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Die Resultate auf diesem Gebiete werden sehr anschaulich gemacht durch die„Härtekurven“ welche man erhält, indem man die zum Ritzen in jeder Richtung nôtigen Gewichte als Radien in dieser Richtung von einem gemeinsamen Mittelpunkt aus beträgt und die Endpunkte dieser Radien mit einander durch eine Linie verbindet. Exners Mitteilungen erstrecken sich auf eine grössere Anzahl Steinsalzkrystalle, auf einige Flussspatkrystalle auf Sylvin, Zinkblende, Alaun, Calcit, Schwerspat, Gips, Blutlaugensalz etc.
Die Härtekurven, die er erhalten, sind sehr charakteristisch und lassen deutlich erkennen, dass die Härteänderung den Symmetrieverhältnissen eines Krystalls durchaus entspricht. Symme- trisch identische Flächen weisen gleiche Härtekurven auf: Würfelflächen zeigen stets dieselben, ebenso Oktaederflächen, aber die ersteren sind nicht gleich den letzteren. An den Härtekurven zeigen sich in symmetrischer Anordnung charakteristische Punkte, deren Verbindungslinien Rich- tungen grösster und kleinster Härte darstellen und krystallographisch ausgezeichneten Richtungen entsprechen. Auf den Hexaederflächen z. B. hat die Hürtekurve 4 Minima und 4 Maxima, die einen in der Richtung zweier Hauptaxen, die andern parallel den Diagonalen der Flächen. Die Minima, ebenso die Maxima sind untereinander gleich, und die Kurve ist symmetrisch zu den beiden Hauptsymmetrie-Ebenen.
Nicht nur mechanischen Einwirkungen gegenüber reagiert der Krystall seinen Struktur- verhältnissen entsprechend, sondern auch gewissen chemischen, nämlich Lösungsmitteln gegenüber. Dies wird uns anschaulich durch die Atzfiguren, die für bestimmte Krystallflächen ganz bestimmte Formen annehmen und die Symmetrieverhältnise erkennen lassen. Auf den Hexaederflächen sind sie symmetrisch nach den Seiten und den Diagonalen, auf den Oktaederflächen nach drei einander unfer 60° schneidenden Graden, auf den Dodekaederflächen nach den beiden Diagonalen des Rhombus. Die Atzfiguren sind in so hohem Grade charakteristisch, dass sie das Krystallsystem er- kennen lassen, und nicht nur dieses, sondern auch die hemiedrische, tetartoedrische und hemimorphe Abteilung desselben. 3
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Figur 2 zeigt Atzfiguren, wie sie sich auf einer Prismenfläche von Apatit darstellen; der pyramidalen Hemiedrie entsprechend sind sie oben und unten gleich, rechts und links verschieden ausgebildet. Figur 3 stellt die auf einer Querfläche von Kieselzinkerz sich bildenden Atzfiguren vor, welche rechts und links gléich, aber, dem Hemimorphismus nach der Axe entsprechend, oben und unten verschieden sind. 4
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Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Atzfiguren in manchen Fällen schon zu einer Richtigstellung des Krystallsystems geführt haben, z. B. beim Glimmer, wo die Gestalt der Atzein- drücke auf den Spaltungsflächen zuerst auf die Vermutung führte, dass derselbe monoklin sei, und nicht rhombisch, wie man früher glaubte(siehe Figur 4).


