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gehört habe. Der Widerspruch, den diese von ihm in der erwähnten Publikation ausgesprochene Ansicht fand, veranlasste ihn, im Jahre 1879 eine Ausgrabung nördlich vom Römerbad vorzu- nehmen, bei der er wirklich massives Gussmauerwerk fand, aber leider in einem so zerstörten Zu- stand, dass es ihm um so weniger gelang, eine Fundamentflucht und Anhaltspunkte für die Be- stimmung der Lage und Grösse des mit Recht angenommenen Kastells zu finden, da er an der Annahme festhielt, das sog. Römerbad habe im Kastell gelegen. ¹)
Nun sind gerade im Laufe der letzten Jahre ausserhalb der aufgedeckten Kastelle eine ganze Reihe solcher grosser massiver Gebäude gefunden worden, die unzweifelhaft zu dem Kastell selbst gehörten und von den Forschern bald als Bäder, bald als eine Art Officierskasino, bald endlich als die Villa des Kommandanten bezeichnet worden sind. ²)
Auch in Grosskrotzenburg waren nahe der Südwestecke des Kastells ausserhalb desselben die Reste eines solchen Baus gefunden. der von den Bewohnern ebenfalls für ein Römerbad gehal- ten worden war. Diese Beobachtung in Verbindung mit der mittlerweile von uns ermittelten ge- nauen Lage des Limes und die wiederholte Untersuchung des in Betracht kommenden Terrains hatten in mir bereits vor drei Jahren die Uberzeugung erweckt, dass auch unser Römerbad nicht im Kastell sondern vor einem seiner Thore gelegen habe, und dass die Reste des ersteren auf dem Felde zwischen dem Haus und der Leipziger Strasse zu suchen seien.
Die Gründe für diese Annahmen waren in Kürze folgende: Da, wo von der Leipziger Strasse ein Fusspfad am Römerbad vorüber direkt nach dem Dorfe führt,¹) biegt die Strasse von ihrer bisher konsequent eingehaltenen nordöstlichen Richtung im stumpfen Winkel nach Norden eab, um nach Überschreitung des Langewassergrabens in 150 m Entfernung wieder in die alte Rich- tung überzugehen. Die Abbiegung ist in keiner Weise durch die Terrainverhältnisse bedingt. An dem zweiten Knie aber fällt es auf, dass der Acker an der südlichen Seite mehr als einen Meter höher liegt als an der nördlichen. Von dieser Stelle an macht sich in einer fast genau nach S. gerichteten Linie bis zu dem genannten Pfade eine Abböschung des Feldes nach Westen bemerklich, der in etwa 200 m Entfernung eine parallele Abböschung noch Osten entspricht. Da nun auch nach der Strasse und dem Fusspfade hin sich das Feld kaum merklich abdacht, so stellt sich das ganze Terrain zwischen beiden als eine länglich rechteckige Plattform von etwa 150 m Breite und 200 m Länge dar. Ihre Längenaxe liegt fast genau in der Verlängerung der ursprünglichen Richtung der Leipziger Strasse und schien den Pfahlgraben, der in 400 Schritt Entfernung von der östlichen Böschung von S. nach N. streicht, senkrecht zu treffen.
Dies waren die Anhaltspunkte, auf die gestützt wir im August des Jahres 1883 die Aus- grabungen begannen. Wir nahmen an, dass die westliche Böschung die westliche Schmalseite des Kastells andeute, auf deren Mitte, wo das Hauptthor des Kastells, die Porta decumana, anzunehmen war, die Römerstrasse, welche das Kastell mit den Ansiedelungen bei Hanau verband, und die der heutigen Leipziger Strasse in ihrer Lage und Richtung fast genau entsprach, senkrecht zu
¹) Vgl. Mitteilungen an die Mitglieder des] Vereins für hess. Geschichte- und Landeskunde 1879, II. Heft S. 14. ff.
²) Vgl. Duncker, Beiträge Taf. II, 47. v. Gohausen, der römische Grenzwall. S. 46 u. a. O. Eine Zu- sammenstellung der publizierten Grundrisse findet sich a. a. O. Taf. VII. Vgl. auch Conrady, Westdeutsche Zeit- schrift III, III, 270 ff.
³) Vgl. Taf. III, XIII.


