— 8—
Aus früher Jugend wird ihm ein strafbares Verhältnis mit seiner Schwester vorgeworfen, dann war er wegen Unzucht mit einer Vestalin, Fabia, der Schwester von Ciceros Gattin Terentia, angeklagt. Als die Sullanischen Achtungen die wildesten Leidenschaften entfesselten, war er unter den bereitesten Mordknechten des Diktators. Er leitete an der Spitze einer Schar gallischer Cornelier die Massenmorde. Sein eigner Bruder fiel unter seiner Mörderhand und wurde dann nach- träglich unter die Geächteten gesetzt, sein Schwager A. Caecilius wurds von ihm erschlagen, von ihm der greise M. Marius Gratidianus zu Tode gemartert. Seinem Gelüsten nach der reichen Aurelia Orestilla, an der kein anständiger Mensch etwas anderes als ihre Schönheit zu loben fand (Kap. 15), musste seine Gattin, und da jene um des erwachsenen Sohnes Catilinas wüllen sich noch weigerte mit ihm die Ehe zu schliessen, auch dieser zum Opfer fallen.
Solch verruchte Rücksichtslosigkeit würde nicht genügt haben ihn zum Haupte der Ver- worfenen und Verlorenen zu machen, wenn nicht hervorragende Eigenschaften des Körpers und Geistes geradezu Bewunderung abgenötigt und so ihm die Führung von Massen leicht gemacht hätten. Trotz aller Ausschweifungen vermochte sein eisenfester Körper Hunger und Durst, Hitze und Kälte, Nachtwachen und Anstrengungen jeder Art zu ertragen. Sein Mut schreckte vor keiner Austrengung zurück, und seine Hähigkeit sich in alle Verhältnisse zu schicken machte es ihm leicht, Menschen, besonders die Jugend, zu gewinnen, die er dann, indem er ihren Leidenschatten Nahrung bot, von Schuld zu Schuld zu führen und so immer fester an sich zu ketten verstand(Kap. 16).
Und wie wenige brauchte er erst schlecht zu machen, um ihrer sicher zu sein! War doch die ganze Gesellschaft so sittlich zersetzt, dass aus allen Ständen, Senatoren und Rittern wie heruntergekommenen Landleuten und ehemaligen Sullanischen Soldaten, denen das rasch gewonnene Gut ebenso rasch zerronnen war, die Genossen ihm zuströmten, sobald er die Aussicht auf Raub ihnen eröffnete.
Hierzu gab ihm seine Zurückweisung vom Konsulat im Jahre 66 die erste Gelegenheit. Zu den Verschworenen, die sich um ihn geschart, traten P. Autronius Paetus und P. Cornelius Sulla, die für 65 zum Konsulate gewählt, dann aber wegen nachgewiesener Bestechungen von der Anwartschaft zurückgewiesen waren. Am Tage ihres Amtsantritts, am 1. Januar 65, sollten die neuen Konsuln L. Aurelius Cotta und L. Manlius Torquatus ermordet, die ursprünglicu designierten mit der Konsularwürde bekleidet, Crassus mit der Diktatur betraut, Cäsar zu seinem Reiterobersten gemacht werden. Cn. Calpurnius Piso, ein ebenso thatkräftiger wie rücksichtsloser Mann, sollte nach Spanien abgehen, um dort eine Kriegsmacht für weitere Fälle zu sammeln und bereit zu halten. Der geplante Staatsstreich unterblieb, weil Crassus und Casar die ihnen zugedachte Rolle nicht durchführten. Der Zeitpunkt, vielleicht auch die Art der Ausführung schien ihnen wohl nicht, richtig gewählt; ihre ursprüngliche Beteiligung aber scheint zweifellos. War doch die geplante Staatsumwaälzung jedenfalls gegen Pompejus zu benutzen, dessen Sturz beiden am Herzen lag.
Auch ein zweiter, für den 5. Februar verabredeter Umsturzplan kam nicht zur Ausführung, angeblich weil Catilina das Zeichen zum Losschlagen zu früh gab. Nur die Absendung Pisos nach Spanien wurde durchgesetzt, und zwar unter gesetzlichen Formen, indem der Senat, um sich seiner in Rom zu entledigen, ihm die Provinz Spanien übertrug. Piso wurde dort von eingeborenen Reitern ermordet; aus welchem Grunde, ist unbekannt. Catilina aber gab seinen Plan Konsul zu werden nieht auf. Für 64 hatte ihn noch der schon erwähnte Repetundenprocess an der Bewerbung ver- hindert. Für 63 glaubte er des Erfolgs, zu dessen Erreichung er alles aufbot, sicher zu sein, als


