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erfahren, so dass selbst die höchsten Punkte der roten Klippe tief unter dem Meeresspiegel sich befanden.— Zu der Zeit, als die Diluvialablagerungen Norddeutschlands sich bildeten, reichte das nördliche Meer bis an den Fuss des Harzes und nach Thüringen hinein, so dass dessen Ufer an Punkten sich befand, die jetzt bis 260, ja 330 M. über dem Meeresspiegel liegen.“*) Bis dorthin sind über die ganze norddeutsche Ebene— ebenso z. B. auch weit nach Russland hinein— beträchtliche Geschiebemassen und einzelne, z. T. ausserordentlich gewaltige Gesteinsblöcke, die sog. erratischen Blöcke, verbreitet, deren mannigfache Gesteinsvarietäten nirgends in diesen selben Gegenden anstehend gefunden werden, sondern nur mit vielfältig in Skandinavien (und Finnland) verbreiteten Gesteinen übereinstimmen und nur von dort stammen können. Hierher transportiert können sie nur sein— und solche Phänomen lassen sich noch heute oft genug in den Meeren und an den Küsten im Norden Amerikas beobachten— durch Eisberge, das sind die ab- gebrochenen Enden der bis in das Meer hinein sich senkenden Gletscher, welche auf und in und unter sich von ihren Ufern stammende Blöcke und Schuttmassen mit sich führen. Auch auf dem Helgolander Oberland liegen, wie bereits erwähnt, solche erratischen Blöcke, Zeugnis gebend von der damaligen Wasserbedeckung. Während der ausserordentlich langen Zeit, da sich der Boden allmählich senkte und allmählich wieder hob, müssen zahllose Eisberge auch über Helgoland hin gezogen sein, und wie man noch jetzt eine abreibende Wirkung solcher gewaltigen schweren Eis- massen bemerkt, welche an ihrer Unterfläche noch dazu harte Steinblöcke eingebacken enthalten, so müssen dieselben auh dazumal auf das verhältnismässig weiche Gestein der roten Klippe eine sehr bemerkbare Wirkung ausgeübt und dasselbe abgeschliffen haben. Während die Schichten selbst mit 170 nach N.-O. einfallen, so ist die Oberfläche der Insel zwar auch nach dieser selben Richtung hin geneigt, aber nur mit 2 bis 3 Grad, und die Fläche erscheint auffallend eben. Es dürfte gar nicht unwahrscheinlich sein, dass diese Thatsache auf genannte Weise ihre Erklärung fände, dass dieser südwestliche ehemals vorhanden gewesene Teil der oberen Schichten, dass die ganze Insel durch solche Eisberge abgeschliffen sei!
Nachdem die Insel mit dem umgebenden Meeresboden und dem ganzen nördlichen Deutsch- land sich so weit wieder gehoben hatte, dass sie noch in der Diluvialzeit wieder über die Meeres- fläche in ühnlicher Weise wie jetzt emporragte(wir kennen von allen diesen Vorgängen nur das Thatsächliche, aber bis jetzt nicht die Ursachen, die bewegenden Kräfte), muss sie eine viel grössere Ausdehnung besessen haben als heutzutage, d. h. nicht die rote Klippe, sondern ein umgebendes Flachland. Es ist dieses, wie Meyn nachgewiesen hat, aus den Geröllmassen zu schliessen, welche sich auf der Düne finden, und aus der ganzen Beschaffenheit dieser, und es wird bestätigt durch die merkwürdigen Funde Lasards, der in dem mit vieler Mühe aus der Tiefe herausgeschafften Töck dichtgedrängt eine Menge von Süsswasser- und Landconchylien fand, Arten wie Bythinia tentaculata, Valvata contorta, piscinalis und cristata, Planorbis carinata, Limnaeus truncatulus und auricularius etc., welche noch heute bei uns lebend und weit verbreitet im norddeutschen Diluvium gefunden werden. Solche zahlreichen Süsswasserconchylien, die hier mitten im Meere, viele Meilen entfernt vom Lande sich finden, konnten nur auf einem ausgedehnteren insellande entstehen; auf einem solchen auch nur konnten die ausgebreiteten Massen des Töcks sich bilden, der sich durch jene Einschlüsse als eine Süsswasserablagerung zu erkennen gibt.
Diese durch die geologischen Untersuchungen bewiesene ehemals grössere Ausdehnung der
*) Man vergleiche die Anmerkung am Aufang.


