Aufsatz 
I. Einleitung und Kapitelüberschriften zu einer Schulausgabe von Sallusts Catilina / von Wilhelm Wittich
Entstehung
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gewaltige Wand des zerklüfteten, nackten Gesteins ihr leuchtendes Rot in grellem Contrast in der blauen Flut spiegelt.

Der Begriff Helgoland umfasst bekanntlich cigentlich zwei Inseln, das steil ansteigende Felseneiland und eine viel kleinere Sandinsel, die sog. Düne oder Halem. Bis 1721 hing jedoch diese Düne durch den aus Geröllmassen bestehenden sog. Waal oder Steinwall mit der Haupt- insel zusammen.

Bewohnt ist nur diese letztere, und zwar durch wenig mehr als 2000 Einwohner, deren Häuser zum grösseren Teil auf dem Felsenplateau, dem sog. Oberlande, zum kleineren auf einem flachen, nach Südosten sich anschliessenden, kleinen Vorlande, dem Unterlande, erbaut sind.

Die Bewohner, unter denen die Männer mit dem strengen und doch zumeist treuherzigen Ausdruck ihrer bald verwetterten, bald jugendlich frischen Gesichter besonders unsere Aufmerksam- keit und unser Interesse wecken, sind friesischen Stammes und reden einen ächt friesischen Dialekt. Der Gottesdienst jedoch und der Schulunterricht wird in hochdeutscher Mundart gehalten. Ihren Unterhalt erwerben die Helgoländer durch Fischfang(bes. wichtig der Fang der Schellfische, während der ehedem so berühmte Heringsfang ganz aufgehört hat), durch Austern- und Hummer- fang, wozu in nächster Nähe der Insel Gelogenheit geboten, und besonders noch durch Lootsendienst. Nicht unbedeutend ist auch der Gewinn, den sie durch das Bergen gestrandeter Schiffe an ibrer und den benachbarten Küsten haben. Hingegen bietet ihr Eiland ihnen nicht Gelegenheit für Ackerbau und Viehzucht; kaum dass sie ein wenig Kartoffeln und Gemüse bauen können, kaum dass auf der mageren Gdrasfläche des Plateaus ca. 200 Schafe ihre Nahrung finden, die wesentlich am ihrer Milch willen gehalten werden. Bäume gedeihen zumal nicht auf der Insel, nur höchstens etwas Ziergesträuch und wenige krüppelhafte Obstbäume im Schutze der Häuser und nur bis zu deren Höhe hinauf, da die mit ungebrochener Kraft vom Meer herbrausenden Stürme alles höher aufstrebende Pflanzenleben ertôten.

Seit 1826 ist Helgoland auch Seebad, wodurch dem Erwerb der Bewohner eine neue und immer reicher fliessende Quelle geöffnet ist. Man badet gewöhnlich auf der Düne. Wenn aber schlechte und stürmische Witterung das nicht gestattet, so ist auch bei dem Vorland der Haupt- insel Gelegenheit gegeben, wo ein neues Badehaus errichtet ist und durch das in den letzten Jahren erbaute gedeckte Schwimmbassin, welches 15 000 Cubikfuss fasst und fortwährend von frischem Seewasser durchströmt wird, eine Annehmlichkeit für die Badegäste geboten ist, die kein anderes Seebad kennt. Hlelgofand hat Telegraphenverbindung mit dem Continent, und für den Postver- kehr gerade mit Deutschland ist dadurch eine grosse Erleichterung goschatten, dass die Insel durch Vertrag mit der deutschen Reichspostverwaltung in Rücksicht der Portosätze, wie es seiner Lage und dem zahlreichen Besuche von deutschen Badegästen entsprechend ist, den Plätzen des Inlandes gleich behandelt wird, so dass ein Brief bis auf die bayerischen Alpen hinauf eben nur 10 Pf. kostet.

Alle diese Annehmlichkeiten, wozu noch die Errichtung eines deutschen Theaters, die Reize der Natur und vor allen Dingen die günstige Lage mitten im Meere kommen, in Folge deren das Seebad für diejenigen, die darin Heilung und Stärkung suchen, durch die kräftige, reine Seeluft besonders wirksam wird, locken alljährlich viele Tausende nach der verhältnismässig so leicht zu erreichenden Insel.