Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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III. Das Kastell Rückingen.

Wenn man auf der Leipziger Strasse, welche Hanau mit Rückingen verbindet, bis zu der Stelle gelangt ist, wo sie den Hochwald verlässt, so sieht man rechts und links zunächst niedrige Tannen- pflanzungen der Gemeinde Langendiebach, die erst im letzten Jahrzehnt an Stelle ehemaliger Wüs- tungen getreten sind.¹) Auf diesen Wüstungen waren seit alter Zeit römische Gräber gefunden, und besonders an der nördlichen Seite der Strasse im Jahre 1872 das grosse zusammenhängende Totenfeld ausgegraben worden, welches in einer Publikation des Hanauer Vereins vom Jahre 1873 beschrieben ist.²) Weiterhin nach Rückingen, welches in der Verlängerung der hier schnurgerade nach NO. streichenden Strasse sich in der Ferne zeigt, ist das Feld von Gefässtrümmern und an- deren Resten bedeckt, die in Verbindung mit vielfachen Münzfunden und den Mitteilungen der Dorf- bewolmer über früher ausgebrochenestahlharte Mauern bewiesen, dass hier römische Gebände ge- standen haben. Am südlichen Rande dieses Felddistrikts, der den bezeichnenden NamenAlten- burg mit den Stätten der Römerkastelle bei Walldürn, Niederbiber u. a. teilt, waren denn auch bereits im Anfange dieses Jahrhunderts vom Fürsten Karl von Isenburg-Birstein die Reste eines grossen römischen Hauses mit zahlreichen rechteckigen Gemächern und daran stossenden halbkreis- förmigen Nischen aufgedeckt worden, welches von den Lokalforschern als Römerbad bezeichnet wurde und diesen Namen bis heute im Volksmunde bewahrt hat. Es gehören diese Reste zu den interes- santesten römischen Ruinen, die auf der rechten Seite des Rheins erhalten sind, indem sie nicht nur den ganzen Grundriss des Gebäudes noch klar erkennen lassen, sondern auch, da mehrere Lagen der Obermauer über dem Fundamentsockel erhalten sind, einen Einblick in die technische Ausführung dieses massiven Bauwerkes gestatten.)

Das Vorhandensein eines so stattlichen Gebäudes in unmittelbarer Nähe der Stelle, wo seiner Ansicht nach der Pfahlgraben die Kinzig erreicht haben musste, veranlasste Duncker zu der An- nahme, dass es das Prätorium eines Römerkastells gewesen sei, zu dem das aufgedeckte Totenfeld

¹) Vgl. Taf. III.

²) Das Römerkastell und das Totenfeld in der Kinzigniederung bei Rückingen. Mitteilungen des Hanauer Bezirksvereins für hessische Geschichte und Landeskunde Nr. 4, Hanau 1873.

³) Vgl. Taf. III, Fig. 4. Der Grundriss wurde zuerst publiziert in der Zeitschrift der Provinz Hanau herausg. v. K. Arnd I, 3. Heft S. 197 ff. 1838: Die Römer und deren Denkmäler im Kinzigthal von Finanzkammerdirektor Schle- reth. S. 207 fl. Darnach haben Duncker, Römerkastell Taf. VI, III und v. Cohausen, der römische Grenzwall in Deutschland, Taf. LII ihn gegeben. Unsere Zeichnung beruht auf einer neuen Aufnahme des Herrn Architek-

ten v. Rössler.