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Truppen überschauen und Ansprachen an sie halten konnte. Herr v. Cohausen nennt die Vor- vauten auf der Saalburg und in Niederbiber Türme und vergleicht sie mit mittelalterlichen Burg- frieden. Mir scheint es, dass beide Zwecke sich recht wohl vereinigt halten lassen: Türme nach aussen, Exedren nach innen; daher der Abschluss nach der ersteren Seite, die Öffnung nach der anderen. Unser Vorbau entspricht dem halbrunden von Mainhard(5,80: 10 m) und dem viereckigen der Saalburg(6:7 m im Lichten) an Ausdehnung fast genau, steht dem von Niederbiber(10:12 m) dagegen nach. Auch beim Prätorium in Wörth(9 m Länge bis zum Scheitel und 6,90 m Breite) erhalten wir nach Abzug der Mauerstärke gleiche Masse wie beim unsrigen. Die Breite der Lang- bauten und die Dicke der Mauern stimmt bei allen genannten mit Ausnahme des zu Wörth, wo sie 8 m breit sind,¹) vollständig überein. Bei keinem der Prätorien finden sich Räume, die als Wohnung des Kommandanten oder der Offiziere zu denken wären, sondern alle Funde weisen darauf hin, dass die überdeckten Seitenhallen als Aufbewahrungsräume für Feldzeichen, Waffen, Gerätschaften und Götterbilder dienten. Bei unserem Kastell spricht dafür zunächst das vollkom- mene Fehlen aller Reste von Gebrauchsgefässen, während sich dieselben ausserhalb des Prätoriums nach allen Seiten in grosser Menge im Bauschutt der Häuser gefunden haben. Gefunden wurden dagegen in einem vertieften Raume der Südfront eine Anzahl zusammenliegender eiserner Gerät- schaften, an einer anderen Stelle der Kopf einer kleinen weiblichen Statuette, dicht vor dem nörd- lichen Langbau der Sockelstein eines grossen Denkmals unbekannter Beschaffenheit und ebendort die einzige grössere Inschrift, offenbar öffentlichen Charakters, auf die ich noch zurück komme.
Charakterisieren sich demnach die den Hof umschliessenden schmalen Gebäude als Sacellen und Zeughäuser, so ist, wenn wir an die eigentliche Bedeutung der Prätorien schon in klassischer Zeit denken, sicherlich Dorows Ansicht nicht zu verwerfen, dass der centrale Hof als Versamm- lungsraum für die Besatzung behufs Anhörung einer Ansprache des Kommandanten und— füge ich hinzu— zugleich als der einzige innerhalb des Kastells vorhandene Exerzierplatz zu be- trachten sei.
Ob unser Prätorium auf der östlichen Seite einen dem westlichen entsprechenden turmarti- gen Abschlussbau haben sollte, muss, da diese Seite nicht ausgebaut ist, ebenso unentschieden bleiben, wie umgekehrt die Frage bei dem Niederbiberer Kastell, da bei diesem die einzige Lücke in Hundeshagens Aufnahme gerade an der Stelle sich bemerklich macht, wo nach Analogie unseres Rückinger Prätoriums die Exedra anzunehmen wäre.
In dem Raum zwischen dem Prätorium und der Porta decumana, wo nach der üblichen An- nahme die Magazine und andere grössere Bauwerke lagen, haben wir zwar ausgedehnte Estrich- flächen und Andeutungen von Trockenmauern aber keine bestimmten Fundamentfluchten mehr fin- den können, da die leichter erreichbaren Mauern sämtlich nach Rückingen gewandert sind. Nur nahe der Südostecke lag dicht an der Via angularis ein in seinen Fundamenten noch ziemlich er- haltenes kleines Bauwerk, welches von sachkundiger Seite als Backofen bezeichnet wurde. Auf einer 5 m langen und 3 m breiten Unterlage von starken Basalthausteinen befand sich ein Lehm- schlag von 20 cm Stärke, neben dem nach S. und N. sehr reichlicher Brandschutt untermischt mit Sigillatascherben und Resten von Amphoren, Reibschalen und anderen grossen Gebrauchsgefässen lag. Ist die ausgesprochene Vermutung begründet, so spricht dies dafür, dass auch in unserem Kastell der hinterste Teil des Raumes vorwiegend der Verpflegung der Truppen gewidmet war.
Am wenigsten Aussicht war vorhanden, in der Prätentura noch ansehnlichere Gebäude-
¹) Vgl. Conrady a. a. 0. S. 275


