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IV. Das Kastell Marköbel.
Nördlich von der Kinzig sind die Verhältnisse für die Erhaltung des Pfahlgrabens äusserst, ungünstig gewesen. Auf einer Strecke von 9 Kilometer findet sich hier in der Verlängerung des erhaltenen und beschriebenen Abschnitts zwischen Main und Kinzig kein zusammenhängender Wald. Man war daher auf Ackergrenzen und Flurnamen angewiesen, wenn man die letzten verschwin- denden Spuren von Wall und Graben aufsuchen wollte, unsichere Anhaltspunkte, die auch hier auf Irrwege geführt haben, indem man Reste mittelalterlicher Landwehren mit denen des Limes ver- wechselte und sich dadurch zu der Annahme verleiten liess, dass derselbe von seiner bisher einge- haltenen süd-nördlichen Richtung nach Westen und Osten in Zickzacklinien abgewichen sei, um dann in der Nähe von Marköbel das gut erhaltene Stück zu erreichen, welches von Altenstadt bis 1800 m nördlich von dem genannten Dorfe schnurgerade von NW. nach 80. verläuft.¹) Die Begehung vom Jahre 1881 hat jeden Zweifel darüber beseitigt, dass die bereits von Oberstlieutenant Schmidt aufgestellte Ansicht, der Pfahlgraben habe auch nördlich der Kinzig die geradlinige süd-nördliche Richtung noch 8 Kilometer weit beibehalten und erst unmittelbar östlich von Marköbel, wo mit Rücksicht auf die Entfernung von Rückingen und Altenstadt ein Kastell anzunehmen sei. ein stumpfwinkliges Knie gebildet,²) die richtige ist. Die geringen, aber durch ihr Zusammenstimmen immerhin wichtigen Anhaltspunkte, die uns bei der Begehung alte Wege und Ackergrenzen bieten, findet man bei v. Cohansen zusammengestellt.“) Von einem Zwischenkastell ähnlich dem am „Neuwirtshaus“, sowie von den Wachttürmen und dem sie verbindenden Wege haben sich weder damals noch in der Zwischenzeit bis heute die geringsten Spuren gefunden. Die seit vielen Jahr- hunderten stattgehabte Bestellung des Feldes hat dieselben ebenso wie die des Walles selbst verwischt.
Wir wenden uns daher zum Kastell Marköbel, dessen uns gelungene Nachweisung die Rich- tigkeit der früheren Annahme im Ganzen bestätigt, zugleich aber wiederum den Beweis geliefert hat, dass ohne Ausgrabungen eine Sicherheit in diesen Dingen, zumal in Beziehung auf die Detail- fragen, selbst bei den scheinbar untrüglichsten Anhaltspunkten nicht zu gewinnen ist.
Gerade hier sehen wir uns in die leidige Notwendigkeit versetzt, fast alles, was v. Cohausen über die Lage des Kastells und seine Entfernung vom Pfahlgraben sagt, als un-
¹) Vgl. Duncker Beiträge S. 45. ²) Vgl. Schmidt, Lokaluntersuchungen über den Pfahlgraben. Nass. Ann. Band VI, S. 136 ff. ³) Der römische Grenzwall S. 48 ff.


