Aufsatz 
Über den Zusammenhang der physikalischen Eigenschaften der Krystalle mit ihrer Krystallform / von Wilhelm Völler
Entstehung
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zu dieser Richtung in Bezug auf die S E symmetrisch gelegenen Richtung. Der Krystall ist in diesem Falle spaltbar nach einer prismatischen Form.

Die asymmetrischen Krystalle sind nach einer oder mehreren Richtungen spaltbar, welche natürlich stets möglichen Flächen entsprechen, aber die Vollkommenheit der Spaltbarkeit nach den verschiedenen Flächen ist eine verschiedene, weil zu keinem Minimum der Cohäsion ein gleich- wertiges vorhanden ist, entsprechend der Asymmetrie ihrer Struktur.

Die optischen Verhältnisse.

Bei den optisch zweiaxigen Krystallen sind die Elasticitätsverhältnisse des Athers ungleich komplizierter als bei den optisch einaxigen, und zwar in einem solchen Grade, dass man die Gesetze der Anderung der Elasticität mit der Richtung nicht empirisch erforscht hat, sondern dass dieselben zuerst theoretisch, nämlich von Fresnel, aus den Grundsätzen der Undulationstheorie des Lichtes abgeleitet und dann mit den Beobachtungen verglichen wurden, wobei sich eine Bestätigung jener durch diese ergab, wie sie vollkommener nicht gedacht werden kann. In einer Richtung O X, so sagte sich Fresuel, wird die Elasticität ihren grössten Wert haben, in einer andern, senk- recht zur ersteren, O Z, ihren kleinsten und in einer dritten, O Y, welche auf beiden vorigen senkrecht, wird sie einen intermediäären Wert annehmen, ohne indes grade das arithmetische Mittel der beiden andern zu sein. Diese drei Richtungen sind die optischen PElasticitätsaxen, durch welche wir uns, wie bei den einaxigen, ein Elasticitätsellipsoid konstruieren, welches aber dies Mal ein

dreiaxiges ist, dessen drei Axen proportional Ve VA Ve sind und mit welchen man die

entsprechende Elasticitätsgrösse nach einer beliebigen andern Richtung bestimmen kann. Die Erfahrung hat gelehrt, dass die Lage der Elasticitätsaxen gegen die krystallographischen Axen eine wechselnde ist, doch so, dass dieselbe den Symmetrieverhältnissen der letzteren stets entspricht.

Ein eintretender Strahl wird in zwei zu einander senkrecht polarisierte gebrochen, deren Schwingungen erfolgen in der Richtung der grössten und kleiusten Elasticität derjenigen Ebene, welche senkrecht zur Fortpflanzungsrichtung durch den Mittelpunkt der Elasticitätsfläche gelegt zu denken ist. Die Schnittfigur einer solchen Ebene ist im allgemeinen eine Ellipse, deren grosse und kleine Axe nicht nur die beiden Schwingungsrichtungen angeben, sondern auch die verhält- nismässige Grösse der Geschwindigkeit der beiden Strahlen erkennen lassen. Die Schnittfigur ist aber nicht in allen Fällen eine Ellipse. Unter all den ebenen Schnitten, die durch die Axe OY des Ellipsoides gehen, giebt es zwei in Bezug auf OX und O0Z symmetrisch gelegene, die Kreise sind, denn der Radiusvector der Ellipse XOZz nimmt bei irgend einem Winkel(siehe Figur 12) gegen die OX Achse oder 90⁰0 a gegen die OZ Achse einen Wert wan, der gleich ist dem Wert OXY, welcher ja nach Annahme ein zwischen OX und 02 liegender sein soll. Alle Schwingungen nun, welche parallel einem solchen Kreisschnitt der Elasticitätsfläche stattfinden, pflanzen sich, sie mögen in dem Kreisschnitt schwingen, wie sie wollen, mit einer und derselben Geschwindig- keit fort und ohne Anderung ihrer Polarisationsrichtung.

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