Aufsatz 
Heinrich Gräfe : der erste Leiter der Oberrealschule zu Cassel / von Karl Knabe
Entstehung
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klar und deutlich kennzeichnete. So hat ferner Karl Christoph Schmieder, Inspector der Bürger- bezw. Real-Schule in Cassel vom 17. November 1815 bis zum 1. April 1843, schon 1800 ein Buch herausgegeben, in welchem er ausführlichüber die Einrichtung höherer Bürger- schulen handelte. Er unterscheidet darin ähnlich wie Direktor Schulze in dem neuesten Jahresberichte des französischen Gymnasiums zu Berlin(von 1895) drei Hauptstände in der menschlichen Gesellschaft, für die besondere Schulen gefordert werden.

Beide Männer werden jedoch bedeutend überragt von dem Nachfolger Schmieders, von dem Schulleiter, der die überlebten Schulverhältnisse in neue Bahnen lenkte, auf denen sie in erfreulicher Weise weiter schreiten konnten, von Heinrich Gräfe. Nicht nur auf dem Felde der Realschulsache hat dieser sich hervorgethan, sondern das gesamte Gebiet der Pädagogik hat er gründlich durchgearbeitet und manche Goldkörner gefunden. Dabei ist auch Gräfes Leben besonders interessant; spiegeln sich doch am Einzelleben deutlich die schweren Geschicke wieder, die das kurhessische Land zu ertragen hatte. Da Gräfe alles, was er angriff, gründlich betrieb, so finden wir ihn auch in den politischen Wirren, in die er aus Liebe zur Schule geriet, bald an der Spitze. Darum dürfte eine kurze Darstellung seines Lebens, Wirkens und Lehrens manchem nicht unwillkommen sein. Habe ich doch auch noch Männer gesprochen, die unter ihm Schüler und Lehrer gewesen sind; sie mõgen, so wünsche ich, das Bild, das ich zu entwerfen versucht habe, nicht!unähnlich finden.

Gotthilf Adam Heinrich Gräfe wurde am 3. März 1802 zu Buttstädt in Thü- ringen als Sohn eines Hutmachers geboren. Er besuchte die sog. lateinische Schule in seiner Vaterstadt und bildete sich durch Privatunterricht bei dem Kantor und Pfarrer des Orts so- weit vor, dass er im Jahre 1815 in die Sekunda des Gymnasiums zu Weimar eintreten konnte. Schon hier sprach sich seine Neigung zu dem Berufe eines Lehrers und Erziehers deutlich aus, und so finden wir ihn in den Jahren 1820 bis 1823 auf der Universität Jena nicht nur mit mathematischen und philosophischen, sondern auch mit eingehenden theologischen Studien beschäftigt, besonders weil er damals als Theologe am leichtesten in die Schulpraxis eintreten konnte. Nach bestandener Prüfung wurde er als Geistlicher ordiniert und in demselben Jahre 1823 als Collaborator an der Stadtkirche und dem Gymnasium zu Weimar angestellt. Bereits im Jahre 1825 wurde ihm das Rektorat der Stadtschule zu Jena übertragen, wo er in engem Verkehre mit Professor Brzoska sehr segensreich gewirkt hat. Er gestaltete die Schule, die in einzelne Lateinklassen zerfiel, in eine zusammenhängende Anstalt um, vereinigte mit ihr die Freischule und bildete so eine Bürgerschule mit 3 RKnaben- und 3 Mädchen- Klassen und einer Elementarklasse für beide Geschlechter. Am 5. Juli 1837 wurde auf Be- treiben der beiden Männer eine Realklasse zur Vorbereitung für künftige Handwerker, Kauf- leute, Künstler u. s. w. errichtet. Auch entstanden hier manche Schulbücher für den mathe- matischen und naturgeschichtlichen Unterricht, und viele pädagogische Werke und Zeitschriften gingen hier von Gräfe aus, während er auch zu seinen Hauptwerken in Jena den Grund legte. Im Jahre 1840 wurde er nämlich nach Brzoska's frühem Tode Professor der Pädagogik an der Universität Jena und hielt hier Vorlesungen, aus denen später seine»Allgemeine Pädagogik⸗« und»Die deutsche Volksschule« hervorgingen.

Am 1. April 1842 trat Gräfe das ihm übertragene Amt als Rektor der Bürgerschule in Cassel an, von der seit zwei Jahren eine Realschule in zwei Klassen abgetrennt worden