Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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haltbar beseitigen zu müssen; umso mehr fühlen wir uns verpflichtet hervorzuheben, dass nach dem Terrainverhältnissen die Annahme des genannten Forschers einen hohen Grad von Wahrschein- lichkeit hatte, und dass wir selbst von ihrer Richtigkeit überzeugt waren, bis die Ergebnisse unserer Ausgrabungen uns nötigten, dieselbe aufzugeben.

Der Flecken Marköbel liegt nahe der preussisch-hessischen Landesgrenze auf dem östlichen Vor- sprung des plateauartigen Höhenzuges, welcher sich zwischen den Thälern der Nidder einerseits und des Mains und der Kinzig andererseits von Bornheim bei Frankfurt in nordöstlicher Richtung hinzieht und durch das Thälchen des Krebs- oder Köbelbachs von den schrofferen Höhen getrennt ist, die der Vogelsberg bis hierher als äusserste Vorposten in die Wetterau vorschiebt.) Die Gic!) Krebsbach geht hier im rechten Winkel aus ihrer östlichen Richtung in eine südliche über und umströmt das Dorf im Norden und Osten, während nach Süden dasselbe sich zu einem nach der Krebsbach sich öffnenden Wiesenthälchen abdacht. Genau auf diesem halbinselartigen Vorsprung des Plateaus und das Dorf führt der unter dem Namen Hochstrasse bekannte von der Römerstätte Heddernheim über Bergen immer auf der Höhe nach NO. führende alte Weg, dessen römischer Ursprung in seinem westlichsten Teile mit Sicherheit nachgewiesen ist, und den man längst als eine von jenem Centrum der römischen Ansiedelung nach der Grenze führende Militärstrasse anzusehen ge- wohnt war.

Wenn frühere Forscher, unter ihnen v. Cohausen, angaben, die Hochstrasse endige bei Marköbel, und zum Teil daraus die Schlussfolgerung zogen, es müsse dort ein Kastell gelegen haben, so ist dies nicht begründet. Vielmehr führt noch ein jenseits des Thals in der Richtung der ge- nannten Strasse über die Höhen südlich von Langenbergheim nach Büdingen sich hinziehender alter Weg den gleichen Namen, ohne dass man dadurch sich genötigt sehen muss, die Grenze weiter nach Osten vorzuschieben, wie es bekanntlich ältere Lokalforscher gethan haben. Denn es ist unzweifelhaft, dass die zu den Grenzkastellen führenden Strassen sehr häufig mit Verkehrs- wegen der Barbaren zusammenstiessen, und dass die Kastelle z. T. als Sperrforts für solche alte die Grenze schneidende Wege dienten, wie auch umgekehrt die Römerstrassen im späteren Mittel- alter benutzt und selbstverständlich über die nicht mehr gültige Grenze hinaus fortgesetzt wurden.

Verlängert man nun die heutige von Windecken nach Marköbel führende Landstrasse, von der man annimmt, dass sie in ihrem letzten Abschnitt westlich vom Dorfe der Hochstrasse genau entspricht, durch das letztere hindurch nach Osten, so trifft man in der östlichen Ausbiegung der Krebsbach auf den Punkt, wo die Verlängerungen der beiden südlich und nördlich bekannten Pfahlgrabenabschnitte im stumpfen Winkel auf einander stossen.²) An demselben Punkte aber kreuzen sich noch heute zwei Strassen, und auf ihm trifft endlich auch der obengenannte als Hochstrasse nach Osten führende alte Weg. Nehmen wir dazu, dass die Entfernung zwischen Rückingen und Mar- köbel die für den Abstand der Limeskastelle in unserer Gegend normale von 8 km ist, so wäre auch ohne bestimmte Anzeichen von der früheren Anwesenheit der Römer in der unmittelbaren Um- gebung von Marköbel die Annahme, dass dort ein Kastell gelegen habe, sehr begründet gewesen.

Nun fehlte es aber auch nicht an solchen Anzeichen, wenn sie auch bisher sehr unbedeutend und wenig beachtet gewesen waren, viel unbedeutender als bei irgend einem anderen der in der Wetteran und am Main nachgewiesenen oder angenommenen Kastelle. Duncker wusste im Jahre 1879 nur, dass auf dem Felde in der Nähe des Dorfes eine Merkurstatuette und im Garten

¹) Vgl. das Übersichtskärtchen Taf. II und den Dorfplan Taf. IV. ²) Vgl. Taf. IV, XI.