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Nachstehende Tabelle ergibt für einige Kastelle die nach denselben Grundsätzen ermittelte grösste und kleinste Belegung:
Fläche des Belegung Umfang— Kastell Kastells Lager- maximale minimale dm raums
am am Mann Mann
Niederbieber 920 50925 18000 6900 800
Saalburg 740 32600 10650 4080 600
Rückingen 640 25200 9800 3750 500 Gosskrotzenburg 600 21850 2 2800 500 ¹)
Wörth*) 361 7680 2 985 325
Aus diesem Ergebnis unserer Berechnung dürfte, unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die um 200 n. Ch. in Obergermanien stationierten beiden Legionen als mobile Armee für die Okkupation dieser fast 40 geographische Meilen langen Provinz wohl soeben nur ausreichend waren, mit einiger Wahrscheinlichkeit rückwärts zu schliessen sein, dass die zu jener Zeit daselbst vor- handenen Hilfstruppen mindestens 20000 Mann stark sein mussten, um den Grenzwall mit seinen 40 Hauptkastellen noch besetzen zu können.
Schliesslich möchten wir noch bemerken, dass sich bei dieser Gelegenheit die Vermutung auf- drängt, dass man die Kastelle der Main-Neckarlinie, welche ziemlich gleichmässig einen Umfang von durchschnittlich 300 m hatten, der Cohors quingenaria— wenn wir uns so ausdrücken dürfen — auf den Leib baute, nachdem man bei den älteren Kastellen die Erfahrung gemacht hatte, dass sie hinsichtlich ihrer Grösse unbequem wurden, zu Zeiten in denen nur wenig Truppen für die Be- setzung dieser Provinz verfügbar waren.
Gehen wir nunmehr zu den Zwischenkastellen und den Türmen über, so ist hinsichtlich der ersteren zunächst zu bemerken, dass dieselben wohl nur in Friedenszeiten zum Zweck einer be- quemeren und kräftigeren Handhabung des Grenzwachtdienstes besetzt waren, zu Kriegszeiten da- gegen aufgegeben wurden. Befestigungen wie das Zwischenkastell Neuwirtshaus konnten unmög- lich für den grossen Krieg irgend welche Bedeutung haben, da dieselben nicht nur jeder Offensiv- kraft entbehrten, sondern auch leicht einzunehmen waren; es müsste desshalb vom militärischen Standpunkt aus als fehlerhaft bezeichnet werden, wenn die betreffenden Besatzungen, die man in den Hauptkastellen bei Weitem besser verwerten konnte, in solchem Falle nicht eingezogen wurden.
Da diese Befestigungswerke nur so viel Truppen aufnehmen konnten, als zur Verteidigung derselben erforderlich waren, so ist die Stärke ihrer Belegung unter Anwendung des obenerwähn- ten Verfahrens nach der Grösse des Lagerraums bezw. nach der Gesamtfläche des Kastells leicht und mit hinreichender Genauigkeit zu bestimmen.
¹) Selbstverständlich sind hierbei nicht die oben angeführten aussergewöhnlichen Zwecke dieses Kastells be- rücksichtigt worden.
²) Das Kastell Wörth gehörte zur Main-Neckarlinie.(Conrady: Zur Erforschung des römischen Limes mainabwärts von Miltenberg. Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst III, III.)


