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1 Da mit der Geschwindigkeit sich die Grösse der Ablenkung eines Lichtstrahls ändert beim Ubergang in ein anderes Medium, so wird jede der beiden Wellen nach einer andern Richtung abglenkt, und zwar erfährt die raschere Bewegung dabei die goringere Ablenkung. Wegen dieser Erscheinung nennt man die anisotropen Körper auch doppelbrechend im Gegensatz zu den einfach brechenden isotropen Körpern. Nicht nach jeder Richtung freilich erfolgt Doppelbrechung, sondern es giebt eine, resp. zwei Richtungen, in welchen der Strahl einfach bleibt, und darauf gründet sich die wichtige Unterscheidung der optisch einaxigen und optisch zweiaxigen Krystalle, denn jene Richtungen, in welchen der Strahl einfach bleibt, werden optische Axen genannt. Nach dieser Bemerkung gehe ich zur speciellen Betrachtung der optischen Verhältnisse der einaxigen Krystalle über.
Die beiden nach irgend einer Richtung in einem solchen Krystall sich fortpflanzenden Wellen schreiten mittelst Schwingungen vorwärts, die senkrecht und parallel zu dem Hauptschnitt sind, in welchem die Fortpflanzungsrichtung liegt; die ersteren sind gleich für jede beliebige Fort- pflanzungsrichtung, da die Elasticität des Athers in allen Richtungen senkrecht zur Hauptaxe dieselbe ist; die zweite Art von Schwingungen ändert ihre Geschwindigkeit W mit der Fortpflanzungs- richtung, weil sich&m ändert; sie nimmt aber dann auch denselben Wert an wie die Geschwindig- keit der anderen Lichtbewegung, wenn die Fortpflanzungsrichtung parallel der Hauptaxe ist. So er- klärt es sich, dass in diesem besonderen Falle nur einerlei Lichtbewegung und daher auch einfache Brechung vorhanden ist. Die veränderliche Lichtbewegung wird die ausserordentliche genannt im Gegensatz zu der unveränderlichen, welche die ordentliche heisst. Bei manchen einaxigen Krystallen ist die Geschwindigkeit des ordentlichen Lichtstrahls grösser als die des ausserordentlichen; bei andern ist es umgekehrt; die ersteren nennt man optisch positive, die letzteren optisch negative Krystalle. Der ausserordentliche Strahl wird durch optisch positive Krystalle stärker gebrochen als der ordentliche, durch optisch negative aber nicht so stark als der ordentliche Strahl; man sagt auch in dem ersten Fall: Der ausserordentliche Strahl wird von dem Einfallslot angezogen, und man nennt die Krystalle darnach optisch attractive, z. B. Quarz, während man andernfalls von optisch repulsiven Krystallen spricht, zu welchen beispiels- weise der Kalkspat gehört. Die optischen Elasticitätsflächen in den positiven oder attractiven und den negativen oder repulsiven Krystallen unterscheiden sich in der Weise, das die der ersteren eine Rotationsaxe haben, welche kleiner ist als der Aquatorialdurchmesser, während es bei den letzteren umgekehrt ist. Bei diesen umschliesst die ausserordentliche ellipsoidische Wellenflächc die ordentliche sphärische, wie es Figur 7 zeigt, bei jenen dagegen die kugelförmige, die ellipsoidische.(Figur 6)
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