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Mischung den würdevollen Ernst des Archaismus, der aus altem Gebrauch erlesenen Wörter, Formen und Bedeutungen, mit Raschheit und feinem Korn des Vortrages, den er durch den Reiz gewählter Gräcismen und poetische Freiheit noch veredelt“.„In jeder Hinsicht war Sallust der erste Künstler in römischer Historiographie, der dem Thukydides mit Ehren in Tendenz und Geisterkenntnis sich vergleichen liess; wenn auch der attische Historiker in ruhiger Weisheit und Tiefe höher steht, so tritt doch der Römer im reflektierenden Ton, in sentimentaler Färbung und Raschheit der psychologischen Malerei den Modernen und ihrem Verständnis näher. Im übrigen war ein wesentlicher Teil der Differenz beider nicht weniger durch Nationalität als durch die Natur des Stoffes bedingt“.
Sallust gehört unbestritten zu den römischen Klassikern; höchstens bezüglich der Formen der Wörter werden Cäsar und Cicero ihm vorgezogen, deren Sprache sich frei hält von allem Alter- tümlichen. In der Art der Darstellung wie in dem streng sittlichen Geist, der seine Schriften durch- dringt, darf man ihn getrost über die beiden anderen stellen.
II. L. Sergius Catilina.
Die Schrift über die Catilinarische Verschwörung muss als Sallusts erstes Werk betrachtet werden, wie deutlich aus Kap. IV hervorgeht; an den Bericht darüber, was ihn veranlasst sich der Schriftstellerei zu widmen, Schliesst sich unmittelbar die Erklärung: Darum will ich über die Ver- schwörung des Catilina so wahrheitsgetreu als möglich kurz berichten. Neben dem ausgesprochenen Zweck, die furchtbare sittliche Verkommenheit seiner Zeit und die für den Staat daraus sich er- gebenden Gefahren zu schildern, leitet ihn offenbar die Absicht zu zeigen, dass Cäsar der rechte Mann war, den Staat zu retten. In ihm und Cato erkennt er die einzigen grossen Männer, welche Rom seit langem hervorgebracht.
Das abschliessende Urteil, das er in Kap. 54 über beide gibt, lässt uns wohl mit Recht annehmen, dass sie nicht mehr unter den Lebenden sind, während der Mangel scharfer Zeichnung Ciceros den Gedanken ebenso nahe legt, dass diesen sein Geschick noch nicht erreicht hat. Die Abfassungszeit fällt daher wohl zwischen den März 44 und den Dezember 43. Hieraus erklärt es sich auch, dass wir in Ciceros Schriften keine Erwähnung von Sallusts schriftstellerischer Thätigkeit finden.
Über Catilina ist uns etwa Folgendes bekannt. L. Sergius Catilina, geboren wahrscheinlich im Jahre 108 v. Chr., gehörte einer altadligen Familie an. Er rühmt sich(Kap. 31) seiner und seiner Vorfahren Verdienste um den Staat, der nicht etwa durch einen Fremdling, wie den Arpi- naten Cicero, gerettet zu werden brauche. Im Jahre 68 war er Prätor, im folgenden Jahre ver- waltete er als Proprätor die Provinz Afrika. Wegen Erpressungen in dieser Provinz angeklagt, musste er im Jahre 66 von seiner ersten Bewerbung um das Konsulat zurücktreten, setzte aber nun, nachdem es ihm durch Bestechung gelungen war, seine Freisprechung durchzusetzen, alle Hebel in Bewegung, sich an die Spitze des Staates zu bringen. Jedes Mittel war ihm dazu recht, ein Gewissen hatte er nicht mehr, alle Arten von Verbrechen waren schon von ihm geübt worden, und seine zerrütteten Vermögensverhältnisse trieben ihn zu rücksichtslosem Vorgehen, für das die verrotteten Zustände des Staates, die Verkommenheit seiner Zeitgenossen, unter denen er genug bereiter Helfer fand, ihm die günstige Gelegenheit boten.


