Aufsatz 
I. Einleitung und Kapitelüberschriften zu einer Schulausgabe von Sallusts Catilina / von Wilhelm Wittich
Entstehung
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stellt, rascher sollen sie die Ziele erreichen und dabei noch so manche Kenntnis und Kunst sich erwerben, wie es nie von unserer bürgerlichen Jugend verlangt wird.

Freilich wartet der beiden Prinzen auch eine hohe Aufgabe! Ist doch der ältere, Prinz Wilhelm, berufen dereinst selbst das hehre Kleinod der deutschen Macht zu wahren, die Kaiser- krone zu tragen! Soll doch der jüngere, der Geburt nach der erste nächst ihm, einstmals ein anderes Kleinod des deutschen Volks hegen, soll einer Schöpfung sich widmen, die wir in ihrer jetzigen Blüte auch unserem Kaiser verdanken und auf die mit besonderem Wohlgefallen und Interesse das Auge des Deutschen sich richtet, da sie einem mächtigen deutschen Reiche nötig ist und bleiben wird und gerade vor allem mitbestimmt ist auch im Auslande die Angehörigen des Reiches zu schützen und in alle Weltteile den Beweis zu tragen, dass wieder ein mächtiges deutsches Reich erstanden.

Gerade für uns hier, die wir die Freude hatten den Prinzen Heinrich in unseren Räumen zu beherbergen und auch unsererseits mit für seine Ausbildung wirken zu dürfen, liegt es nahe, auf diese Schöpfung unseres grossen Kaisers unsere Blicke zu lenken, auf die in so kurzer Zeit schon so mächtig entwickelte deutsche Flotte, zu welcher bereits in wenig Tagen Prinz Heinrich abgehen wird.

Wenn ich nun, dem die Ehre zu teil ward gerade heute am achtzigsten Geburtsfeste unseres geliebten Kaisers als Dolmetsch für die Gesinnung, für die Wünsche aller, die der Schule angehören, hier aufzutreten, wenn ich nun meinen Blick hinschweifen lasse nach den deutschen Küsten, nach den neuen Kriegshäfen von Kiel und im Jahdebusen, hinausschweifen lasse nach den Meeren, auf denen die Schiffe unserer Kiegsflotte vor allen Dingen sich tummeln sollen zum Schutze unserer Küsten und unseres Handels, so bleibt das Auge haften auf dem kleinen Eiland, das in diesem Jahrhundert den ersten Kampf einer deutschen Flotte gesehen.

Und wenn die Erinnerung an diesen wenig rühmlichen Kampf vom 4. Juni 1849, in dem drei deutsche Kriegsdampfer einer einzigen dänischen Segelcorvette nicht Herr wurden, gerade keine erfreuliche ist, so ist noch weniger das Bewusstsein ein erfreuliches, dass diese deutsche Insel in Englands Händen sich befindet. Als ein gewaltiges Denkmal ehemaliger deutscher Schwäche steht so gleichsam die Insel da, aufgerichtet inmitten eines deutschen Meeres, als ein Mahner wiederum zugleich, dass Deutschland auf der Hut sein und in einmütigem Wirken für die Ausbildung und Stärkung der neuen Flotte und damit für die Sicherung seiner Küsten und seines so bedeutenden und stets reicher emporblühenden überseeischen Handels Sorge tragen möge. 1

Die Insel aber, das kleine, vielgenannte Helgoland, kann nicht allein um dieser Be- ziehungen willen uns Interesse abgewinnen. Das Wort Adams von BremenSunt et aliae insulae contra Fresiam et Daniam, sed nulla earum tam memorabilis gilt auch heute noch in vollstem Umfang. Ja, nicht nur gegenüber den Inseln an der deutschen und dänischen Küste, sondern an und für sich oder überhaupt mit anderen beliebigen verglichen ist diese Insel so merkwürdig und ausgezeichnet, so eigenartig in ihrer ganzen Erscheinung, dass es nicht Wunder nehmen kann, wie gerade sie in solchem Masse Gegenstand sagenhafter Erzählungen und zahlreicher litterarischer Arbeiten geworden und das Interesse an dieserPerle der Nordsee ein stets gesteigertes gewesen.

Mächtig steht sie da, ein Fels im Meere, trotz ihrer Kleinheit eine imposante Erscheinung, wie sie, steil aus den Wogen empor steigend, geradeauf bis zu 200 Fuss sich erhebt und die