Aufsatz 
Über den Zusammenhang der physikalischen Eigenschaften der Krystalle mit ihrer Krystallform / von Wilhelm Völler
Entstehung
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21 den geometrischen Verhältnissen in der Weise, dass eine krystallographische Symmetrie-Ebene auch eine solche in Bezug auf die Verteilung der Farben ist.

Bei rhombischen Krystallen muss man zwei Symmetrie-Ebenen erwarten, und diese Er- wartung bestätigt sich durch die Untersuchungen. Bei monoklinen Krystallen sind drei verschiedene Fälle zu unterscheiden, entsprechend der dreifachen Dispersion.

a) Bei der geneigten Dispersion ist eine Symmetrie-Ebene deutlich zu erkennen; sie geht durch die Mittelpunkte der Lemmiskaten. Die Augen der letzteren sind von einander verschieden.

b) Bei der horizontalen Dispersion ist gleichfalls eine Symmetrie-Ebene vorhanden, aber anders gerichtet, nämlich um 90 gegen die vorige gedreht.

c) Bei der gekreuzten Dispersion endlich ist keine Symmetrie-Ebene zu erkennen, doch ist das Eine charakteristisch für diese Art der Dispersion, dass an beiden Enden jedes durch den Mittelpunkt der Lemniskaten gehenden Durchmessers gleiche Fürbung besteht.

Die triklinen Krystalle zeigen ganz unregelmässige Farbenverteilung, charakteristisch dabei ist, dass die beiden Augen zugleich die eine und die andere der oben beschriebenen Dispersionen zeigen können.

So erkennen wir in dem Polarisationsinstrument ein sicheres Mittel zur Unterscheidung der Krystalle nach den Systemen, und wir überzeugen uns von der Wichtigkeit ihrer optischen Verhaltnisse-

Es mögen hier noch einige Bemerkungen über Dichroismus, resp. Trichroismus zweiaxiger Krystalle eine Stelle finden.

Die zweiaxigen Krystalle müssen drei verschiedene Axenfarben: a, b, c, zeigen, da parallel einer jeden Elasticitätsaxe andere Absorption stattfindet. Haben wir ein Parallelepipedon, dessen Flächen den Axen parallel sind, so haben die dreierlei Flächen auch drei verschiedene Farben, die Flächenfarben A, B, C; andere Flächen, die schief zu den Elasticitätsaxen liegen, zeigen Farben, welche zwischen A, B, O liegen und in einer gewissen Abhängigkeit stehen von der Neigung der Flächen gegen die Axen. Die sogenannten Axenfarben werden durch das Dichroskop bestimmt. Als Beispiel führe ich den Dichroit oder Cordieret an, welcher die drej Axenfarben zeigt:

a. dunkelblau, b. hellblau, c. grau. Die thermischen Verhältnisse.

Die Wärmeleitung findet bei den zweiaxigen Krystallen in verschiedenen Richtungen verschieden schnell statt; die des Minimums und des Maximums sind normal zu einander; senkrecht zu beiden hat sie einen intermediären Wert. In beliebigen andern Richtungen entspricht die Wärmeleitungsfähigkeit den Radien eines dreiaxigen Elipsoides.

Die Isothermenfigur lässt nicht nur die Lage der Elasticitätsaxen erkennen, welche der betreffenden Fläche, auf welcher die Figur dargestellt wird, parallel laufen, sondern lehrt auch, welche von beiden das grössere Leitungsvermögen hat.

Diese Untersuchungen leisten zuweilen in Fällen, wo wegen Undurchsichtigkeit der Substanz eine optische Orientirung unmöglich ist, gute Dienste, um zu bestimmen, in welche der drei von uns unterschiedenen Klassen ein Krystall gehört, und gestattet auch bei einaxigen z. B. die Lage der Axen zu erkennen.