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die Besetzung des Punktes erforderlich hält, und diese wird sich nach dem Wert richten, welchen wir selbst oder der Feind auf den Besitz desselben legen muss.“ Dieser Grundsatz ist zwar theoretisch richtig, sicherlich ist derselbe aber nicht von so allgemeiner praktischer Bedeutung und besonders nicht so ohne weiteres auf alle damaligen Verhältnisse anwendbar, dass man, wie es Herr Oberst v. Cohausen thut, daraufhin auf eine unbedingte Proportionalität zwischen der Grösse der Kastelle und der Stärke der Besatzungenschliessen könnte.
Wie die Kriegsgeschichte lehrt, ist die strategische Bedeutung fester Plätze veränderlich.
Indem wir also aus der Länge der Verteidigungslinien auf die Grösse der Besatzungen schliessen, würden wir die ganze Truppenmacht berechnen können, welche in den rheinischen Limes-Kastellen verteilt war, wenn uns nicht die Grösse einer Anzahl von Kastellen fehlte.
Trotz machem wenn und aber wollen wir doch den Versuch machen, und die Masse der fehlenden Kastelle, die wir ja dem Namen und der Lage nach kennen, so gut als möglich einschätzen.
Wir nehmen hierzu nur die Kastelle des rheinischen Limes, der Odenwaldlinie und einige im Inland auf dem rechten Rheinufer, von Lorch in Würtemberg bis Rheinbrohl, gelegenen Kastelle. Wir geben diesen allen, obschon darunter grössere und kleinere sein werden, die mittlere Grösse von Holzhausen, Ohringen und der Capersburg für je 2 Kohorten. Wir nehmen 2 Manipel an, wenn die Besatzungsstärke sich zu mehr als 1 ½ und zu weniger als 2 ½ Manipel berechnet.
Aus dem Umfang von den 36 hier aufgeführten grösseren und kleineren Kastellen(Schlossbuck und Deutz sind nicht mitgezählt), berechnet sich ihre Besatzuug zu 162 Manipel, das sind 54 Kohorten oder 5 Legionen und 4 Kohor- ten= 19440 Mann. Aus den 26 anderen, der Grösse nach unbekannten, berechnet sich, à 2 Kohorten, deren Be- satzung zu 52 Kohorten oder 5 Legionen und 2 Kohorten= 18720 Mann. Das ist in Summa eine Armee von 19440+ 18720= 38000 Mann, welchen aber noch beizuzählen wären die Besatzung von Kastellen, die spurlos ver- schwunden sind, sowie die Wächter sämtlicher Wachttürme, deren auf dem 440 km langen Limes von Lorch bis Rheinbrohl und auf der 60 km langen Odenwaldlinie wohl 500 zu rechnen und à 3 Mann zu 1500 Mann veranschlagt werden mögen.
Man erhält dadurch eine Kriegsbesatzung für die oberrheinische Provinz von mehr als 40000 Mann.
Nun begegnen wir zwar in Inschriften in Obergermanien, für dessen Schutz allein der rheinische Limes vor- handen ist, elf Legionen, diese aber nie gleichzeitig. Zugleich aber standen zur Zeit Trajans in Obergermanien die I. VIII. XI. und XXII. Legion hinter der Linie Lorch-Rheinbrohl verteilt, welche à 3600 Mann nur 14400 Mann, also bei weitem nicht hinreichend war fr die 40000 Mann starke Besatzung der Kastelle und Türme. Dafür müssen dann die Hülfskohorten eintreten. Derselben sind uns aus Inschriften an hundert bekannt, eine Zahl, die sich noch vermehrt, wenn wir beachten, dass uns von den Kohorten der Voluntarier zwar nur 5 benannt, unter diesen aber die 23., 26., ja selbst die 32, vorkommen und wir also mit Fug annehmen können, dass deren auch mindestens 32 vor- handen waren und statt obiger geringen Zahl benanter 5 mitzuzählen sind. Wir erhalten daher, wenn wir auch nur 130 Hilfskohorten à 360 Mann rechnen, einen Zuwachs von 46800 Mann, den wir zur Besatzung der Kastelle verwen- den können, während, was auch sehr nötig ist, die 4 Legionen als mobile Armee zur Verfügung des Feldherrn stehen.
Wir nehmen an, dass die Voluntarier-Kohorten vorzugsweise aus Landeseingeborenen bestanden, welche selbst am meisten dabei interessiert waren, dass ihre germanischen Brüder nicht die Grenze überschritten und das Ihrige in Besitz nahmen.
Im Mainzer Museum befinden sich 148 Ziegel mit Legionsstempeln und nur einer mit dem Stempel einer Kohorte(IIII Vindelicorum). In Wiesbaden wurden in dem dortigen Kastell 100 Legionsstempel, 20 der Cohors III Dalmatarum, und in einer nach dem Pfahlgraben hin gelegenen villa, Höfchen, 2 Kohortenstempel der Vindelicier ge- funden. In Heddernheim kam neben 48 Legionsstempeln kein oder nur ein zweifelhafter Kohortenstempel vor; dage- gen hat das Kastell Holzhausen nur einen Legions,— aber 15 Stempel der 3. vindelicischen Kohorte aufzuweisen.
Auch hierdurch werden die Hilfskohorten den Pfahlgrabenkastellen als Besatzung zugewiesen.
Wir haben gesehen, dass die Kastelle alle viel mehr inneren Raum umschlossen, als ihre Verteidiger zum Lagerraum in Anspruch nahmen. Der öberschuss an Platz war dann teils von Magazinen und Bequemlichkeitsbauten eingenommen, teils wurde er im Kriegsfall benutzt, als Zufluchtsort für die um das Kastell herum angesiedelten Ve- teranen und Landeseingeborenen, soweit diese, auch von ferner her, davon Gebrauch machen wollten oder durften und Zeit hatten das Kastell zu erreichen.“


