— 4—
ist nach ihrem religiösen Charakter in Rücksicht auf die bedeutende Mehrheit der Bewohner hiesiger Stadt eine evangelische. Dieser evangelische Charakter schliesst jedoch nicht aus, dass in geeigneten Fällen Lehrer, die der katholischen Konfession oder israelitischen Religion angehören, gewählt werden können.«
Kreyssigs Absicht nach dem 1. Juli mit den vorhandenen Lehrern nach sorgfältiger Prüfung und Klassificierung der angemeldeten Schüler zunächst einen vorbereitenden Unterricht zu geben und dann mit dem Winterkursus 1868 die Anstalt in ihre normale und planmässige Thätigkeit eintreten zu lassen war so vereitelt worden; er löste seine Verbindlichkeiten in Elbing erst für Ostern 18690. Dr. Preime, der in Cassel über alle Vorgänge unterrichtet sein konnte, blieb vorläufig am Gymnasium, ebenso Vogt an der Realschule, und dieser ging dann für den Winter nach Paris. Grebe und Dr. Wittich, die nichts von den entstandenen Schwierigkeiten wussten, hatten ihre Stellen für den 1. Juli gekündigt und waren von diesem Tage zur Verfügung der noch nicht vorhandenen Anstalt; letzterer liess sich noch bis zum I. Oktober beurlauben, um in Aschersleben die Stelle eines gestorbenen Kollegen bis zu deren Wieder- besetzung zu verschen, und übernahm im November den Unterricht an Stelle Vogts an der alten Real- schule zur Aushilfe, ersterer lebte in Cassel ohne Einkommen seinen Studien.
Im Januar 1869 konnten die Meldungen für die neue Schule entgegengenommen werden. In einem Zimmer des Spritzenhauses sassen abwechselnd täglich eine Stunde die drei in Cassel anwesenden Lehrer der Realschule I. O., Dr. Preime, Grebe und Dr. Wittich, und trugen die ihnen angemeldeten Schüler ein. Bis zum 3. Februar waren 151 Meldungen erfolgt, bis zum 17. waren 293 vorhanden, ob- wohl eine Anzahl von Schülern der Realschule wieder abgemeldet war, nachdem man amtlich bekannt gegeben hatte, dass auch auf dieser Schule nach ihrer Umwandlung zur höheren Bürgerschule die Be- rechtigung zum Einjährig-Freiwilligendienst demnächst erworben werden könne. Da nach dieser Zahl, die noch zu wachsen versprach, sich die Notwendigkeit ergab für jede der vier Stufenklassen 2 Klassenkörper einzurichten, so galt es jetzt, schnell für die weiter nötigen Lehrkräfte zu sorgen. Nun wurden noch Dr. Hölting und Dr. Hornstein, ferner Rob. Zwirnmann und Jul. Schmidt für ordentliche Lehrerstellen erwählt, Elementarlehrer Lange von der Bürgertöchterschule an die Realschule I. O. versetzt, Pfarrer Schafft mit einigen Religionsstunden, Maler Glinzer mit einigen Zeichenstunden, Dr. Vogt mit einigen Stunden in Naturkunde und Mathematik betraut und vom Königlichen Provinzialschulkollegium zu all diesen Einrichtungen am 31. März 1869 die Genehmigung erteilt.
Am 3. April trat Direktor Kreyssig, der nunmehr von Elbing eingetroffen war, zuerst mit seinem Lehrerkollegium zusammen und besprach mit diesem in einer Reihe von Konſerenzen den Lehrplan der neuen Anstalt und die Einrichtung der abzuhaltenden Prüfung; am 8., 9., 10. und 12. April fand diese Aufnahmeprüfung statt. Als Schulräume war eine Anzahl zwar niedriger, aber sonst geräumiger Zimmer im früher Henkelschen Hause in der Wolfsschlucht eingerichtet, und dort fanden die Prüfungen der 329 so verschiedenartig vorgebildeten Schüler statt. Die meisten kamen aus dem hiesigen Gymnasium oder der hiesigen Realschule, viele aus der Jägerschen Privatschule, die Ostern eingegangen war, aus der Lotz- Gieseschen Schule, die ihre Lateinklassen aufgeben wollte, einige aus der Grosskurthschen, der Reinhard- Ringelingschen, der Ortweinschen Vorschule oder sonst aus Privatunterricht, einige aus der Röthschen Bürgerschule, einige aus Elementarschulen, nur wenige von auswärts. Es fanden 200 Schüler Aufnahme, die in die beiden Tertien, die beiden Quarten, die beiden Quinten und die beiden Sexten verteilt wurden, und zwar in der Weise, dass in Tertia und Quarta eine Scheidung nach gymnasialer und realer Vor- bildung stattfand, die eine verschiedene Einrichtung besonders des fremdsprachlichen Unterrichts in diesen beiden Klassen möglich machte. So hatte IVa 8 Stunden Latein und 5 Französisch, b dagegen 6 St. Latein und 7 Französisch, Tertia a 6 Stunden Latein und 4 Französisch, b dagegen 4 Latein und 6 Fran- zösisch, während die Quinten und Sexten in ganz gleicher Weise unterrichtet wurden.


