Aufsatz 
I. Einleitung und Kapitelüberschriften zu einer Schulausgabe von Sallusts Catilina / von Wilhelm Wittich
Entstehung
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10. Die Ausdehnung der Herrschaft, namentlich die Beseitigung der Nebenbuhlerin Karthago, war aber kein Glück für Rom. Habsucht und Ehrgeiz wuchsen unendlich und führten zu jeder Art Sittenverderbnis.

11. So lange der Ehrgeiz die Habsucht überwog, traten auch noch edle Bestrebungen hervor. Aber seit Sullas Zeit sind durch die Achtungen die niedrigsten Leidenschaften entfesselt. Die Verwöhnung des Heeres, welche durch die asiatischen Feldzüge herbeigeführt wurde, hatte dem noch besonders vorgearbeitet. 3

12. Der Reichtum führte zu unsinniger Verschwendung, wie die heutigen Privatbauten, verglichen mit den alten Göttertempeln, beweisen. So wuchs die Habsucht noch mehr, die sich besonders in der Bedrückung der Bundesgenossen geltend macht.

13. Es entwickelten sich ferner die unnatürlichsten Laster, und je mehr auch hierbei Geld verbraucht wurde, um so grösser wuchs wiederum die Habsucht.

14. Die Schilderung kehrt zu Catilina zurück. Dieser sammelte Scharen von Gleichge- sinnten um sich. Wer noch nicht schlecht genug war, wurde von ihm verführt. Besonders die Jugend suchte er zu gewinnen, indem er ihren Teidenschaften schmeichelte und ihr zur Befriedigung derselben behilflich war.

15. Schon früher hatte sich Catilina eine Menge von Schlechtigkeiten zu schulden kommen lassen. Das Furchtbarste war, dass er seinen Sohn ermordete, um eine neue Heirat eingehen zu können. Sein böses Gewissen trieb ihn weiter zu Frevel und gab sich kund in seinem Kussern.

16. Auf den von ihm selbst zu allem Schlechten erzogenen Anhang von jungen Leuten konnte Catilina sich verlassen. Er rechnete auch auf andere Unzufriedene, besonders ehemalige Soldaten des Sulla, die ihr Gut schnell verprasst hatten. Alle Verhältnisse schienen günstig zu einer Erhebung.

17. Beginn von Catilinas Verschwörung vom Jahre 64. Er hat aus dem Senatoren- wie Ritterstand Männer genug für sich gewonnen, auch hervorragende Bewohner der Landstädto. Einige halten sich im Hintergrunde, bereit offen als Catilinas Bundesgenossen aufzutreten, sobald dessen Vorgehen Erfolg hat; von manchen wird Crassus hierzu gerechnet.

18. Catilinas erste Verschwörung hatte schon zwei Jahre vorher, 66, stattgefunden, nur dass er da nicht der Urheber gewesen war. Im Bunde mit zwei wegen Amtserschleichung verurteilten gewählten Konsuln, P. Autronius und P. Sulla, wollten Catilina und Piso, ein kühner Parteigänger Catilinas, die neuen Konsuln am 1. Januar ermorden; dann wurde die That auf den 5. Februar verschoben, an dem sie auch nicht zur Ausführung kam, weil Catilina das Zeichen zum Losschlagen zu früh gegeben hatte.

19. Piso erhält durch die Unterstützung des Crassus, aber auch nicht gegen den Wunsch des Senats, der ihn gern von Rom entfernte, das diesseitige Spanien als prätorische Provinz. Er fiel durch Meuchelmord; ob die spanischen Reiter, die ihn töteten, von Pompejus Leworhen waren, ist nicht festzustellen.

20. Rede Catilinas vor den Verschworenen. Natürlich ist die Form von Sallust, aber durchaus so, wie ein Catilina sprechen musste. Wir sind, als echte Freunde, gleich gesinnt; einer Anfeuerung bedarf es nicht. Wir haben die gleichen Feinde in der herrschenden Klasse, die uns knechtet; wir können sie zu Boden werfen, wir sind die Besseren. Der Sieg gibt uns Freiheit,