Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
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während die Hilfstruppen den Grenzbefestigungen zugewiesen waren. Nun finden wir an dem rheinischen Limes, wenn wir die Main-Neckarlinie unberücksichtigt lassen, im Ganzen etwa 40 Kastelle, die wir als Hauptkastelle bezeichnen müssen, folglich erhalten wir für jedes der letzteren

21000 eine durchschnittliche Besatzung von 40 oder rund 520 Mann. Dass diese Zahl der Wirklich-

keit nicht zu fern liegen kann, geht schon daraus hervor, dass, wenn wir uns bei Schätzung der Stärke der Auxiliartruppen wirklich um 5 Cohortes quingenariae geirrt hätten, hierdurch die er- rechnete durchschnittliche Besatzungsstärke der Kastelle nur um 62 Mann geändert würde.

Diese Rechnung führt demnach zu dem wichtigen Resultat, dass die Mehrzahl der Hauptkastelle des rheinischen Limes Kohortenkastelle waren und dass wir nur unter aussergewöhnlichen Verhältnissen eine stärkere oder schwächere Besetzung derselben vorauszusetzen haben.

Es war uns sehr angenehm, dass dieses Ergebniss unserer Untersuchungen noch in letzter Stunde eine Bestätigung erfuhr, der wir wohl einen besonders hohen Wert beimessen dürfen. Kurz bevor diese Zeilen zum Druck gelangten hatte nämlich Herr Professor Dr. Th. Mommsen die Güte uns Folgendes mitzuteilen:

Uns geschähe ein Dienst, wenn die Frage, wie viel Soldaten ein römisches Kastell von be- stimmter Grösse bei kriegsmässiger Belegung erforderte, in einwandfreier Weise entschieden würde. Ich vermute, da die Kohorte der Legion wie der Auxilia der Regel nach 500 Mann stark war, dass man die mittelgrossen Kastelle auf diese Zahl angelegt haben wird; man wird doch die for- mierte Truppe so wenig wie möglich auseinandergerissen haben.

Was die von Herrn Professor Mommsen erwähnte Frage anbetrifft, so müssen wir deren Lösung zwar geübteren Kräften überlassen, vielleicht ist es aber nützlich, hier einige Punkte zu berühren, die in dieser Richtung event. beachtenswert sein dürften.

Wir führten bereits aus, dass die kriegsmässige Besatzung der Kastelle eine so ausserordent- lich verschiedene sein konnte, dass im Allgemeinen eine einigermassen zuverlässige Feststellung, derselben unmöglich erscheint. Dagegen liegen für die Bestimmung derjenigen Truppenzahl, welche einerseits überhaupt in dem Kastell untergebracht werden konnte, andererseits unbedingt erforder- lich war, um dasselbe noch verteidigen zu können, mehrere wichtige Anhaltspunkte vor.

Die maximale Belegung eines Kastells wird naturgemäss in erster Linie bedingt durch die Grösse des Lagerraumes und kann, wie wir oben sahen, annähernd richtig dadurch er- rechnet werden, dass man letztere in qm ausgedrückt durch 2,61 dividiert. Ist die Grösse des Lagerraums nicht gegeben, so wird man sich dadurch helfen können, dass man die in qm aus- gedrückte Gesamtfläche des Kastells durch 7,83 dividiert.

Für die Berechnung der minimalen Besatsungsstärke würden wir etwa folgendes Verfahren einschlagen: War ein Kastell bedroht, so mussten unbedingt an den Thoren und auf dem Wall'unaus- gesetzt Wachen vorhanden sein, die stark genug waren, einem Überfall so lange erfolgreichen Widerstand zu leisten, bis die übrigen Truppen alarmiert waren und auf dem Wall Aufstellung ge- nommen hatten. Nun liegt es aber nahe, dass diese Wachen in den bei allen Kastellen vorhandenen Thortürmen sowie in den häufig nachgewiesenen Zwischentürmen untergebracht wurden. Zwar zeigen letztere zuweilen einen auffallend kleinen Grundriss¹), indess ist andererseits nicht zu ver-

¹) Die Thortürme sowie die an den Kastellecken gelegenen Zwischentürme waren zumeist erheblich grösser

als alle übrigen; wir möchten hieraus schliessen. dass die ersteren auch in Friedenszeiten, die letzteren dagegen nur in Kriegsfällen besetzt waren.