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auch seine Teilnahme an den politischen Kämpfen in Hessen entsprang in erster Linie dem heissen Wunsche, die Sache der Schulreform môxglichst energisch und rührig zu vertreten. Dabei sorgte er fast väterlich für seine Lehrer, für die Besserstellung des Lehrerstandes in jeder Hinsicht hat er in Wort und Schrift stets lebhaft zu wirken gesucht.
Seine Arbeitskraft schien unerschöpflich, ausser seinen zahlreichen Amtern im Dienste der Schulen hat er noch stets Zeit gefunden, bedeutende pädagogische Werke und gute Schul- pücher auf fast allen Gebieten zu schreiben und Fachzeitschriften zu gründen und zu leiten. Und wie war nebenbei seine Zeit noch in Anspruch genommen durch Besprechungen über pädagogische Dinge und durch Anfragen von allen Seiten! So hatte er 2. B. auf Veran- lassung des Oberbürgermeisters von Cassel im Jahre 1840 ein Gutachten inbetreff der Er- richtung einer Blindenanstalt ausgearbeitet; auch hatte er es ein Jahr zuvor übernommen, be- hufs einer Kontrole der schulpflichtigen Kinder die Xufstellung eines vollständigen Verzeich- nisses derselben zu bewirken, was jedoch an der Mangelhaftigkeit der Einwohnerlisten scheitern musste. Als Vertrauensmann des kurzlebigen Märzministeriums in Kurhessen hatte er 1848 den Auftrag zur Revision des gesamten Schulwesens erhalten, auch konnte er schon im Jahre 1849 seinen neuen Schulgesetzentwurf vorlegen. Um ihn durchführen zu helfen, trat er den politischen Angelegenheiten näher; bei Aufstellung eines Wahlprogramms trat er in dem »Verein für Volksrechte« mit der Forderung:»Eine Viertelmillion für die Schule!« auf.
In reger Fühlung befand sich Gräfe auch mit allen bedeutenderen Pädagogen seiner Zeit. So erfahren wir von dem bekannten Hamburger Schulmanne Dr. I. C. Kröger, dass er ihm befreundet war und ihn in Jena aufgesucht hat, so stand er dem bedeutenden baye- rischen Schulrat Dr. J. B. Graser auch persönlich nahe. Auch mit Diesterweg, Scholz, Lüben, Schmicdt ist er bis ans Ende innig verbunden gewesen. Vor allem hat er mit dem Leipziger Bürger- und Realschul-Direktor Dr. C. Vogel vielfach in den Versammlungen der deutschen Realschulmänner geraten und gewirkt, wo er auch mit Prof. Tellkampf in Hannover und Prof. Dr. Kühner, damals in Saalfeld, zusammen wirkte.
Auf dem Gebiete des Real- und Bürgerschulwesens entfaltete sich auch sein reiches pädagogisches Wirken, sein grosses organisatorisches Talent. UÜberall, wo er zu wirken berufen war: in Jena, in Cassel und in Bremen hatte eer eine Schule neu einzurichten, und was er geschaffen hat, das war gut und bestand die Probe. Mit ganzem Herzen war er dem Volke zugethan und suchte für seine Bildung zu sorgen und zu schaffen. Dabei konnte jedoch seinem Scharfblicke die Thatsache nicht entgehen, dass seine Zeit für die Durchführung der liberalen Idee einer allgemeinen Volksschule chne irgend welche Tren- nung der Jugend nach Rang- und Vermõgensverhältnissen oder nach socialen Bildungsstufen nicht reif war. Darum ging überall sein Bestreben dahin eine Schule für den mittleren und höheren Bürgerstand einzurichten, d. h. diejenigen Volkselemente abzutrennen, die nur ein ge- ringes Bildungsbedürfnis kundgeben, und ferner diejenigen mit einer guten Bildung zu ver- schen, die über die mittlere Bildungsstufe hinaus strebten, ohne doch dabei der Grundlage einer gelehrten Bildung in den damaligen lateinischen Schulen zu bedürfen.
So wurde Heinrich Gräfe in der wichtigsten Zeit einer der gediegensten Vorkämpfer und Organisatoren der hôheren Bürger- oder Realschule, und die von ihm eingerichteten Realschulen haben sich bewährt und bestehen, natürlich mit einigen Abänderungen, bis heute noch. Während er in Jena in der von ihm eingerichteten Realschule das Lateinische zunächst noch fakultativ beibehielt und nur auf der hôchsten Klassenstufe die französische Sprache als


