Aufsatz 
Rückschau auf die fünfundzwanzigjährige Geschichte des Casseler Realgymnasiums / vom Direktor Wilhelm Wittich
Entstehung
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Am 14. April wurde zunächst den Schülern im grossen Saale des Stadtbaus ihre Verteilung in die einzelnen Klassen sowie alles das mitgeteilt, was sie für den am 19. April zu beginnenden Unterricht wissen mussten. Danach fand im Rathaussaale die Einführung des Direktors und der Lehrer durch den Königlichen Provinzialschulrat Dr. Rumpel in Gegenwart des Oberbürgermeisters Nebelthau, des Stadtrates und des Bürgerausschusses statt. Am 19. begann, wie bestimmt war, der Unterricht.

Am 30. April konstituierte sich das Curatorium in seiner ersten Sitzung. Es bestand aus: I. dem Oberbürgermeister, 2. Pfarrer Sallmann, als Vertreter des Stadtrats, 3. Rentner Hentze, als Mitglied des Bürgerausschusses, 4. dem städtischen Schulreferenten Pfarrer Dr. Falckenheiner, 5. Kaufmann Theodor Ritz, 6. Schreinermeister Tegethof, 7. Direktor Kreyssig, 8. Regierungsrat Scheffer, als Vertreter des Com- patronats. Man hatte nämlich den Wunsch gehabt, dass eine staatliche Unterstützung von 2700 Mark, welche die hessische Realschule bis dahin gehabt hatte, auf die neue Anstalt übergehen möchte, und dies war genehmigt, dadurch aber zugleich das Compatronat des Staates geschaffen worden. In dieser ersten Sitzung wurde die vom 24. April datierte Bestallungsurkunde für Dr. Hornstein dem Direktor übergeben, die erste praktische Folge des Festhaltens der städtischen Behörden an ihren Wünschen bezüglich des Schulstatuts.

Es war eine schwierige Aufgabe, vor die das Lehrerkollegium gestellt war, aber sie wurde mit Lust und Liebe gelôst. Kamen auch die einzelnen, obwohl der Mehrzahl nach Hessen, aus den verschiedensten Teilen Deutschlands oder weiter her, hatten sie auch noch nirgends zusammen gewirkt, so hatten doch schon alle die verschiedenartigsten Erfahrungen gesammelt und waren entschlossen ihr ganzes Können einzusetzen; und dazu verstand es Kreyssig, seine Begeisterung für die zu lösende Aufgabe auf andere zu übertragen und in seiner Lehrerthätigkeit mit einem vortrefflichen Beispiel voranzugehen. Namentlich wird sein deutscher Unterricht allen seinen Schülern, die ihn genossen, wie allen Lehrern, die demselben einmal beiwohnen konnten, unvergesslich bleiben. Das war ein collegium logicum, das ohne langweilige philosophische Formeln zu folgerichtigem Denken erzog!

Aber die Schwierigkeiten, die sich der Herstellung eines gleichmässigen Bildungsstandes entgegen- stellten, waren zu gross, als dass sie in einem Jahreskursus überwunden werden konnten. Deshalb führte Kreyssig den Plan, den er ursprünglich für den Schulanfang mit juli 1868 gehabt hatte, durch, indem er den ersten Kursus auf 1 ½ Jahre, bis zum Herbst 1870, ausdehnte. Die befdhigteren Schüler der Tertia kamen auf diese Weise nach 1 ½ Jahren in die Sekunda, während sonst überall die Schüler zu ihrem Besten genötigt waren 1 ½ Jahre derselben Klasse anzugehören.

Mit dem Schluss des Schuljahres verliess Pastor Schmidt die Anstalt, um eine Pfarrerstelle zu übernehmen; an seine Stelle trat H. E. Zaubitz; zugleich wurde Dr. Vogt mit einer vollen Stelle beauf- tragt. Kandidat Schwarz war im Februar 1870 der Schule zur Ableistung seines Probejahres überwiesen, wurde aber bei Ausbruch des Krieges zu den Fahnen einberufen. Die erste öffentliche Prüfung fand im Saale der höheren Bürgerschule statt, da der Realschule I. O. ebenso ein eigener Schulsaal mangelte, wie es ihr an einem Turn- und Spielplatze gebrach, weshalb dis Schüler täglich in einer halbstündigen Pause zu ihrer Erholung auf den Boppenhausenschen Turnplatz am Königsthor geführt werden mussten.

Das zweite Schuljahr ging, nachdem die Gegensätze und Mängel ausgeglichen waren, genau nach dem vorgeschriebenen Lehrplan der Realschulen I. O. Zu den Klassen der Austalt kam Ostern 1871 die erste, zum Anschluss an die Sexta bestimmte Vorschulklasse hinzu, für die als Lehrer Herr Gottschalk von der Bürgerschule herübergenommen wurde. Im Herbst vorher war Herr Erdmann als Elementarlehrer gewählt, musste aber, da er erst mit Anfang des Jahres 1871 eintreten konnte, ein Vierteljahr durch Herrn Schellhas vertreten werden. Ausserdem hatte Herr Merkel von Anfang des Winterhalbjahres an in den Klassen Tertia und Sekunda den Zeichenunterricht übernommen.

Einen schweren Verlust erlitt die Anstalt Ostern 1871 durch Abgang ihres Direktors nach Frank- furt a. M. Es waren Kreyssig von dort so verlockende Anerbietungen gemacht, dass er denselben nicht