Aufsatz 
Der römische Grenzwall bei Hanau mit den Kastellen zu Rückingen und Marköbel / von Georg Wolff und Otto Dahm
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

werden, die Verwertung dieser Anhaltspunkte von Seiten des genannten Forschers nicht ganz ein- wandfrei sein, weil derselbe von mehreren anfechtbaren Voraussetzungen ausgeht, besonders aber

Man wird daher bei der Besatzung eines Kastells eine Kohorte den zehnten Teil der Legion oder 360 Mann stark, in vier Teile teilen, davon drei Teile oder 270 Mann in die Verteidigungslinie stellen und einen Teil oder 90 Mann in Reserve halten.

Der römische Legionar bedurfte zum freien Gebrauch seiner Waffen eine Front von 2 2·z; hinter ihm, im zwei- ten Glied, stand ein Kamerad, der an seine Stelle trat, wenn er fiel oder an seiner Seite sich aufstellte, wenn er nicht mit dem Schwert sondern mit dem Pilum als Stosslanze von der Zinne aus kämpfte. Es gehen also zwei Mann auf 2 ½* oder auf 1,87 m, und auf einen Mann 0,93 m. Obige 270 Mann konnten also eine Verteidigungslinie von 270% 1,87: 2, also von rund 253 m Länge besetzen; während 90 Mann in Reserve blieben. Ein für eine Kohorte berechnetes Kastell wird also 253 m Umazug haben oder z. B. 76 à 50 m lang und breit sein.

Es kommt jedoch nicht allein auf den für eine Kohorte angepassten Umzug an, die Kohorte muss innerhalb desselben auch ihren Lagerraum finden, und es gelten hierbei folgende Sätze.

10 Mann bedärfen ein Zelt oder eine Hütte von 100 Länge und Breite, dahinter einen Raum von 14 Länge und 10 Breite für das Gepäck u. s. w., und davor eine Zeltgasse von 6 Breite, im Ganzen einen Raum von 30 Länge und 10 Breite. Ein Mann bedarf daher 300 oder 2,61 dqm Lagerraum.

Aus dem Verteidigungsraum von 0,93 m Länge und dem Lagerraum von 2,61 qm, mit Beachtung, dass der letztere nicht nur für die in der Verteidigungslinie, sondern auch für die in der Reserve stehenden Mannschaften d. h. für ein Drittel mehr ausreichen muss, berechnet sich leicht die Grösse, welche ein Kastell haben muss, um beiden Ansprüchen zu genügen. Denn ein Kastell, dessen Umzug nicht vollständig besetzt werden könnte, oder nur mit Zu- hülfenahme der Reserve verteidigt werden müsste, wäre offenbar zu gross, und ein Kastell, dessen Raum nicht aus- reichte, um die nõtigen Verteidiger darin lagern zu lassen, wäre zu klein.

Ist U die Länge des Umzugs und x die Anzahl Legionare, so muss sein:

2 I. U.= X 0,93 und 0(+³) 2,61 oder II. U== xX 4152,9, aus I. und II. folgt: U 3 U U2 3. 4.16. 2,61 X= 6,93 und X=4 16 2,61 und also 0,93 4 16 2,61 und endlich U 3.0,93 59,87 oder unge- fähr U= 60 m, d. h. das Kastell muss mindestens ein Quadrat von 15 m Seitenlänge sein; dann hält es 225 qm und gewährt Lagerraum für u1= 86 Mann, von welchen ¾ oder 64 die Verteidigungslinie besetzen und(nahezu)

60 m einnehmen, während 22 in Reserve stehen. Für die ganze Besatzung von 86 Mann reichen à 2,61 qm pro Mann schon 224 ½ qm als Lagerraum aus, umsomehr der oben berechnete Flächeninhalt von 225 qm.

Es würde dies das kleinste Werk sein, welches theoretisch gerechtfertigt wäre, denn die zwei- oder mehr- stöckigen Türme unterliegen ganz anderen Bedingungen. Ich kenne nur ein Werk, welches nur wenig grösser als das berechnete ist, es ist das kleine Kastell auf dem Schlossbuck bei Gunzenhausen, ein Quadrat von 18 m Seitenlänge, mit einer 72 m langen Verteidigungslinie. Es sind zu seiner Besetzung einschliesslich Reserve 89 bis 90 Mann nötig; diese bedürften einen Lagerraum von 233 qm von dem im Ganzen 324 qm grossen Innenranm.

Nach denselben Sätzen berechnet bedarf ein von einer Kohorte von 360 Mann zu besetzendes Kastell eine Ver- teidigungslinie von 252 m Länge, welche in irgend einer, den gebräuchlichen Verhältnissen entsprechenden Weise zum Rechteck gebrochen ist, z. B. von 70 m Länge und 56 m Breite; es wird dann immer auch ein reichlicher Lagerraum erzielt, hier 3920 qm, von denen nur 940 qm gebraucht werden.

In dem folgenden Blatt haben wir sämtliche Kastelle längs des Pfahlgrabens, deren Masse uns bekannt sind, nach der Länge ihrer Verteidigungslinie geordnet und diese im Massstab von 1 mm= 10 m als wagrechte Linie mit ihrer davor geschriebenen Länge dargestellt. Wir baben sie durch senkrechte Linien gekreuzt, welche immer um 8,4 mm= 84m der Verteidigungslänge eines Manipel von einander entfernt sind, so dass die stärkeren Linien immer den Abstand der Verteidigungslänge einer Kohorte haben.

Man kann daher ohne weiteres sehen, wie gross die Verteidigungslinie jedes Kastells und also auch seine Be- satzung ist. Wir sehen z. B., dass die Verteidigungslinie von Holzhausen 420 m lang ist und von 5 Linien gekreuzt wird, also 5 Manipel Besatzung hat, ja dass es fast die 6. Linie erreicht, also nahezu 2 Kohorten Besatzung hatte.

Da man nun die Truppen nicht wie eine Herde trennt, sondern nach ihrer militärischen Gliederung abteilt,