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Freigelassene bildeten bald als Diener und Lehrer, und in der Regel nicht mit reineren Sitten und besseren Grundsätzen, als man an den Herren bemerkte, die gewöhnliche Umgebung der jungen Römer. In begüterten Familien übernahmen dann Griechen den Unterricht, oder man schickte die reifere Jugend in ihre Schulen; die meisten waren knechtisch gesinnte Schmeichler, gewinnsüchtig und verschlagen“.„Sobald als möglich führte man den jungen Römer auf den Markt, damit er neben oder nach den Rhetoren(den Lehrern der Redekunst) die Redner hörte und mit den Gesetzen sich befreundete; man gab auch wohl am Schluss einer gerichtlichen Verhandlung ihm eine Rolle, durch seine Thränen einen angeklagten Vater zu retten. Er war Zeuge, wie man Lüge in Wahr- heit, Unrecht in Recht, Verbrechen in ruhmwürdige Thaten verwandelte, und umgekehrt, und er sollte eben diese Kunst sich aneignen; in seiner Gegenwart wurde ausgesprochen, was der Mann mit einigem Schamgefühl nicht ohne Erröten vernahm. Zuletzt sah er in der Cohorte das Ver- werflichste in der Wirklichkeit, die freche Willkür des Statthalters und der Unterbeamten, die Plünderung des Staates und der Unterjochten, den Scheinkrieg, die Verheerung des Nachbarlandes unter nichtigem Vorwande, wodurch man die Kasse füllte und mit Hilfe falscher Berichte den Triumph erschleichen wollte, den Wucher, die Schändung der Frauen und Jungfrauen und den Zwang, welchem man nach allen diesen Greueln Ehrenerweisungen und Belobung verdankte“. Man wird bei dieser Schilderung der römischen Verhältnisse jener Zeit unwillkürlich an das Bild erinnert, das in Schillers„Spaziergang“ vor dem inneren Auge des Dichters vorüberzieht, wenn er im Geiste den verkommenen Zustand eines Volkes schaut, das, nicht mehr gelenkt vom Zügel der Scham, der wilden Begierde jede Freiheit lässt, das von der heiligen Natur lüstern sich losgerungen: „Ach, da reissen im Sturm die Anker, die an dem Ufer Warnend ihn hielten, ihn fasst mächtig der flutende Strom; Ins Unendliche reisst er ihn fort, die Küste verschwindet, Hoch auf der Fluten Gebirg wiegt sich entmastet der Kahn; Hinter Wolken erlöschen des Wagens beharrliche Sterne, Bleibend ist nichts mehr, es irrt selbst in dem Busen der Gott. Aus dem Gespräche verschwindet die Wahrheit, Glauben und Treue Aus dem Leben, es lügt selbst auf der Lippe der Schwur. In der Herzen vertraulichsten Bund, in der Liebe Geheimnis Drängt sich der Sykophant, reisst von dem Freunde den Freund. Auf die Unschuld schielt der Verrat mit verschlingendem Blicke. Mit vergiftendem Biss tötet des Lästerers Zahn. Feil ist in der geschändeten Brust der Gedanke, die Liebe Wirft des freien Gefühls göttlichen Adel hinweg. Deiner heiligen Zeichen, o Wahrheit, hat der Betrug sich Angemasst, der Natur köstlichste Stimmen entweiht, Die das bedürftige Herz in der Freude Drang sich erfindet; Kaum gibt wahres Gefühl noch durch Verstummen sich kund. Auf der Tribüne prahlet das Recht, in der Hütte die Eintracht, Des Gesetzes Gespenst steht an der Könige Thron.“ In Rom gab es seit Jahrhunderten allerdings keine Könige mehr; es war die oberste Re- gierungsgewalt im Senat vertreten; aber es passt das Bild auch in seinem letzten Teil. Vom Senat


