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Krystall nach allen Seiten Strahlen gezogen und auf jedem die Grösse des Elastici- tätscoefficienten der betreffenden Richtung abgetragen durch eine Linie entsprechender Länge, so liegen die Endpunkte aller dieser Strahlen auf der sogenannten Elastici- tätsfläüche. Die Erfahrung lehrt, dass diese Fläche bei den einfach brechenden Körpern drei auf einander senkrechte, gleichwertige Symmetrie-Ebenen hat. Als Beispiel führe ich das Steinsalz an, bei welchem die Elasticitätsfläche das Ansehen eines über den Krystallaxen konstruierten Würfels hat mit abgerundeten Kanten und Ecken und mit vertieften Seitenmitten, Die Cohäsion der isotropen Krystalle.
Die Cohäsion ist ebenfalls ein Minimum oder Maximum von genau gleicher Grösse parallel den Hauptaxen; ist das erstere der Fall, so sind die Krystalle hexaedrisch spaltbar(Steinsalz, Bleiglanz); andernfalls können sie oktaedrisch spaltbar sein(Flussspat) oder dodekaedrisch, wie z. B. die Zinkblende. Da ist keine andere physikalische Eigenschaft, die ihren Zusammenhang mit der Krystallform so eindringlich zeigt wie die Spaltbarkeit; giebt sie doch die Möglichkeit an die Hand sich künstliche Krystalle aus einem Mineral herauszuarbeiten. Oft genügt ein einziger Schlag auf dasselbe, um zum Ziele zu kommen, so beim Bleiglanz, Steinsalz, Flussspat, Kalkspat. Die grössere oder geringere Leichtigkeit, mit der die Spaltung vor sich geht, erkennt man ausser an dem Widerstande, der der Trennung entgegengesetzt wird, an der Beschaffenheit der Spaltungs- fläche, an ihrem Glanz, an ihrer vermehrten oder verminderten Unebenheit; man unterscheidet nach dieser Richtung hin: vollkommene, ziemlich vollkommene, deutliche, ziemlich deutliche, undeutliche Blätterbrüche.
Manche Mineralien weisen gleichzeitig verschiedenartige Blätterbrüche auf, d. h. solche, welche verschiedenartigen Flächen parallel gehen; in solchen Fällen hat man stets die Beobachtung gemacht, dass Blätterbrüche nach einerlei Flächen sich gleich leicht herstellen lassen, nicht so Blätterbrüche nach verschiedenen Flächen.
An die Spaltflächen reihen sich die Gleitflächen an, nach welchen auch Minima der Festig- keit bestehen, wenn auch andrer Art als nach den Blätterbrüchen. Man nennt die Gleitfläächen Flächen leichtester Verschiebbarkeit, weil nach ihnen Trennungen durch Verschiebung oder Pressung entstehen. Als Beispiel diene das Steinsalz; während die Spaltungsflächen den Würfelflächen parallel gehen, sind hier die Gleitflächen den Granatoederflächen parallel. Der Trennung nach Gleitflächen geht oft eine Zwillingsstellung der gegeneinander verschobenen Teile voraus, doch muss die Gleitfläche Zwillingsfläche sein können. Um Gleitflächen sichtbar zu machen, kann man den sogenannten Körner benutzen. Indem man mit demselben auf eine Krystallfläche einen Schlag ausführt, entstehen sternförmige Risse, Schlaglinien, die zusammen die Schlagfigur bilden. Die Schlaglinien sind meist den Gleitflächen paraliel, z. B. beim Steinsalz, Gips und Kalkspat; manchmal aber auch den Blätterbrüchen, z. B. beim Glimmer.
Von grosser sowohl theoretischer als auch praktischer Bedeutung ist die Härtebestimmung der Mineralien. Uber Härte der Mineralien hat ausser anderen namentlich Dr. Exner sehr ein- gehende Untersuchungen angestellt; seine Untersuchungen bezogen sich:
a) auf Härteunterschiede an verschedenen Flächen ein und desselben Krystalls, b) auf Härteunterschiede in verschiedenen Richungen derselben Fläche, c) auf Härteunterschiede im positiven und negativen Sinne derselben Richtung.


