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Die auf der Meyerschen Karte verkörperten Sagen scheinen ihre bestimmtere, scheinbar durch historische Nachweise bestätigte Gestalt durch absichtliche Veranstaltungen gewonnen zu haben, durch Angaben, die gemacht wurden, um zu Gunsten des Herzogs von Schleswig-Hol- stein die Zugehörigkeit des friesischen Helgolands zu den Herzogtümern, mit denen es früher auch růumlich zusammengehangen hätte, gegenüber den Ansprüchen der Städte Hamburg, Lübeck etc. zu beweisen und zu bekräftigen.
Von 1490 ab, wo Ielgoland dann auch an den Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein gekommen war blieb es bei den Herzogtümern. 1684 freilich gewann es der König von Dänemark durch eine Art Überrumpelung, indem seine Flotte die auf dem Fischfang auf See befindliche männliche Bevölkerung Helgolands gefangen nahm und auf die Drohunę hin, dass alle an den Mastbäumen aufgeknüpft werden sollten, wenn nicht binnen 6 Stunden die Insel übergeben wäre, die zurückgebliebenen Weiber den Commandanten zur Übergabe drängten. Jedoch musste Däne- mark infolge des Altonaer Vertrags 1689 die Insel bereits wieder zurückgeben.
Im nordischen Kriege endlich kam Schleswig(ausser den Glücksburger Landen) dauernd an den König von Dänemark und damit auch das 1714 von den Königlichen eingenommene Helgo- land, während er die Holsteinschen Lande erst nach und nach an sich brachte.
Der Kampf Englands mit Napoleon, auf dessen Seite Dänemark stand, wurde endlich die Ursache, dass ersteres, und zwar am 5. September 1807, in den Tagen der berüchtigten Beschiessung Kopenhagens, Helgoland besetzte, welches alsdann durch den Kieler Frieden d. 14. Januar 1814 formell abgetreten wurde.—
Und so sehen wir denn noch heute Helgoland in dem Besitze Englands, währe. d Schleswig- Holstein, wovon die Insel ein integrierender Bestandteil war, mit Gottes Hülfe Deutsch- land wieder vereinigt worden.
Jene Thatsache aber ist wahrlich dazu angethan, das Herz des Deutschen mit Trauer und Unmut zu erfüllen. Nicht allein, dass die Insel seit den ältesten Zeiten deutsch war, dass die Bewohner deutschen Stammes sind und deutsche Sprache reden, nein, in fremder Hand ist sie gleichsam ein Pflock in unserem Fleische, ein feindli hes Bollwerk, so zu sagen, in deutschen Ge- wässern. Vorgelagert den Mündungen dreier deutscher Flüsse, der Eider, der Elbe und der Weser, beherrscht sie dieselben wie ebenso den Jahdebusen und kann im Kriegsfalle, trotzdem sie nicht befestigt ist, als Hafen ein Stützpunkt sein für mannigfaltige feindliche Operationen. Haben doch selbst in dem letzten, grossen deutsch-französischen Kriege die Schiffe der Franzosen sich in ge- wisser Weise darauf gestützt, haben sie doch auf flelgoland ihre Lotsen gefunden, die allein es ihnen möglich machten, auf diesen gefährlichen Meeren sich zu bewegen; ist doch in der Mündung der Elbe damals ein französischer Offizier als Spion aufgegriffen worden, der mit einem Helgolander Lotsen bereits einige Tage dort herumgerudert war!
Genug, es ist ein für ein starkes Deutschland beschämender Zustand, und wenn auch Helgo- land nicht ein Objekt ist, welches je zu einer kriegerischen Verwickelung Veranlassung geben dürfte, so müssen wir doch eine Anderung sehnlichst wäün-chen und erhoffen. Ja, wie ich von meiner Schulzeit ab die feste UÜberzeugung hatte, es noch zu erleben, dass Elsass und Lothringen wieder deutsch würden, so hoffe ich jetzt ebenso zuversichtlich es zu erleben, dass auch diese Insel dem Stammlande wieder vereinigt wird. Die Gelegenheit wird unseren Diplomaten sich schon bieten, und England wird um so eher in solche Forderungen willigen, je mehr es davon über-


