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trümmer zu finden, da hier nach der allgemein giltigen Ansicht nur Soldatenquartiere anzunehmen waren. Aber noch in den letzten Tagen unserer Ausgrabungen machten wir eine überraschende Entdeckung, die wieder zeigt, wie wir bei aller Schablonenhaftigkeit der militärischen Anlagen der Römer uns doch immer noch auf Ergebnisse der empirischen Forschung gefasst machen müssen, die alle auf Analogie gegründeten Voraussetzungen über den Haufen werfen und andererseits neue Analogieen begründen, deren Berücksichtigung früher unbeachtet gebliebene Erscheinungen erst richtig zu würdigen und zur Aufklärung bisher dunkler Punkte zu verwerten lehrt. Wir stiessen nämlich im südlichen Quartier der Praetentura zwischen der Porta praetoria und der Porta princi- palis dextra auf ein in seinen Fundamenten vollkommen erhaltenes Hypokaustum, den Luftheizungs- raum eines grösseren Gebäudes, dessen Ausdehnung durch einen an das Hypokaustum sich an- schliessenden Estrichboden aus Kalk und Ziegelstücken zu erkennen war. Am Rande des letzteren fanden sich die Reste der ausgebrochenen Trockenmauern welche zeigten, dass das ganze Gebäude seine Front nach Westen parallel der Via principalis hatte.
Eswar uns bis dahin nur ein einziger Fall bekannt, wo ein grosses massives Gebäude mit Hy- pokaustum und halbrunden Baderäumen im Innnern des Kastells nachgewiesen war, in dem er- wähnten Castrum von Niederbiber bei Neuwied, und dort hatte dieses Haus, welches Dorow als Wohnung des Präfekten und des Quästors bezeichnet, dieselbe Lage im südlichen Quartier der Praetentura.¹) Auch auf der Saalburg liegt der einzige mit Hypokaustum versehene Raum des Kastells, das kleine Bauwerk, welches v. Cohausen als Badeanstalt bezeichnet in der Praetentura nahe der Porta praetoria.“) In demselben Teile des Kastells aber fanden wir in Grosskrotzenburg einen dem Rückinger ganz gleichen Estrichboden in einem Bauernhofe, neben welchem unter dem Boden der Nachbarscheune zahlreiche mit dem Stempel der Coh. IV Vind. versehene quadrat- förmige Ziegel gefunden worden sind, wie sie regelmässig zum Aufbau der Hypokausträume ver- wendet wurden.*¹) Dieser uns seiner Zeit auffällige Fund findet jetzt durch die Analogie des Rückinger Hypokaustums seine Erklärung, wie andererseits das bisher vereinzelte Vorkommen eines Hypo- kaustums in der Praetentura des Neuwieder Kastells durch unsere Funde weniger abnorm erscheint. Unser Hypokaustum war ein gegenüber dem nach N., S. und O. sich etwa 30 cm unter der Ober- fläche in einer Länge von 16 und einer Breite von 10 m ausbreitenden Estrichboden aus grobem Opus signinum um 70 em vertiefter quadratförmiger Raum von 5 m Seitenlänge, der von 0,60 m dicken Mauern aus Basaltsteinen und reichlichem Mörtel umgeben war, und dessen Boden durch einen auf Basaltbruchsteinen gebetteten sehr harten und groben Estrich gebildet wurde.
Der ganze vertiefte Raum zeigte auf dem Fussboden zunächst eine Lage russartiger Kohlen- reste, darüber einen aus Ziegelstücken, verwitterter Ziegelmasse, feineren Estrichbrocken und Erde gemischten Bauschutt, in dem sich ausserdem Nägel, Eisenstücke und römische Gefässreste fanden. Die Ziegel waren teils ganz erhaltene quadratförmige Platten von 20 cm Länge und Breite, die bekanntlich zur Ausführung der Hypokaustpfeilerchen verwendet wurden, teils Bruch- stücke von gressen Deckplatten, auf welchen Estrichstücke aus feinerem Opus signinum festsassen. teils endlich auch solche von Hypokaustkacheln. Nur einzelne Stücke von Dachziegeln fanden sich. die ebenso wie die Gefässreste und Eisenstücke aus den oberen Räumen in das Hypokaustum hinabgestürzt waren, nachdem dessen Decke zerschmettert war, und überdies der Raum beim Ab- tragen der Obermauer z. T. durchwühlt worden war.
¹) Vgl. Dorow, Römische Alterthümer in und um Neuwied S. 41 ff. ²) Vgl. Der römische Grenzwall S. 110. ³) Vgl. Das Römerkastell und das Mithrasheiligthum zu Grosskrotzenburg am Main S. 20.


