zersprengt. Auf die hochgehende hoffnungsvolle Bewegung folgte nun überall die Ernüch- terung, der Rückschlag. Der alte Bundestag in Frankfurt trat wieder zusammen, Schleswig-Holstein ward den Dänen ausgeliefert. Zum zweiten Mal sahen wir hier österreichische Truppen, die durch unser Land nach Norden zogen, diesmal aber, um den verlassenen Bruderstamm zur Niederlegung der Waffen zu zwingen. Dass diese Auslieferung Schleswig⸗Holsteins nach so vielen Opfern, nach so vielem vergossenen Blut, diese Auslieferung an das kleine Dänemark eine Schmach für den deutschen Namen war, das empfand man allgemein mit Entrüstung. Ein Zeugnis davon, wie dieses Gefühl alle Kreise des Volks durchdrang und auch innerhalb der Familien lebendig war, gibt der folgende, an sich unbedeutende Vorfall: Ein deutsches Mädchen, das durch ihren Gesang oft die Angehörigen und Freunde im häuslichen Kreise zu erfreuen pflegte, ward von den einquartierten österreichischen Offi- zieren gebeten ein Lied zu singen. Aber standhaft wurden alle Bitten abgewiesen.„Wenn ihr“— so ungefähr lautete die Antwort—„zu so unrühmlichem Werk auszieht, das dem Vaterland zur Schande gereicht, so bleibt euch ein Lied versagt.“
Die deutsche Flotte, zu der man damals schon einen Anfang gemacht hatte und die schon zu einem Wahrzeichen der deutschen Einheit geworden war, war nun unnötig. Der deutsche Bun- destag brauchte keine Flotte, man wusste nichts Besseres mit den Schiffen anzufangen, als dass man sie öffentlich meistbietend verkaufte. Das Volk machte seiner Entrüstung über dieses traurige Ende der deutschen Flotte in derbem Spott nud billigen Witzen Luft: Der Bundestag ward nach der Eschenheimer Gasse, wo er seine Sitzungen hielt, mit der Benennung Eschenheimer Gassenklub be- ehrt, und als unfehlbares Mittel gegen die Seekrankheit ward empfohlen: Man nehme Dienst bei der deutschen Flotte.
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