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worden mit dem alten Wort brünne, Harnisch, da die Klippen das Eiland wie mit einem Harnisch umgürteten, schützen. Es dürfte aber kaum anzunehmen sein, dass die einfachen Bewohner der Insel durch solche poetischen Vergleiche, durch solche Reflexionen zu dieser Namengebung gebracht worden seien, zumal die Klippen zum grossen Teil gar nicht über das Wasser heraustreten. Viel mehr Wahrscheinlichkeit hat die von Friedrich Oetker vertretene Deutung, die das Wort in Zu- sammenhang bringt mit dem anderen Worte„Brandung“, ebenso wie es statt Land in der Helgo- lander Sprache Lunn heisst, so wird Brunn gleich Brand zu setzen sein, beide abzuleiten von brennen, hier gleich sieden, wonach diese Brunnen also Stellen sind, wo das Wasser gleichsam siedet, wo man eben auch ferne der Küste die Brandung schäumen sieht.— Die gefährlichsten Klippen sind die kleinen einzelnen untermeerischen Felsen, welche den Eingang in die Häfen erschweren, im Norden bes. der Nordhafen-Knoll(das Wort erinnert an unseren hessischen Berg- namen der Knüll) im Süden der so berüchtigte Hog Sten und Danskermann sin Horn.
Gerade diese Klippen bieten durch die Mannigfaltigkeit der Gesteinsmassen, aus denen sie bestehen, und durch deren Anordnung gauz besonderes geologisches Interesse.—
Wo in Steinbrüchen, bei Eisenbahndurchschnitten, an steilen Gebirgswänden oder Felsen- ufern oder ähnlichen Stellen der feste Steinboden aufgeschlossen ist. da sehen wir meist die Ge- steinsmassen mehr oder weniger mit wechselnder Beschaffenheit schichtenweise auf einander folgen. Hier in unserer Gegend können wir das in nächster Nähe am Kratzenberge und am Weinberge sehr schön beobachten.— Die Wissenschaft ist heute längst darüber im Klaren, dass diese Schichtenbildung durch Absatz der Massen aus und in Wasser hervorgebracht wurde, meist im Meereswasser, zum geringeren Teil in Süsswasser. Die tiefer lagernden ergeben sich hiernach selbstverständlich als die älteren, die oberen als die jüngeren, später entstandenen Schichten, die aber sämtlich besonders charakterisirt werden durch die darin begrabenen Tier- und Pflanzenreste oder deren Spuren, durch die sog. Petrefakten oder Versteinerungen, indem eben zu verschiedenen Zeiten andere Tier- und Pflanzenarten lebten.— Schichtenfolgen von bestimmtem Charakter wer- den einer geologischen Formation oder Formationsreihe zugerechnet und so eine Anzahl von Formationen verschiedenen Alters unterschieden, die jedoch nie sämtlich an derselben Stelle der Erde übereinander vorkommen.
Die älteste Formation, die in unserer Gegend sich findet, ist die des sog. Bunten Sand- steins, der an den Ufern der Fulda, wo dieselbe in das Casseler Phal eintritt und wo sie aus demselben austritt, die steilen Abhänge bildet und zu welchem auch die roten und grauen Thon- und Mergellager des sog. Röth gehören, die tei den hiesigen Bauleuten unter dem Namen„Mönche- berg“ bekannt sind. Von der darauf folgenden Formation des Muschelkalks sind die alteren Schichten, der sog. Wellenkalk, inächtig vertreten; das sind eben jene Kalklager, die sich vom Kratzenberg aus nach dem Habichtswald hinziehen und die am Anfang der Prankfurter Chaussee durchbrochen sind. Eine ganze Reihe darauf folgender Formationen fehlt bei uns oder ist nur durch geringe in Brüche hinabgestürzte Reste vertreten, wonach unsere Gegend während der Bildung der älteren Schichten von Meeresbedeckung frei gewesen sein, bezüglich durch Abnagung und Abtragung durch Wasser des grössten Teils der jüngeren wieder beraubt worden sein muss.
Es folgt erst wieder die sehr junge Tertiärformation, welcher z. B. die Grossalmeröder Thone, ferner unsere so wichtigen Braunkohlen und als gleichalterig auch die vulkanischen Basalt- massen und Tuffe angehören. Die jüngsten Massen des angeschwemmten Diluviums, besonders aus
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