Aufsatz 
Rückschau auf die fünfundzwanzigjährige Geschichte des Casseler Realgymnasiums / vom Direktor Wilhelm Wittich
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

In diesem Jahre stattete Kultusminister v. Gossler in Begleitung des Oberpräsidenten Grafen Eulenburg, des Provinzialschulrats Dr. Lahmeyer, des Oberbürgermeisters Weise und des städtischen Schul- referenten Dr. Hochhuth der Schule einen mehrstündigen Besuch ab; am selben Tage wurde eine Ge- dächtnisfeier am Grabe des vor einem Jahre verstorbenen Direktors Preime gehalten; zwei Tage später wurde der neue Direktor, Dr. Wittich, feierlich eingeführt. Im November fand eine zweitägige Revision der Anstalt durch Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer statt.

Im Curatorium vollzog sich durch die Versetzung des Metropolitans Dr. Hochhuth eine zwiefache Veränderung; die Stadt betraute mit den städtischen Schulangelegenheiten einen besonderen Stadtschulrat; da der Gewählte, Herr Bornmann, kein Geistlicher war, musste nach dem Curatoriumsstatut noch ein solcher als Curatoriumsmitglied gewählt werden. Infolgedessen trat Herr Pfarrer Wagner als weiteres Mitglied ein.

Im Herbst erhielt ein Abiturient das Reifezeugnis, Ostern 1884 waren es dreizehn.

Im Schuljahr 1884/85 trat an die Stelle der dritten Sexta eine dritte Quinta, sonst blieb der Klassenbestand. Neue Lehrer brauchten nicht angestellt zu werden. Es kam jetzt der Normaletat zu voller Durchführung; Herr Zwirnmann erhielt die ihm bestimmte 90. Oberlehrerstelle, Herr Heydenreich wurde als ordentlicher Lehrer bestätigt. Zwei neue Probekandidaten wurden der Anstalt zur Ausbildung überwiesen, Dr. Koch und Dr. Meyer, die ersten ehemaligen Schüler, die an der Anstalt als Lehrer thätig waren. Die Reifeprüfung bestanden zu Ostern dreizehn Schüler.

Im Klassenbestand trat im nächsten Jahre nur die Veränderung ein, dass die dritte Parallelklasse diesmal eine Quarta war. Im Curatorium schieden Justizrat Hupfeld und Maurermeister Zahn aus, an deren Stelle traten Geheimer Commerzienrat Henschel und Baumeister Potente. Aus dem Lehrerkollegium ging zu Beginn des Schuljahres Dr. Hildebrand ab; an seine Stelle trat Herr Siebert, der früher das Probejahr an der Schule durchgemacht hatte, zuerst als Hilfslehrer, nach einem halben Jahre als ordentlicher Lehrer. Probekandidaten waren Dr. Lohberg, Boss(jedoch nur ein Vierteljahr), Dr. Erxleben und Dr. Knabe. Von jetzt ab gehörten die Probekandidaten meist zugleich dem neuerrichteten pädagogischen Seminar an; der Uberfluss an Lehrern schuf die unbesoldeten Hilfslehrer, die es als eine besondere Vergünstigung ansehen müssen, durch UÜbernahme einiger Unterrichtsstunden ohne Entgelt ihre UÜbung in der Fachthätig- keit und den Zusammenhang mit der Schule sich zu erhalten.

Gegen Schluss des Schuljahres starb in noch jungen Jahren Oberlehrer Dr. Hölting, nach Direktor Preime der erste der bei Eröffnung der Schule angestellten Lehrer, der im Amte starb.

Im Juli hatte die Turnhalle eröffnet werden können, über deren Bau schon Jahre lang Verhand- lungen geschwebt hatten; 16 Jahre hindurch hatten die Schüler in der Boppenhausenschen Turnhalle am Königsthor ihre Stunden gehabt; jetzt endlich konnte der Unterricht in der eigenen schönen Halle der Anstalt stattfinden. Das immer stärkere Drängen der Unterrichtsverwaltung auf Förderung der körper- lichen UÜbungen hatte seine Früchte getragen. Auch die von der Behörde empfohlenen Schülerfahrten wurden gefördert; im Juni unternahm der Direktor mit 9ↄ Lehrern und 134 Schülern eine dreitägige Nieder- waldfahrt, wobei Frankfurt, Wiesbaden, Rüdesheim, das Niederwalddenkmal, Coblenz, Ems und Giessen besucht wurden.

Die Reifeprüfung bestand im Herbst ein Abiturient, Ostern 1886 waren es fünfzehn.

Im Schuljahr 1886/87 trat im Klassenbestand keine Veränderung ein. Der Tod von Dr. Hölting hatte das Aufrücken von Dr. Grebel in eine Oberlehrerstelle zur Folge; im Herbst trat Dr. Peters ein, zunächst, für ein halbes Jahr, als Hilfslehrer. Ostern erhielt Dr. Lohberg die Erlaubnis als unbesoldeter Hilfslehrer an der Anstalt zu bleiben, dazu kam Dr. Gierth; im Herbst bekamen Dr. Knabe und Dr. Erx- leben dieselbe Gestattung; als Probekandidaten wurden Herr Watermeyer und Dr. Becker im Herbst der