Aufsatz 
Rückschau auf die fünfundzwanzigjährige Geschichte des Casseler Realgymnasiums / vom Direktor Wilhelm Wittich
Entstehung
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Um der Anstalt für die Schüler der Untersekunda schon vor ihrer förmlichen Anerkennung als abgeschlossener Realschule I. O. die Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst gewähren zu können, liess der Herr Minister durch das Königliche Provinzialschulkollegium an 5 Tagen im August eine schrift- liche und an 2 Tagen im September eine mündliche Prüfung der Untersekunda veranstalten, worauf dann am 20. September der Schule die Berechtigung zur Ausstellung giltiger Zeugnisse über die wissenschaft- liche Befähigung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst zugesprochen wurde.

Reallehrer Heuser wurde im Laufe des Jahres zum Oberlehrer ernannt und ihm die erste Ober- lehrerstelle übertragen. Für das Zeichnen wurde noch ein dritter Lehrer, Herr Weidenbusch, mit einigen Stunden herangezogen; Herr Schwarz erhielt eine volle Stelle.

Im Curatorium trat in diesem Jahre die Veränderung ein, dass am 15. Juli Dr. Falckenheiner die Stelle eines städtischen Schulreferenten aufgab, um zur Königlichen Regierung als Regierungs- und Schulrat überzugehen, und dass an seine Stelle Metropolitan Dr. theol. Hochhuth trat.

Mit dem Herbst 1873 erhielt die Schule ihre Oberprima, die jedoch mit Unterprima zusammen unterrichtet wurde, während eine notwendige Teilung der Untersekunda doch wieder die Errichtung eines neuen Klassenkörpers nötig machte. Dies führte zu einer neuen Vermehrung des Lehrerkollegiums, durch Herrn D'ham, der zugleich sein Probejahr ableistete; und als Dr. Vogt Ostern 1874 abging, wurde an seiner Stelle der seit Herbst 1873 der Anstalt zugewiesene Probekandidat Möhl als Hilfslehrer be- auftragt. Eine schwere Erkrankung des Herrn Gottschalk während des Winterhalbjahrs machte die Vertretung desselben durch Herrn Grün von der Realschule und Herrn Heiderich von der Freischule notwendig.

Am Schlusse des Schuljahres fand die erste Reifeprüfung mit 11 Abiturienten in sehr befriedigen- der Weise statt; es waren die einstigen Kreyssigschen Tertianer, die hier zeigten, dass sie rechtzeitig denken gelernt hatten.

Das neue Schuljahr brachte keine Veränderung im Klassenbestand. Aus dem Lehrerkollegium schied mit Ablauf eines Probejahres Herr D'ham aus, an dessen Stelle für ein Jahr Dr. Kühn trat. Ostern 1875 gab Pfarrer Schafft seine Stellung auf, und es wurde statt dessen Dr. Schantz als ordentlicher Lehrer angestellt. Im Mai erlosch die Beauftragung des Hilfslehrers Möhl, und mit Schluss des Schuljahrs ver- liess Dr. Daniel und Zeichenlehrer Glinzer, dem schon vorher in Maler Giesse ein Gehilfe gegeben war, sowie Dr. Kühn die Anstalt. Im Anfang des Schuljahres wurden Dr. Wittich, Dr. Hornstein und Dr. Sie- bert zu Oberlehrern ernannt, im April wurde vom Ministerium verfügt, dass der I. Oberlehrer den Titel Prorektor führen sollte, im Juni besuchte der Leiter des preussischen höheren Schulwesens, Geheimrat Dr. Wiese, die Anstalt und wohnte in mehreren Klassen dem Unterricht bei. Ostern 1875 fand die zweite Reifeprüfung mit 4 Abiturienten statt. Das Curatorium verlor durch den Tod den hochverdienten Oberbürgermeister Nebelthau, an dessen Stelle der neue Oberbürgermeister Weise trat.

Auch im Jahre 1875/76 änderte sich nichts im Bestand der Klassen. Ins Lehrerkollegium traten mit Beginn des Schuljahres als ordentliche Lehrer Dr. Grebel und Wilde ein, als wissenschaftlicher Hilfs- lehrer Henkel, der mit Schluss des Jahres abging, um seiner Militärpflicht zu genügen. Maler Giesse über- nahm den Glinzerschen Unterricht im Zeichnen. An die Stelle des verstorbenen Elementarlehrers Schad trat für den katholischen Religionsunterricht der unteren Klassen Elementarlehrer Nau. Ostern 1876 be- stand ein Schüler die Reifeprüfung, am Schlusse des Schuljahres waren es sechs.

Im folgenden Jahre war nur für eine Untersekunda die nétige Schülerzahl da; dagegen mussten drei Untertertien eingerichtet werden, so dass die Gesamtzahl der Klassen dieselbe blieb. Aus dem Lehrer- kollegium schieden Reallehrer Wilde, Zeichenlehrer Merkel und Zeichenlehrer Giesse zu Ostern aus. Den Unterricht des Herrn Wilde übernahm in dankenswerter Weise aus alter Liebe zum Lehrerberuf Ober- lehrer Dr. Vilmar, der hier als Privatmann lebte; als ordentlicher Zeichenlehrer zur Übernahme des ganzen