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burg annimmt¹), und dem Weg, welcher bei Turm F nachgewiesen worden ist, kann, unter Berück- sichtigung der Terrainverhältnisse, nur noch ein bedeutenderer Strassenzug vorhanden gewesen sein, der unsere Pfahlgrabenstrecke kreuzte, und zwar auf dem Abschnitt zwischen dem Torfstich und dem Doppelbiergrabensumpf. Dass hier ein solcher Verkehrsweg existierte, dafür spricht nicht nur die für das Kastell Neuwirthshaus beabsichtigte Verstärkung dieses Pfahlgrabenabschnitts, son- dern auch der Umstand, dass sich nach Hünengräbern und sonstigen Funden eine Reihe germa- nischer Niederlassungen verfolgen lässt, welche von Hanau ausgehend über Lehrhof, Pulverfabrik, Forstrevier Grossauheimer-Tannen(Taf. II), Kahl, Dettingen u. s. w. auf Aschaffenburg zu— also im Allgemeinen in gleicher Richtung wie die Hanau-Aschaffenburger Chaussee— verlief*), und deren Verbindung durch eine Strasse wohl wahrscheinlich ist. Da nun aber alle bekannten Ver- kehrswege, die aus dem Dekumatenlande in das germanische Gebiet führten, stets nur an bewachten Stellen, d. h. in unmittelbarer Nähe von Kastellen oder Türmen den Pfahlgraben passierten, so wird die Vermutung nahe gelegt, dass hier, wie in unzähligen anderen Fällen, eine gewisse Konti- nuität des Strassenzuges vorliegt und dass letzterer zur Römerzeit, wie heute, den Grenzwall bei Turm C schnitt. Zu bemerken ist noch, dass die genannten drei rückwärtigen Strassenverbindungen in militärischer Hinsicht für unsere Limesstrecke nur von untergeordneter Bedeutung waren, da- die nächsten römischen Niederlassungen auf dem jenseitigen Ufer des Mains resp. der Kinzig bei Klein-Steinheim und Kesselstadt lagen und es nicht im Interesse der Sicherung dieser Ansiedelungeu liegen konnte, in deren Nähe die Ubergänge über die genannten Flüsse zu möglichst bequemen zu machen. So deuten denn auch alle Anzeichen darauf hin, dass man einen erheblich höheren Wert auf die mit dem Limes parallel laufende Verbindung legte und dieselbe in jeder Hinsicht sicher zu stellen suchte trotz der Schwierigkeiten, welche das hierbei in Betracht kommende Terrain bot.
Herr Oberst v. Cohausen sagt, in seinem„Römischen Grenzwall in Deutschland“ Seite 328:„A priori würde es sich von selbst verstehen, dass hinter dem Pfahlgraben eine Strasse her- laufen müsse, in Wirklichkeit aber finden wir, dass allerdings hinter oder vor ihm, und zwar vor ihm noch häufiger, ein gewöhnlicher Weg oder Pfad entlang läuft, nirgends aber das, was man, wie am Hadrianswall, eine Militärstrasse nennen könnte; nirgends erkennt man die Absicht, die uns doch so verständig erschiene, sich einen Weg hinter dem Pfahlgraben zu sichern zur Truppenkom- munikation zwischen den Kastellen.“
Es ist uns ganz besonders erfreulich, unserm hochgeschätzten Nestor in der Limesforschung den Beweis erbringen zu können, dass seine auf theoretischen Grundsätzen basierenden Voraussetzungen durchaus zutreffend sind; denn diese Militärstrasse war an unserer Pfahlgrabenstrecke thatsächlich vorhanden und ist zum grössten Teil noch so deutlich sichtbar, dass sie unbedingt als sicher nach- gewiesen angesehen werden kann. Auf die Spur dieses Weges führte zunächst eine flachgewölbte, dammartige Bodenerhebung von 6 m Breite und etwa 0,40 m Höhe, welche in dem sonst ganz ebenen Forstrevier Niederwald auffiel und die an mehreren Stellen, und zwar immer etwa 40 m hinter dem Pfahlgraben und parallel mit letzterem, wiederkehrte. Einschnitte in diese Erhöhungen ergaben ein Gemisch von Kies und kleinen Kieselsteinen, ein Umstand, der gleichfalls unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen musste, da der Boden hier durchweg lehmige Beschaffen-
¹) Das Römerkastell und das Mithrasheiligtum zu Grosskrotzenburg am Main. S. 25.
²) Vgl. die der„Geschichte der Provinz Hanau und der unteren Maingegend von Carl Arndt“ beigegebene Fundkarte, welche zwar sonst ziemlich unzuverlässig ist, aber diese Linie germanischer Niederlassungen richtig ver- anschaulicht.


