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mente der Stein- oder Holzsäulen gefunden, welche, 24 an der Zahl, das Gesimse und Dach des 2,50 m breiten, im Ganzen 65 m langen Säulenganges trugen. Auf einer Seite im Hofraum fand sich ein 12 m tiefer Schacht b, wahrscheinlich um als Impluvium zur Aufnahme des Regenwassers zu dienen.
In der Säulenhalle der Westseite stiess man auf quadratische Postamente, welche dem hin- teren Gebäude symmetrisch eingefügt waren und welche, wie man vermutet, Götter- oder Kaiser- statuen trugen. Da aber Kaiserstatuen in hiesiger Gegend nie gefunden worden sind, so ist letzteres unwahrscheinlich, nnd von höheren Wesen, nach der Häufigkeit der Dedikationen Jupiter und Juno am wahrscheinlichsten, wenn nicht auch der Genius Loci eine Berücksichtigung gefun- den hat. Diesen Postamenten gehören wahrscheinlich auch die schweren Sandsteinquader an. welche man im Atrium fand und von denen drei 1,56 bis 2 m lang, als Treppentritte im Museum- hof aufbewahrt werden. Die Statuen würden jedoch nicht in den Zwischenräumen, sondern hinter den Säulen des Atriums gestanden haben!?
In dem hinteren Gebäude sind sechs Räume, in deren mittlerem 6 à 5 m grossen wir den Okus oder Speisesaal erwartet hätten, statt dessen in der Mitte einen Wasserbehälter von 1,62 ins Geviert, mit Ziegelmörtel verputzt fanden. Keiner dieser Räume war durch Hypokausten erwärmt.“
Wir sehen, wenn wir die in den Ausdrücken Atrium und ékus liegende Beziehung zum römischen Haus weglassen, so bleibt auch hier ein von schmalen Säulenhallen umgebener offener Hof, der nur nach einer Seite, hier nach der Porta praetoria hin, eine massive Facade mit ge- schlossenen kleinen Räumen hat, die durch nichts auf die Bestimmung hinweisen, als Wohnräume zu dienen, dagegen auch darin mit unserer Façade übereinstimmen, dass sie keine Ausgänge nach dem Thor hin haben, und dass nach dem Hof hin sich vor dem Hauptbau die Postamente zweier grossen Statuen fanden, welche den mittleren Teil des ganzen Langbaus flankieren, in dem wir ein dem sog. Ökus der Saalburg und unseren Absiden entsprechendes Bauwerk zu erkennen haben.
Dass auch bei unserem Prätorium der weitaus grösste Teil des Raumes einen geräumigen offenen Hof bildete, ist nach der Beschaffenheit der untersuchten Bodenschichten unzweifelhaft. Von inneren Mauern ist keine Spur vorhanden, ebenso fehlt der Brandschutt im Innern vollkommen. Nur am südlichen und östlichen Rande, in der Zone, wo wir einen abschliessenden Langbau nach Analogie des Niederbiberer Prätoriums annehmen mussten, findet er sich nebst gebrannten Thon- und Lehmmassen, offenbar als Andeutung der ehemals hier vorhandenen leichtgebauten bedeckten Räume.
Fassen wir das Gesagte nochmals zusammen, se erhalten wir für den von den Strassen um- grenzten Raum, den wir als Prätorium bezeichnen, eine fast vollkommene Analogie zu den Präto- rien von Niederbiber, Wörth und Mainhard, und bis zu einem gewissen Grad auch zu dem Saalburg- Prätorium, wenn wir bei diesem einfach auf das thatsächlich Nachgewiesene Rücksicht nehmen. An allen 4 Stellen sehen wir einen fast quadratischen Komplex hallenartiger Gebäude einen geräumigen offenen Raum umgeben. Die Ausdehnung ist der Grösse der Kastelle entsprechend wenig verschieden: 45:45 m in Rückingen, 40:30(letzteres unbestimmt) in Wörth, 45:60 auf der Saalburg, 55:58 in Niederbiber, am geringsten, 26, 27:30, 75 m, in Wiesbaden. Alle Gebäude haben an der einen Seite, teils nach der porta decumana, teils nach der Porta praetoria hin, eine Hauptfacade mit einem auf starken Fundamenten ruhenden offenbar erhöhten Hauptbau, der in Rückingen nnd Niederbiber übereinstimmend die Gestalt einer halbrunden Exedra hat und dem entsprechend von Dorow als Standort des Kommandanten betrachtet wird, von dem aus er die im Hofe aufgestellten


