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Turm H. Die grosse Regelmässigkeit, mit welcher die Türme an unserer Limensstreke angelegt sind, lassen es nicht zweifelhaft erscheinen, dass zwischen dem Turm G und der Kinzig, resp. dem Kastell Rückingen, noch ein letzter Turm H vorhanden war. Die Entfernung dieser beiden Punkte beträgt rund 1700 m und ist offenbar zu gross, um das zuverlässige Funktionieren der Signallinie zu sichern, während wir andererseits bei einer Teilung dieser Strecke durch An- nahme noch eines Turmes wieder zu dem durchschnittlichen Abstand der letzteren gelangen. Ob- gleich nun durch diese Durchschmittsentfernung sowohl wie durch die Terrainbeschaffenheit die Lage dieses Turmes für diejenige Gegend angezeigt erscheint, wo der Pfahlgraben die Lache über- schreitet, so konnte derselbe doch trotz allen Bemühungen bisher nicht aufgefunden werden. Falls also spätere Nachforschungen keinen günstigeren Erfolg haben, wird nur die Annahme übrig blei- ben, dass die zahllosen Überflutungen dieser Gegend auch die letzten Spuren dieses Bauwerks fortgeschwemmt haben. Immerhin ist der Ausfall dieses Turmes bedauerlich und zwar besonders deswegen, weil anzunehmen war, dass die Auffindung desselben gleichzeitig in die, auch in mancher andern Hinsicht fragliche, Situation der Grenzbefestigungen an dieser Stelle grössere Klarheit bringen und somit die einzige wesentliche Lücke in der Kenntnis unserer Pfahlgrabenstrecke be- seitigen würde.
Fügen wir schliesslich noch einige Worte über die bauliche und sonstige Einrichtung unserer Wachtstationen hinzu, so können wir uns damit begnügen zu erwähnen, dass die Beschaffenheit der aufgefundenen Reste keinerlei Widersprüche zu den betreffenden Darstellungen ergibt, welche uns die Trajanssäule überliefert. Letztere zeigt drei im Wesentlichen übereinstimmende viereckige Türme(Taf. II, Figur 10) von je 2 Stockwerken, und zwar sind zwei dieser Türme durchweg massiv, der dritte dagegen nur im untern Stockwerk massiv, im oberen in Fachwerk erbaut. Das Dach ist pyramidenförmig und zeigt an der Spitze eine Öffnung, die als Rauchabzug diente. Zu ebener Erde befindet sich ein verhältnismässig hoher Eingang während aus dem zweiten Stock- werk eine kleine Öffnung zu einer Gallerie führt, von welcher der Turm hier umgeben ist. Aus der letztgenannten Öffnung ragt schräg eine grosse Fackel heraus. Um den Turm läuft eine Pallisadierung. Diese Abbildungen geben uns gleichzeitig auch Aufschluss über die Signale, welche, wenn Gefahr im Verzuge war, von einem Wachtposten zum andern gegeben wurden, und zwar erfolgte augenscheinlich das Signalisieren bei Nacht durch Feuer, bei Tage durch Rauch, welcher im Innern des Turmes erzeugt wurde und durch die angedeutete Dachluke emporstieg. Führen wir ferner noch an, dass die Auffindung eines pfeifenartigen Signalinstruments in einem Turm der northumbrischen Grenzbefestigungen auch auf die Anwendung akustischer Signale schliessen lässt und dass die Trajanssäule uns Holzstapel(Taf. II, Figur 10) und Strohhaufen(Taf. II, Figur 11) vorführt, von denen angenommen werden kann, dass sie angezündet als optische Zeichen für grös- sere Entfernungen Verwendung fanden, so sehen wir, dass den Beobachtungsposten Signalmittel für alle Eventualitäten zur Verfügung standen.
Wenn wir endlich das gleichfalls auf der Trajanssäule dargestellte einstöckige, mit einem Pallisadenzaun umgebene Häuschen(Taf. II, Figur 9) in vereinfachter Bauart auf die bei den Türmen C, D und F angenommenen Baracken beziehen, so glauben wir uns im Hinblick auf diese IIlustrationen aller weiteren Ausführungen in dieser Richtung um so mehr enthalten zu müssen, als letztere naturgemäss lediglich hypothetischer Natur sein könnten.
5S. Die Strassen und Brücken. Ausser der altrömischen Strasse, welche Herr Dr. Wolff bei dem Kastell Grosskrotzen-


