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vollkommen erhaltenem Gussmauerfundament noch mehrere Lagen der regelmässig geschichteten Obermauer vorhanden waren. Die Beschaffenheit des Mauerwerks, welches sich, wie mehrere quer gegen seine Flucht gezogene Versuchsgräben zeigten, in beträchtlicher Länge erstreckte, war ganz die bei massiven römischen Bauwerken übliche. Aber die Stärke schien zu gering, als dass wir an der Annahme hätten festhalten können, dass wir die Umfassungsmauer des Kastells vor uns hätten. War das aber nicht der Fall, so konnte das Gebäude, dem die Mauer angehörte, nur entweder das Prätorium sein, oder es musste ausserhalb des Kastells gelegen haben. Die erstere An- nahme war nicht sehr wahrscheinlich, da von der Mauer nach Süden das Feld sich ziemlich steil abdachte, wie auch die ganze„kleine Burg“ höher liegt als die jenseits der Strasse ihr ent- sprechende„grosse Burg“ was an sich schon Zweifel erweckt hatte, ob man an dieser Stelle wirk- lich das Kastell zu suchen habe.
Lag aber das Gebände ausserhalb des letzteren, so konnte es nach allen Analogien nur ent- weder hinter ihm oder zu seiner Seite liegen: wir mussten die Kastellmauer also entweder mehr östlich, nahe dem Dorfe, oder nördlich auf der„grossen Burg“ suchen. An beiden Stellen wurden daher, während gleichzeitig die ansehnliche Mauer des Gebäudes weiter blossgelegt wurde, an der Hand der Angaben, die uns die Ackerbesitzer über frühere Funde und unterirdisches Mauerwerk machten, Schürfungen vorgenommen, die zur Auffindung neuer Reste römischer Gebäude führten. aber unsere Hoffnung auf die Entdeckung sicherer Anhaltspunkte für die Lage des Kastells wieder täuschten. Mit dem zweiten Gebäude auf der„kleinen Burg“¹) waren wir bereits dicht an die west- lichsten Häuser des Dorfes gekommen; es wurde daher immer wahrscheinlicher, dass das ganze Kastell auf der höher gelegenen„grossen Burg“ zu suchen sei. Die Reste von 3 kleinen Bau- werken die wir dort auf dem Felde dicht westlich von den Obstgärten des Dorfes, von wo aus man einen freien Blick ringsum nach den Abhängen jenseits der Krebsbach hat, aufdeckten, ²) schienen zunächst die Möglichkeit nicht auszuschliessen, dass sie im Kastell gelegen hatten. Da aber ein 200 m lang, nach Westen und Osten über jene Reste hinaus fortgesetzter Versuchsgraben ebenso wenig auf die Fundamente der Kastellmauer führte, als ein senkrecht gegen ihn gerichteter. der nur dicht an den Häusern des Dorfes wieder Trümmer kleiner Gebäude mit zahlreichen Ziegel- und Sigillatastücken und tiefem Brandschutt zeigte, so sahen wir uns genötigt, mit unseren Nach- forschungen nach der Kastellmauer uns immer mehr dem Dorfe selbst zu nähern. Bereits war es klar, dass die„kleine Burg“ und„grosse Burg“ ihren Namen nicht, wie die„Altenburg“ bei Rückingen und wie das Dorf Grosskrotzenburg, von den Resten des Kastells erhalten haben, son- dern von den Trümmern der hinter diesem liegenden bürgerlichen Niederlassung. Dass diese sich auch über den Teil des Dorfes erstrekt hatte, welcher sich zu beiden Seiten der Windecker Strasse über die alte Ortsbefestigung hinaus nach Westen ausgedehnt hat, das zeigten die Angaben der Besitzer dieser z. T. neuerbauten Häuser über die Auffindung von Mauern, Gefässscherben und anderen Antikaglien bei der Fundierung jener Häuser. Wir konnten noch zwei bei dieser Gelegen- heit ausgegrabenen Münzen, einen Sesterz des Marc Aurel und einen des Severus Alexander, für das Vereinsmuseum erwerben.
Abgesehen von dieser„Vorstadt“ bildet das alte Dorf einen festgeschlossenen fast qua- dratischen Häuserkomplex und seine breiten, geraden Strassen geben ihm ein fast städtisches Aus- sehen, welches noch vermehrt wird durch die es mit Ausnahme des vorher erwähnten Teils noch
¹) Vgl. Taf. IV, d. ²) Vgl. Taf. IV, e, g, h.


