Aufsatz 
I. Einleitung und Kapitelüberschriften zu einer Schulausgabe von Sallusts Catilina / von Wilhelm Wittich
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

obwohl nun von den schlecht bewaffneten zwei Legionen, die sich nach und nach um Catilinas Adler geschart, wieder viele sich verliefen, war der Feind im Felde doch eine gefährliche Macht. Dieser suchte auf versteckten Pfaden über den Apennin nach Gallien zu entkommen; aber Metellus Celer verlegte ihm hier den Weg, und Antonius war ihm auf den Fersen, Ehe diese beiden Gegner sich vereinigen konnten, musste Catilina mit dem Heere des Konsuls den Kampf wagen, wenn vielleicht Rettung möglich sein sollte. Er nahm bei Pistoria, im Anfang des Jahres 62, eine Stel- lung, in der die Übermacht der Gegner ihn nicht überflügeln konnte. Er kämpfte mit den Seinen als Verzweifelter. Aber der tüchtige Unterfeldherr des Antonius, Petrejus, der das konsularische Heer führte, da der Oberfeldherr angeblich fusskrank war, sprengte mit einer auserlesenen Schar des Feindes Mitteltreffen, und endlich konnte Catilina nur noch darauf denken, sein Leben so teuer als möglich zu verkaufen. Weit von den Seinen fand man ihn, als die Schlacht entschieden war, unter Haufen erschlagener Feinde, noch schwach atmend, im Antlitz den Ausdruck wilden Grimms, mit dem er gefochten. Keiner seiner Anhänger war geflohen. Fast jeder deckte den Boden da, wo er zuerst im Kampfe gestanden, die Wunden auf der Brust, umgeben von feindlichen Leichen. In die Freude der Sieger mischte sich die Trauer vieler, die unter den Erschlagenen ihre nächsten Verwandten und Freunde fanden.

Damit schliesst Sallust, es dem Leser überlassend, weitere Betrachtungen über das Schicksal eines Staates hieran zu knüpfen, dessen Glieder so sich selbst zerfleischten.