Aufsatz 
I. Einleitung und Kapitelüberschriften zu einer Schulausgabe von Sallusts Catilina / von Wilhelm Wittich
Entstehung
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Heil dem König! Heil Wilhelm, Dir unserm Kaiser!

Mit freudigem Herzen feiern wir hier das Fest unseres Kaisers, das durch ganz Deutsch- land hin die Bevölkerung zusammenruft, das Millionen und aber Millionen mit uns feiern, das gleich einem immer mächtiger anwachsenden Strome über alle deutsche Gauen in Nord und Süd den Freudenjubel hinbrausen macht, der in allen Weltteilen, wo nur Deutsche wohnen, Widerhall findet und das mit seinem Jubel laut übertönt den Streit der Parteien, die alle von schwarzen und roten Vaterlandslosen abgesehen einig sind in der Liebe und Verehrung und Bewunderung unseres heldenmütigen Kaisers, des mildgesinnten Herrschers, des starken, unbeug- samen Schützers des Rechts!

Achtzig Jahre sind dahingezogen über seinem Haupte, achtzig Jahre hat er vollendet am heutigen Tage, ein langes, ereignisvolles Leben! Aber nicht als müssiger Zuschauer liess er die Ereignisse an sich vorüber ziehen; es war ihm beschieden, von frühester Jugend auf mitthätig einzugreifen und dann als Herrscher immer Grösseres und Grösseres vollbringend durch Wieder- aufrichtung des unter den Habsburgern in schmachvoller Schwäche dahingesunkenen deutschen Reiches, durch Schaffung eines neuen, eines mächtigen, freien Deutschlands nicht nur der hoch- gepriesene Wohlthäter des deutschen Volkes zu werden, sondern seinen Namen den ersten und hochberühmtesten anzureihen, welche die Geschichte nennt!

Und nun er so Vieles und Grosses vollbracht nat und mit der vollsten Befriedigung, die einem Menschen gewährt sein kann, zurückblicken mag auf die vergangenen Jahre, gedenkt er doch nicht zu rasten. Ein gütiger Gott hat ihm Kraft des Körpers und des Geistes bewahrt und erhalten, und so steht er zu unserem Wohle und zu unserer Freude unbewegt und ungebeugt da. Arbeit thun will er, Arbeit leisten für sein Volk, für seinen Beruf als Fürst. Immer Neues und Besseres schaffen will er und den Bau, den er aufgerichtet, sichern, dass er fest stehe durch alle Zeiten! Ja, Jugend, da schaue hin nach dem Greise! Ja, Jugend, da lerne strenge Selbstzucht und Pflichterfüllung, eiserne Willensstärke und unermüdliche Arbeitsfreudigkeit!

Ohne Arbeit kein Lohn, ohne Mühe kein Gewinn! Das ist ein Naturgesetz, und unser Kaiser, der von seinem hohen Berufe auch die erhabenste Auffassung hat, kennt es wohl und handelt dieser Kenntnis gemäss, verlangt aber auch ein Gleiches von den Seinen.

Gerade wir hier in Cassel haben die beste Gelegenheit gehabt auch hiervon uns zu über- zeugen. Der Stadt Cassel und insbesondere dem Gymnasium und unserer Anstalt ist ja die grosse Ehre und dankenswerte Auszeichnung zu teil geworden, dass diese Schulen, dass deren Lehrer an der geistigen Ausbildung der Enkel unseres Kaisers mitarbeiten und dieselbe zu einem wich- tigen Abschluss führen durften! Wir haben daher die beste Gelegenheit gehabt zu beobachten, wie in unserem Königshause der Vorzug der Geburt nicht in dem Privilegium des Geniessens gesehen wird, sondern in der erhöhten Möglichkeit Gutes zu leisten und für die Menschheit Nutzen stiftend zu wirken. Je grösser die Machtsphäre, um so grösser die Pflicht, und so ergibt sich auch die Notwendigkeit einer um so grösseren Leistungsfähigkeit. Von den Königlichen Prinzen ist deshalb auch nicht allein verlangt worden, dass sie dasselbe leisten, dass sie gleich arbeiten wie die übrige Jugend der gebildeten Kreise; nein, weit strengere und höhere Anforderungen werden an sie ge-