Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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kennen, dass diese Türme sehr klein sein mussten, um den Wallgang nicht übermässig zu beengen, und dass selbst die kleinsten derselben in ihrem zweiten Stockwerk noch genügenden Unterkunfts- raum für eine auf je 4 Mann anzunehmende Belegung boten, da ja nur ein Teil dieser Mann- schaften gleichzeitig ruhte, während die übrigen auf Posten standen.

Besass ein Kastell keine Mauertürme, so können wir annehmen, dass an deren Stelle höl- zerne Wachthäuschen auf dem Wallgang errichtet waren, denn abgesehen davon, dass die Wacht- mannschaften jedenfalls in irgend einer Weise vor den Unbilden der Witterung geschützt sein mussten, weist auch der von Herrn Dr. Wolff weiter unten näher beschriebene in Marköbel aufgefundene Zinnendeckel(Tafel I, Figur 17), der auf seiner oberen gewölbten Fläche mit einem viereckigen, zur Aufnahme eines Balkenzapfens bestimmten Loch versehen ist, auf die Existenz solcher Bau- werke hin. Da nun die Zwischentürme durchschnittlich 18 m von einander entfernt waren, so ist die Möglichkeit gegeben, die Gesamtstärke der Kastellwachen bezw. die Anzahl der fur die Beset- zung der Türme erforderlichen Mannschaften für jedes Kastell mit annähernder Genauigkeit zu bestimmen.

Verfolgen wir den Gang der Verteidigung weiter, so kann vorausgesetzt werden, dass in dem Augenblick, wo ein gewaltsamer Angriff erfolgte, eine überall gleichmässige Aufstellung der Truppen auf dem Wallgang notwendig wurde, da die Kastelle in der Regel von allen Seiten zu- gänglich waren, und man deshalb besonders bei Nacht nicht wissen konnte, auf welcher Stelle der Feind einzudringen beabsichtigte. Wenn wir nun annehmen, dass hinter jeder Zinnen- öffnung wenigstens ein Mann postiert werden musste, so können wir demnach auch die minimale Stärke der Wallbesetzung leicht errechnen, da nach den Längen der zu Heddernheim, Wiesbaden, Lützel- Wiebelsbach, auf der Saalburg¹) und zu Marköbel aufgefundenen Zinnendeckel die Breite eines Zinnenfensters mit dazu gehörigem Wimberge auf durchschnittlich 2 m anzunehmen ist. Für den Fall, dass ein oder mehrere Stellen der Enceinte besonders bedrängt wurden, musste aber ausser- dem unbedingt eine Reserve verfügbar sein, die wir mit ³¼ der auf dem Wall bezw. den Türmen. aufgestellten Truppen keinesfalls zu hoch veranschlagen.

Endlich haben wir auch diejenigen Mannschaften auf die Kastelle in Anrechnung zu bringen, welche die zugehörigen Pfahlgrabenstrecken zu bewachen hatten, und zwar durchschnittlich etwa je 40 Mann, für 10 Wachttürme à 4 Mann.

Ermitteln wir nach diesen Gesichtspunkten nunmehr die minimale Besatzungsstärke für ein mittelgrosses Kastell, also für ein solches von ungefähr 600 m Umfang, so erhalten wir unter Zu- grundelegung der Einrichtung von Grosskrotzenburg

a) Wache: 28 Türme à 4 Mann.... 112 Mann v) Wallgang: Nach Abzug von 150 m für die Thore und Türme bleiben 450 m Zinnenmauer folglich für 225 Zinnenfenster à 1 Mann.... 225 112+ 225 c) Reserve: 3.. 5...... 84 d) Pfahlgraben: 10 Wachttürme à 4 Mann....... 40 Zusammen. 461 Mann

Rechnen wir hierzu nur 8 9% Chargierte etc., so ergibt sich, dass ein derartiges Kastell mindestens mit einer Cohors quingenaria besetzt sein musste, um noch verteidigt werden zu können.

¹) A. v. Cohausen. Der römische Grenzwall in Deutschland S. 39, 132, 173, 202, 343 und Taf. VII, Fig. 1 bis 74.