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Insel füllt aber in vorhistorische Zeit. Viele Tausende von Jahren mussten vergehen, um der Insel ihre jetzige Beschaffenheit zu zeben, bis dass nämlich alle diese Schichten sich wieder herabgesenkt haben konnten zu der Tiefe, in der sie jetzt vom Meere bedeckt liegen.
Die mannigfaltigsten historischen und geologischen Daten ergeben, und das ist besonders durch Wiebel auf das sorgfältigste und schlagendste nachgewiesen, dass in historischer Zeit die Insel niemals eine wesentlich bedeutendere Grösse gehabt habe; vorab das Felsen- plateau kann nur geringen Abbruch erlitten haben. An diesem wirkt wenig die Brandung mit ihrer zertrümmernden Kraft; dieselbe wird abgeschwächt durch die umgebenden weithinaus ragen- den Klippen; hier üben vornehmlich die Atmosphärilien und der Frost ihr Zerstörungswerk, namentlich auf der Ostseite, nach der ja die Inseloberfläche und die Schichten sich absenken, nach welcher daher auch das Wasser, das ein Hauptarbeiter ist in diesem Zerstörungswerk, hinsickert, worauf dann die locker gewordenen Gesteinsmassen auf der schrägen Schichtflache abrutschen.
Auf der Ostseite ist daher auch die Böschung etwas weniger steil, die Gestaltung der Küste weniger zerrissen. Auf der Südwestküste hingegen, auf welche namentlich Wind und Wetter direkt wirken und wo die Zerstörung keine so gleichförmige ist, macht sich der Einfluss zahlreicher mehr oder weniger senkrechter Klüfte geltend, welche das Gestein der Hauptinsel(und so auch die Klippen) besonders in der Richtung von Südwest nach Nordost durchziehen. Indem zwischen zweien Klüften die Felsmassen stärkeren Widerstand leisten oder umgekehrt in höherem Grade der Zertrümmerung anheimfallen, entstehen hier entweder Felsvorsprünge oder schmale Buchten und durch Unterwaschungen und Abstürze von unten her Höhlen und natürliche Felsenthore und schliesslich abgetrennte einzelne Felspfciler, und auch diese wiederumn unterliegen nach Jahrhunderten und Jahrtausenden eben denselben feindlichen Elementen. Zu dieser Arbeit des Wassers und des Frostes gesellt sich noch die Wirkung des Windes, der an den Zwischenlagern von lockeren Sand- steinschichten nagt und die Abbröckelung der überlagernden Massen unterstützt. Daher die Zer- rissenheit und malerische Schönheit der Südwestküste.
Genaue Beobachtungen gestatten jedoch den Schluss, dass die Gesamtsumme der Ab- nutzungen in 10 Jahren sicher noch lange nicht einen Fuss betragen dürfte, wonach vor 1000 Jahren das Felsenplateau noch nicht einmal 200 Fuss breiter gewesen wäre, also niemals wohl den Raum für 9 Kirchdörfer mit ihren Fluren und Wiesen geboten haben kann, wie die vielgenannte Meyersche Karte vom Jahre 1649 im Gegensatz zu älteren Schilderungen der Insel erzählt. Steuer- bücher aus dem 15. Jahrhundert erwähnen z. B. den sog. Mönch in der gleichen Lage zur Insel in der er sich 1839, bevor er zusammenstürzte, befand. Den grössten Abbruch erfährt sicher wohl das Eiland durch solche Einstürze von grösséren Felspartien, die aber ebenso gewiss schon Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende den Wogen und dem Wetter getrotzt haben. Erst vor wenigen Jahren ist so das Mörmers Gat, früher eine der schönsten Zierden der Insel, ein pracht- volles, mächtiges Felsenthor, zusammengestürzt, welches Ereignis Wiebel in seinem Werke von 1848 als ein demuächst zu erwartendes voraussagt. Ein anf der Höhe des Felsens weidendes Schaf stürzte damals mit herab, merkwürdiger Weise ohne jede Beschädigung; man fand es am anderen Morgen auf den Trümmern grasen.
Den grössten Verlust hat die Insel erfahren, scit der Waal 1721 durchbrochen wurde, seit welcher Zeit auch die Düne beträchtlich kleiner geworden ist. Dass aber die Hauptinsel noch viele Jahrhunderte der Zerstörung trotzen wird, dürfte schon aus dem hier Mitgeteilten erhellen.


