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Es giebt Mineralien, die von Natur Atzfiguren haben, z. B. Calcit, Quarz, Orthoklas, Topas. Sie haben meist grosse und deshalb undeutliche Atzüiguren.
Exner sagt, dass die Atzfiguren in keinem nachweisbaren Zusammenhang mit der Spalt- barkeit stehen. Das hat vielleicht darin seinen Grund, dass sie nicht nur von den Spaltungs- flächen, sondern auch von den Gleitflächen abhängen.
Ichgehenun zu der zweiten Gruppe von physikalischen Eigen- schaften über, und zwar zunächst zu den optischen.
Das Licht beruht nach der herrschenden Theorie auf Transversalschwingungen eines hypo- thetischen Stoffes, des Lichtäthers, dem man eine ungemein hohe Elasticität und sehr geringe Dichtigkeit zuschreibt. Von diesen beiden Faktoren hängt die grosse Fortpflanzungsgeschwindigkeit
des Lichtes ab, und zwar nach Massgabe der Gleichung v=Ve. wo e die Flasticität des
Athers und d seine Dichte bedeutet. Eine fernere Annahme, die wir in Bezug auf den Ather machen, ist, dass er nicht absperrbar ist und daher alle Körper durchdringt, wobei er freilich Ver- änderungen sowohl in Hinsicht der Dichte als der Elasticität erleidet, Veränderungen, welche die optischen Verhältnisse eines Körpers im wesentlichen bedingen. Man unterscheidet in Bezug auf die Art der Fortpflanzung einer im Innern einer Substanz erregten Lichtbewegung: 1. isotrope Körper, bei welchen sich das Licht nach allen Richtungen hin mit der- delben Geschwindigkeit fortpflanzt, 2. anisotrope, bei welchen die Fortpflanzungsgeschwindigkeit nach verschiedenen Richtungen im allgemeinen eine verschiedene ist.
Die letzteren zerfallen dann wieder in die schon oben erwähnten beiden Klassen der optisch einaxigen und optisch zweiaxigen Körper, eine Unterscheidung, die später ausführlich erörtert, werden wird.
Zu den isotropen Körpern gehören die Gase, die Flüssigkeiten, die amorphen Körper und die regulären Krystalle; alle übrigen Krystalle sind anisotrop.
Es giebt nun zwei Theorien bezüglich der Veränderungen des Athers in den verschie- denen Körpern:
Nach Fresnel ist in allen isotropen Substanzen die Elasticität des Athers dieselbe, seine Dichte dagegen in verschiedenen Substanzen verschieden; nach Neumann ist es gerade umgekehrt; nach Fresnel ist in anisotropen Medien die Anderung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit abhängig von einer der Richtung entsprechenden Anderung der Elasticität; nach Neumann bewirkt die verschiedene Dichtigkeit desselben diese Geschwindigkeitsänderungen. Mit beiden Theorieen lassen sich alle optischen Erscheinungen erklären, doch ist die von Fresnel die vorherrschende. Nachdem ich diese allgemeinen Bemerkungen vorausgeschickt habe, gehe ich zur Betrachtung der speciellen optischen Verhältnisse der isotropen Krystalle über.
Wenn, wie zuvor gesagt ist, die Fortpflanzungsgeschwindigkeit nach allen Richtungen die- selbe ist in isotropen Krystallen, so ist die Wellenfläche eine Kugel, und die Strahlen fallen stets mit den entsprechenden Wellennormalen zusammen.
Beim Eintritt oder Austritt eines Lichtstrahls aus einem solchen Krystall findet wohl Brechung statt, weil die Dichtigkeit des Athers sich ändert, aber die Brechung ist eine einfache.


